Auto fahren in Marokko: Von Platzhirschen, Hupen und Radarkontrollen

Ein Roadtrip durch Marokko ist sicherlich eine der schönsten Arten, um das Land individuell und kostengünstig kennenzulernen. Doch viele scheuen sich vor dem Auto fahren in Marokko. Zu groß ist die Angst vor Unfällen, korrupten Polizisten, Diebstahl und endlosen Diskussion mit dem Mietwagen Verleih. Meine Meinung: Alles halb so wild! Auto fahren in Marokko ist eigentlich ganz entspannt, so lange du aufmerksam bist und einige grundlegende Regeln beachtest. Welche genau das sind, erfährst du im Folgenden…

Auto fahren in Marokko:
Straßenverhältnisse und Tempolimit

Auto fahren in Marokko ist absolut unkompliziert. In Marokko herrscht, wie bei uns, Rechtsverkehr. Schon mal ein Pluspunkt für alle Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz! Zudem weißt Marokko eine gute Infrastruktur auf. Die Straßen und Autobahnen sind breit, in regelmäßigen Abständen gibt es Tankstellen und saubere Toiletten. Was willst du mehr? Mit der so häufig als korrupt beschriebenen marokkanischen Polizei habe ich auf meinem Roadtrip durch Marokko keine Bekanntschaft gemacht.

Auto fahren in Marokko: Geht besser als man denkt!

Auto fahren in Marokko: Geht besser als man denkt!

Auto fahren in Marokko: Stadtverkehr

Die Straßen in den Großstädten sind gut ausgebaut und übersichtlich. Lediglich innerhalb der Medina (Altstadt) kann es eng werden, wenn von allen Seiten Menschen, Esel, Radfahrer und Katzen vorbeiströmen und das Autorad in einem Schlagloch versinkt. Parke dein Auto am besten außerhalb der Medina und erkunde die Altstadt ausschließlich zu Fuß. Das spart Nerven und beugt unschönen Kratzer vor. Viele Medinas, wie beispielsweise die von Fés, sind ohnehin nicht mit dem Auto passierbar. Innerhalb der Stadt liegt die Geschwindigkeitsbegrenzung bei 40 km/h, teilweise auch bei 60 km/h. Achte auf die großen roten Stoppschilder an den Kreuzungen. Bei Missachtung eines Stoppschildes kann es teuer werden!

Auto fahren in Marokko: Landstraße

Die Landstraßen in Marokko sind zwar weniger gut ausgebaut wie die mehrspurige Autobahn, aber deutlich interessanter. Es geht über Berge und durch Wälder, über Felder und vorbei an türkisblauen Seen. Das macht natürlich deutlich mehr Spaß, als stupides geradeaus fahren auf der marokkanischen Autobahn. Wenn es sich also mit deiner Route und Zeit vereinbaren lässt, solltest du einige Fahrten bevorzugt über Landstraßen zurücklegen. So sparst du auch die Mautgebühren. Achte allerdings darauf, dass du ausreichend Sprit im Tank hast, denn mit Tankstellen sieht es in der ländlicher Gebieten teilweise mau aus. Auf der Landstraße herrscht meist ein Tempolimit von 100 km/h.

Landstraße in Marokko: Allerhand Gegenverkehr

Landstraße in Marokko: Allerhand Gegenverkehr

Auto fahren in Marokko: Autobahn

Die marokkanischen Autobahnen sind sehr gut ausgebaut, breit und leer. Besonders bei längeren Strecken empfiehlt es sich die Maut in Kauf zu nehmen und den Weg über die Autobahn zu fahren, um Zeit und Nerven zu sparen. Das Tempolimit auf der Autobahn liegt bei 120 km/h. Achtung: Radarkontrollen gibt es viele und hinter manchen Busch wartet die Polizei.


Autofahren in Marokko: Andere Länder, andere Sitten!

Natürlich kann man einen Roadtrip durch Marokko nicht mit einem Sonntagsausflug in Deutschland vergleichen. Auf den Straßen gibt es einige Sonderbarkeiten, auf die du achten solltest!

(1) Vorsicht Platzhirsch!

In Marokko könnte man meinen, dass die Größe oder der Preis eines Verkehrsmittels in direkter Korrelation mit gleichgültigen oder gar aggressiven Fahrstil stehen. Denn in der Tat sind es die teureren Autos oder aber die rostigen LKWs und Transporter, die die Straßen in Marokko bestimmen, dicht auffahren, drängeln oder ausbremsen. Wir wurden Zeugen einiger riskanter Fahrmanöver und so manch ein Einheimischer fand Spaß daran, uns zu provozieren. Die Devise lautet: Lass dich nicht beirren, bleib ruhig und halte Abstand!

Der Esel ist ein weiterer Verkehrsteilnehmer in Marokko

Der Esel ist ein weiterer Verkehrsteilnehmer in Marokko

(2) Vorsicht Esel!

