Buchtipp: In eisigen Höhen

In eisigen Höhen - Jon Krakauer
In eisigen Höhen - Jon Krakauer

Wie fühlt es sich an auf dem Dach der Welt zu stehen? Ist man überwältig und stolz auf die eigene Leistung? Steht man wie Tom Hanks in dem Film „Cast Away“ mit geschwollener Brust auf dem Gipfel und schreit lauthals „Ich habe den Gipfel bestiegen!“. Oder ist man fassungslos und schweigt?

Ich persönlich denke, dass man zu keiner dieser drei Emotionen in der Lage. Auf 8.848 m Höhe, in einer lebensfeindlichen Umgebung, in der man ohne künstlich zugeführten Sauerstoff aus der Flasche kaum atmen kann und auch das Gehirn keinen klaren Gedanken mehr zulässt, wird das große Jubelgeschrei wohl aus bleiben. Zumindest erging es so Jon Krakauer, dem Autoren meines heutigen Buchtipps „In eisigen Höhen“.

Schon seit jeher lüstern Bergsteiger und Abenteurer nach der Besteigung des höchsten Punktes der Erde, dem Mount Everest. Doch jedes Jahr sterben dort Menschen durch Selbstüberschätzung, Sauerstoffmangel, höhenbedingte Krankheitsbilder oder Naturkatastrophen. 1996 nahm der US-amerikanische Journalist und Bergsteiger Jon Krakauer an einer unter neuseeländischer Flagge geführten Mount Everest Expedition teil, um für die amerikanische Zeitschrift Outside über die zunehmende Kommerzialisierung von Everest Besteigungen zu berichten. Doch was für den passionierten Bergsteiger als Erfüllung eines Kindheitstraums begann endete in einer Katastrophe. Durch ein unerwartetes Gewitter rund um den Gipfel des Mount Everest verloren zahlreiche Bergsteiger und professionelle Bergführer am 10. Mai 1996 ihr Leben. Jon Krakauer schrieb als einer der sechs Überlebenden seiner Expedition nur ein Jahr nach seiner Gipfelbesteigung ein Buch, indem er seine Erlebnisse am Mount Everest erzählt und verarbeitet.

„In eisigen Höhen“ (Originaltitel: Into Thin Air) lautet der Titel des Tatsachenerzählung. Das Buch gilt als Glanzstück der Bergliteratur, wurde jedoch auch vielfach kritisiert, vor allem von den Angehörigen der verstorbenen Teilnehmer der Mount Everest Expedition im Mai 1996. In seinem Buch berichtet Krakauer zunächst von dem Beginn und den Vorbereitungen der Expedition, dem Konkurrenzkampf unter den kommerziellen Bergführern und den geistigen sowi körperlichen Herausforderungen, die mit einer Besteigung des höchsten Berges der Welt einhergehen. Das Buch beinhaltet viele Fakten zum Bergsteigen, zum Mount Everest und zu Nepal. Herausragende Bergsteigerleistungen der Vergangenheit werden immer wieder in die Erzählung der Mount Everest Katastrophe eingebracht. Er beschreibt seine Kameraden, seine Ängste, den kräftezerrenden Aufstieg zum Gipfel, den Verlust der kognitiven Fähigkeiten durch Sauerstoffmangel und letztlich auch den Überlebenstrieb.

Auch wenn man schon zu Beginn weiß, wie tragisch die Mount Everest Expedition im Mai 1996 endete, so fesselt das Buch auf jeder seiner 360 Seiten und regt zum Nachdenken an. Ich habe das Buch innerhalb von einer Woche verschlungen. Selbst durch Nepal gereist, konnte ich mir die beschriebenen Berglandschaften bildlich vorstellen. Auch mich hat das Bergsteigfieber auf den ersten 100 Seiten gepackt. Auch ich wollte auf den Gipfel, um das fassungslos das dramatische Ende der Expedition mitzuerleben. Jon Krakauer schreibt hier kein Abenteuerbuch. Er berichtet von einem realen Ereignis. Absolut mitreizend, nachdenklich und beeindruckend – eins der besten Bücher, die ich seit langen gelesen habe!

Titel: In eisigen Höhen
Autor: Piper
Verlag: Ullstein extra
ISBN-10: 3492229700
Amazon-Link: http://www.amazon.de/eisige-H%C3%B6hen-Drama-Mount-Everest/dp/3492229700

Bilder: © Doreen Schollmeier

IsoldeMaReisen

Mein Name ist Isolde MaReisen und ich bin fernsüchtig. Auf fernsuchtblog.de berichte ich von meinen Reisen, Outdoor-Erlebnissen und gebe Tipps für Weltenbummler.

