Der Steigeisen Test für echte Allrounder

Während unserer sommerlichen Bergtouren in den Alpen geht es immer wieder hoch hinaus. Bei Gipfelbesteigungen oberhalb von 2.500m, wie beispielsweise am Hochvogel im Allgäu oder dem Triglav in den Julischen Alpen, begegnen uns besonders im Frühsommer oder Herbst regelmäßig Schnee- und Eisflächen, die nicht unterschätzt werden sollten. Um sich speziell in den Hochlagen sicher bewegen zu können, gehören Steigeisen daher zu unserer Grundausrüstung. Damit auch für euch die nächste Tour zu einem sicheren Vergnügen wird, stellen wir euch in unserem Test die zwei Allround Steigeisen Grivel AirTech und AustriAlpin Trekking näher vor. Mit beiden Modellen seid ihr für mittelschwere Trekkingtouren ohne ausgedehnte Kletterpassagen sehr gut gerüstet.

Auf die richtige Bindung kommt es an!

Vor der Wahl eines bestimmten Modells sollte jedoch zunächst die gewünschte Schnürung bzw. Bindung des Steigeisens gewählt werden. Die meisten Hersteller bieten drei verschiedene Bindungssysteme an. In der einfachsten Ausführung gibt es ein eher klassisches System, bei dem die Steigeisen mit zwei Plastikschnallen und einem Riemen an nahezu jedem Schuhmodell befestigt werden können. In der fortgeschrittenen Variante sind steigeisenfeste Schuhe notwendig. Dabei handelt es sich um eine Kipphebelbindung, die einen ausgeprägten Sohlenrand an der Schuhvorderseite und dem Schuhende erfordern. Über einen Metallbügel und den angesprochenen Kipphebel können die Steigeisen dann schnell und unkompliziert am Schuh befestigt werden. Für bedingt steigeisenfeste oder abgenutzte Schuhe empfiehlt sich eine kombinierte Lösung, bei der an der Vorderseite eine Plastikschnalle zum Einsatz kommt und hinten die Kipphebelbindung genutzt wird. In unserem Testbericht stellen wir euch die klassische (Grivel) und die kombinierte (AustriAlpin) Variante vor, da diese an einer Vielzahl von Bergschuhen verwendbar ist.

Grivel AirTech Classic

Klassische Bindung mit Plastikschnallen und Riemen

Das Steigeisen Grivel AirTech New Classic (153,90€) in der Bergfreunde Edition besitzt insgesamt 12 Zacken, wiegt 920g und ist ein idealer Begleiter für ausgedehnte Touren über Eis und Schnee. Die klassische Bindung überzeugt durch ihre Einfachheit und das hohe Maß an Zuverlässigkeit. Ohne Zuhilfenahme von Werkzeug lassen sich die asymmetrischen Stege aus Stahl individuell an gängige Schuhgrößen (35-46) anpassen. Die beiden Plastikschnallen lassen sich weit aufklappen, um bequem in das Steigeisen einzusteigen, und sind elastisch genug um sich bündig an den Bergschuh* anzupassen. Das Riemensystem zur Fixierung hat in unserem Test vollständig überzeugt. Es lässt sich bei Bedarf sehr straff anziehen und bietet auch nach mehrstündiger Benutzung eine sichere Verbindung zum Schuh. Kleiner Nachteil der klassischen Bindung ist ein erhöhter Platzbedarf im Rucksack, da die beiden Plastikschnallen leicht abstehen.

 

Während des Gehens im eisigen Gelände zeichnen sich die Grivel AirTech durch sehr gute Haftungseigenschaften aus. Zwei nach außen versetzte Zacken sorgen speziell bei Querungen für einen sicheren Halt. Dank der nach vorn gerichteten Frontalzacken ist sogar Eiskletterei im gemäßigten Gelände möglich. Des Weiteren dürfen die mitgelieferten Antistollplatten lobend erwähnt werden. Diese haben eine konvexe Form und geben bei jedem Auftreten nach, sodass anhaftender Schnee immer wieder gelöst wird (Stollenbildung unter dem Steigeisen ist eine ernste Gefahr speziell bei feuchten Schneeverhältnissen). Nach dem Einsatz können die Steigeisen in der passenden Tasche verstaut werden. Ein echter Vorteil, da man sich mit den scharfkantigen Spitzen sehr leicht den Rucksack beschädigen kann.

AustriAlpin Trekking Kombi

Sicherer Auftritt bei Eis und Schnee mit den AustriAlpin Kombi

Beim Steigeisen AustriAlpin Trekking (89,95€) handelt es sich mit 740g Gesamtgewicht um ein echtes Leichtgewicht und universellen Begleiter auf dem Eis. Dank der im Test verwendeten kombinierten Bindung lässt sich dieses Steigeisen sehr schnell am Schuh befestigen. Neben der Längeneinstellung des Stegs (geeignet für Schuhgröße 35-47) muss der Kipphebel mittels Einstellrad individuell an den Schuh angepasst werden. Es ist darauf zu achten, dass der Hebelmechanismus den Schuh straff einspannt, da sich das Steigeisen sonst lösen kann. Über den Kunststoffriemen erfolgt eine zusätzliche Fixierung an der Oberseite des Schuhs.

Auf dem Eis überzeugen die AustriAlpin Trekking durch ein hohes Maß an Gehsicherheit und exzellenten Halt. Lediglich in Querpassagen macht sich die geringere Anzahl an Zacken bemerkbar. Genau wie beim Grivel AirTech verfügen die Steigeisen von AustriAlpin über Antistollplatten. Diese erfüllen leider nur bedingt die Erwartungen, da sie sehr starr sind und in unserem Test sogar dazu neigten sich nach längerer Zeit vom Schuh zu lösen.

Fazit

Im direkten Vergleich beider Steigeisen hat das Grivel AirTech gegenüber dem AustriAlpin Trekking die Nase vorn. Es überzeugt durch ein ausgewogenes Gesamtpaket. Das hohe Maß an Qualität hat leider auch seinen Preis (153,90€ vs. 89,95€). Daher sollte vor dem Kauf abgewägt, wie oft und in welchem Gelände das Zubehör zum Einsatz kommen soll, da dem AustriAlpin in Sachen Preis/Leistung kaum das Wasser zu reichen ist.

*Die Steigeisen wurden am Meindl Air Revolution 4.1 getestet.

**Diese Beitrag enthält Affiliate Links. Die getesteten Steigeisen wurden bereitgestellt von meinem Partnershop Bergfreunde.de. Vielen Dank, dass ihr uns auf unseren Touren „Halt“ gebt!**


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Bilder: © Doreen Schollmeier / Sebastian Semmler

Sebastian Semmler

Sebastian ist ein Abenteurer, Wildniswanderer und echter Naturbursche. Für www.fernsuchtblog.de steht er meist hinter der Kamera. Als Ausrüstungs-Liebhaber ist Sebastian zudem für Produkttests zuständig.

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