Neben draufgängerischen LKW-Fahrern solltest du beim Auto fahren in Marokko auch immer Acht auf Mopeds, Fahrradfahrer, Esel, Kutschen, Ziegenherden, Straßenverkäufer und lebensmüden Fußgänger geben. Unfälle sind im Straßenverkehr von Marokko leider keine Seltenheit. Sei wachsam und achte auf deine Umgebung!

(3) Vorsicht Kreisverkehr!

Die Marokkaner sind wahre Meister der Kreisverkehre. Nahezu jede Weggabelung und Kreuzung scheint durch einen Kreisverkehr gelöst zu sein, so dass einem richtig schwindelig wird. Ganz ehrlich, so richtig verstanden habe ich das System der Kreisverkehre in Marokko nicht. Mal haben die Autos von rechts Vorfahrt, mal die von links. Mal fahren die Marokkaner ganz innen, um dann doch blitzartig nach rechts über drei Spuren abbiegen. Ein anderes Mal winken sie dich freundlich weiter. Solltest du das System der Kreisverkehre in Marokko verstehen, so erkläre es mir bitte!

Auto fahren in Marokko: Stoppschild mal anders

Auto fahren in Marokko: Stoppschild mal anders

(4) Vorsicht Polizei!

In vielen anderen Blogs habe ich von zermürbenden Konfrontationen mit der marokkanischen Polizei, Korruption und Schmiergeldern im Straßenverkehr gelesen. Ich persönlich wurde kein einziges Mal von der Polizei angehalten und kann die Geschichten nicht bestätigen. In der Tat steht die Polizei in regelmäßigen Abständen am Straßenrand und winkt Passanten raus. Halte dich einfach an die Vorschriften, fahre langsam an eine Straßensperre heran, lächle den Polizisten freundlich zu und du wirst verschont.

(5) Vorsicht Blitzer!

Ich empfehle dir, dich stets an das vorgeschriebene Tempolimit zu halten. Die Marokkaner sind Fanatiker in puncto Radarkontrollen, ganz gleich ob im markierten Bereich der Autobahn oder versteckt hinter einem Busch auf der Landstraße. Ein Ticket kann teuer werden. Achte auch auf die freundlichen Autofahrer, die bereits 10 Kilometer vorab Blitzer mit Lichthupe ankündigen.

Auto fahren in Marokko: Einfach anhalten, wo es dir gefällt!

Auto fahren in Marokko: Einfach anhalten, wo es dir gefällt!

(6) Vorsicht Hupe!

Auf eine Sache kannst du dich verlassen: Auf eine grüne Ampel folgt ein Hupkonzert. Sobald die Ampel von Rot auf Grün springt, ertönen die Hupen der Autofahrer hinter dir. Offensichtlich haben die Marokkaner im Straßenverkehr keine Geduld. Lass dich nicht verrückt machen!


Parken in Marokko: Parkwächter und Parkverbote

Die meisten Riads für Touristen liegen innerhalb der Medina und sind nur zu Fuß erreichbar. Dein Auto solltest du daher auf einem nahegelegenen Parkplatz oder einer ruhigen Seitenstraße abstellen. Bordsteine, die rot-weiß oder grün-weiß gestreift sind, bedeuten Park- oder Halteverbot. In vielen Seitenstraßen gibt es zudem Parkuhren.

Auto fahren in Marokko: Quäle dich bloß nicht durch die Medina!

Auto fahren in Marokko: Quäle dich bloß nicht durch die Medina!

Ich empfehle dir, dein Auto auf einem bewachten Parkplatz nahe der Medina abzustellen. Informiere den Parkwächter (meist gekleidet in einer neongelben Weste) über die Dauer deines Aufenthaltes und gebe ihm für seine Dienste ein Trinkgeld in Höhe von 10 – 20 Dh. pro Tag.

Um einen geeigneten Parkplatz in der Nähe der Medina oder deines Riads zu finden, kannst du dich vorab bei deiner Unterkunft informieren oder einfach auf Google Maps nachschauen, wo sich der nächste Parkplatz befindet.


Navigieren in Marokko: Spar die das Geld!

In vielen Mietwagen Firmen kannst du dir für ca. 50 – 70 Dh. pro Tag ein Navigationsgerät für das Auto fahren in Marokko leihen. Meiner Meinung nach ist das jedoch Geldverschwendung. Lade dir lieber eine Offline Karte für Marokko auf dein Smartphone (z.B. Navigator App) und markiere dir dort deine Unterkünfte als Favoriten. Dank GPS navigiert dich dein Smartphone dann gekonnt und vor allem kostenlos durch Marokko. Das funktioniert nicht immer hundertprozentig, aber ist absolut ausreichend. Natürlich kannst du aber auch ganz klassisch auf eine Straßenkarte zurückgreifen. Das reicht für Überlandfahrten allemal aus!