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5 Antworten

  1. Lynn sagt:

    Verrückt, man könnte meinen du stellst mein Bücherregal vor 😀 gefällt mir sehr gut 🙂

  2. Markus sagt:

    Das Buch finde ich auch super. Das gibt es auch als Hörbuch gelesen von Christian Brückner (der deutschen Synchronstimme von Robert DeNiro). Der bringt das super rüber.

    Andere Bücher in der Richtung, die ich sehr cool fand:
    Joe Simpson – Touching the Void – Autobiographischer Bericht über die Besteigung der Westwand des Siula Grande durch zwei Freunde. Beim Abstieg verletzt sich einer der beiden weswegen sie versuchen, sich über eine sehr Steile Flanke abzuseilen. Dabei stürzt der Verletzte erneut ab und sein Freund muss das Seil kappen, um nicht selbst abzustürzen, sodass der andere ins Nichts fällt. Absolut krasse Geschichte, die sehr eindringlich aber ohne großes Pathos geschildert wird.

    Ed Viesturs – No Shortcuts to the Top – Bericht von Ed Viesturs über seine Besteigung aller Achttausender ohne Sauerstoff. Sehr spannend geschrieben. Unter anderem war er mit der Imax Expedition 1996 am Everest als das Unglück passiert ist. Man bekommt auch viele Einblicke in die Szene der Höhenbergsteiger. Ich fand das sehr faszinierend und habe in kürzester Zeit verschlungen.

    Hast Du noch weitere Tipps? Bin immer auf der Suche… 😉

    • Hallo Markus,

      danke für dein Kommentar und vor allem für die tollen Buchtipps. Beide habe ich noch nicht gelesen und die Bücher sind direkt auf meiner Amazon Wunschliste gelandet 🙂

      Kürzlich habe ich das Buch „72 Tage in der Hölle“ gelesen. Dabei geht es um einen Flugzeugabsturz in den Anden nach einer wahren Begebenheit und wie sich die Überlebenden unter lebensfeindlichen Bedingungen versucht haben zurück in die Zivilisation zu kämpfen. Sehr ergreifend! Der Film ist hingegen nicht so die Wucht.

      Zudem habe ich „Totgesagt: Mein Überlebenskampf am Everest“ von Lincoln Hall gelesen. War gut, kommt aber nicht an „In eisigen Höhen“ ran.

      Empfehlen kann ich auch „Sturz ins Leere“ von Joe Simpson. Eine wirklich schlimme Geschichte. Das Film dazu war auch nicht schlecht.

      Ich wollte demnächst noch einen anderen Bericht der Everest Expedition lesen, über die „In eisigen Höhen“ geschrieben wurde. Da gab es ja mehrere Autoren, die die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkel aufgearbeitet haben. Zum Beispiel „Der Gipfel“ von Anatoli Nikolajewitsch Bukrejew.

      Du siehst, an Lesestoff mangelt es nicht.

      Viele Grüße
      Isolde MaReisen

  3. Markus sagt:

    Hi Isolde,

    Cool! Vielen Dank für die neuen Tipps! 🙂
    „72 Tage in der Hölle“ werde ich gleich mal besorgen. Das klingt sehr spannend. Ich denke, in das von Lincoln Hall werde ich auch mal einen Blick werfen. Ich glaube, von der Geschichte, habe ich mal gehört, wusste aber nicht, dass es dazu auch ein Buch gibt.

    Eines der Bücher, die ich vorgeschlagen habe, hast Du doch schon gelesen. „Touching the Void“ ist der englische Titel von „Sturz ins Leere“ 😉

    „Der Gipfel“ von Bukrejew habe ich gelesen. Ich fand es nicht so gut. Ich habe es aber aus dem gleichen Grund gelesen; um auch mal seinen Blickwinkel zu erfahren.
    Ed Viesturs Schilderung des Ganzen fand ich als neuen Blickwinkel auch sehr interessant, da er alle Hauptpersonen gut kannte und jeweils mit ihnen auf anderen Expeditionen war.
    Ich kann zu den Ereignissen auch die Dokumentationen „Storm over Everest“ und „Dark Side of Everest“ empfehlen. Die Erste rekonstruiert die Ereignisse ganz gut und lässt sie duch die Überlebenden eindringlich schildern. Die Zweite geht primär um die moralischen Aspekte.
    In der Richtung sind auch „Freundschaft auf Zeit“ und „Sieben Tage im September“ (lief auch mal als „Im Schatten des Manaslu“ auf Servus) sehr interessant. Die behandeln die Speed-Besteigungen von Basti Haag und Benedikt Böhm, wobei bei beiden die Besteigung durch andere Ereignisse völlig in den Hintergrund rücken.

    Aber ich glaube, jetzt schweife ich zu sehr vom Thema ab… 😉

    Dann noch viel Spaß in der Ferne!

    Viele Grüße,
    Markus

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