Was kostet ein Roadtrip durch Marokko?

Die richtige Antwort lautet: Es kommt darauf an! Die Kosten für deinen Roadtrip durch Marokko variieren stark je nach gewünschten Komfort deiner Unterkünfte sowie der gebuchten Mietwagenklasse und den Versicherungen.

Mietwagen: Die Kosten für das Leihen eines Mietwagens in Marokko beginnen bei ca. 200 Dh. pro Tag, allerdings enthält dieser Preis weder sinnvolle Versicherungen gegen Diebstahl, Unterbodenschutz, Steinschlag etc. Möchtest du dich gegen alle Eventualitäten absichern, so kannst du pro Tag mit ca. 300 – 400 Dh. rechnen, je nach Autotyp, Gesamtdauer der Vermietung und Mietwagenagentur. Für einen zusätzlichen Fahrer zahlst du ca. 50 Dh. pro Tag.

Sprit: Der Sprit in Marokko ist mit ca. 10 Dh. pro Liter verhältnismäßig günstig. Tankstellen gibt es auf der Autobahn in regelmäßigen Abständen. Planst du längere Fahrten durch das Hinterland, dann solltest du vorab volltanken, um Komplikationen zu vermeiden.

Mautgebühren: Für lange Stracken quer durch Marokko empfiehlt es sich die Autobahn zu nutzen. Diese sind gut ausgebaut und man kommt Dank einer erlaubten Geschwindigkeit von 120 hm/h schnell voran. Allerdings ist die Nutzung der Autobahn nicht ganz günstig, da Mautgebühren anfallen. Diese variieren zwischen 9 – 70 Dh. je nach zurückgelegter Strecke.

Unterkünfte: Die Preise für Unterkünfte in Marokko variieren stark in Abhängigkeit der gewählten Kategorie, der Lage und der Ausstattung. Eine gute Adresse sind sogenannte Riads (privat geführte Unterkünfte) mit wenigen Zimmern, freundlichen Personal und umfangreichen Frühstück. Sie befinden sich meist inmitten der Medina und hinter so manch bröckelnden Hausfassade wartet eine wunderschöne Ruhe Oase mit idyllischem Hinterhof oder schöner Dachterrasse auf dich. Die Preise für eine Übernachtung in einem Riad liegen zwischen 100 – 250 Dh. (9 – 23€ pro Nacht und Person).

Eintrittspreise: Für die Besichtigung vieler Sehenswürdigkeiten wie Palästen, Medersas, Museen oder Gärten musst du natürlich ein Eintrittsgeld zahlen. Die Gebühren sind im Vergleich zu Europa jedoch sehr günstig mit rund 10 Dh. pro Person.

Flug: Flüge nach Marokko aus dem europäischen Ausland sind günstig. Von größeren Flughäfen wie Frankfurt am Main gelangst du mit Air Arabia Maroc bereits für 120 € nach Marrakesch. Auch günstige Airlines wie Ryanair fliegen mehrfach die Woche nach Marokko, vorrangig jedoch nach Casablanca oder Agadir. Die Inlandsflüge innerhalb von Marokko hingegen sind sehr teuer. In diesem Fall ist es ratsamm auf einen Mietwagen oder öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn zurückzugreifen.


Lust auf einen Roadtrip durch Marokko?


Für die Planung deiners Roadtrips durch Marokko empfehle ich dir den Lonely Planet Reiseführer für Marokko inklusive hilfreicher Tipps zu Unterkünften, Sehenswürdigkeiten, Verhaltensregeln und Verkehrsmitteln.

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Bilder: © Doreen Schollmeier / Saskia Gottfried; makunin – pixabay.com; toubibe – pixabay.com, sunflair – pixabay.com

Saskia Gottfried

Saskia ist die Expertin für Low-Budget Trips mit Erlebnisfaktor. Auf www.fernsuchtblog.de berichtet sie von ihren Roadtrips und Festivalerlebnissen auf der ganzen Welt.

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2 Antworten

  1. der Muger sagt:

    Wir fahren gerne – und oft – in Marokko herum.
    Der Strassenverkehr ist etwas origineller, aber auch viel entspannter als in Deutschland. Anstrengend ist einzig die Fahrt von hier nach Marokko; das sind immerhin fast 3’000 Kilometer hin und 3’ooo Kilometer zurück!

    liebe Grüsse vom Muger

  2. Bine sagt:

    Hallo Isolde!
    du schreibst wirklich sehr schöne Artikel und fügst immer passende und interessante Bilder an -toll zu lesen!! 🙂
    Mein Freund und ich planen auch einen Trip nach Marokko und deshalb habe ich ein paar Fragen an dich :)Wie lange warst du denn in Marokko unterwegs und wie war deine Route? Hast du ein paar Riads-Empfehlungen für uns?
    liebe Grüße
    Bine