Als Frau in Marokko reisen: Wie ist das wirklich?

Als Frau in Marokko reisen: Grabschen, Pfeifen und Belästigung? Absoluter Mumpitz, wenn du mich fragst!  Wenn du als Frau in Marokko reisen willst, ganz gleich ob allein oder in der Gruppe, hast du eigentlich nichts zu befürchten, so lange du ein paar Grundregeln beachtest.

Mädels-Trip nach Marokko: Seid ihr bescheuert?

„Wir machen einen Mädels-Trip nach Marokko!“ Auf diese Aussage hagelte es von Freunden, Bekannten und der Familie leider keinen Beifall, sondern besorgte Gesichter und Standpauken. Marokko scheint als Reiseziel für junge Frauen nach wie vor als unsicheres Pflaster bewertet zu werden. Ist ja auch kein Wunder, denn in unseren Köpfen kursieren allerhand Horrorgeschichten von Touristinnen und Stereotypen über Marokko und den dortigen Umgang mit dem weiblichen Geschlecht.

Als Frau in Marokko reisen: Alles ganz entspannt, wenn du ein paar Verhaltensregeln befolgst!

Als Frau in Marokko reisen: Alles ganz entspannt, wenn du ein paar Verhaltensregeln befolgst!

Horrorgeschichten aus Marokko: Der Hang zur Übertreibung?

Vor meiner Reise als Frau in Maroko habe ich mich umfangreich in anderen Reiseblogs, Tourismus -Webseiten und Reiseführern belesen. Hier und da wurde von Grabsch-Attacken, Belästigung, unmoralischen Angeboten und unentwegter Aufmerksamkeit seitens der marokkanischen Männer geschrieben. „Anders als viele schwarzafrikanische Staaten ist Marokko für allein reisende Frauen ein vergleichsweise schwieriges und mitunter sehr anstrengendes Terrain. […]“  heißt es beispielsweise im DuMont Reisehandbuch für Marokko (Seite 106).

Auch eine Bekannte, die vor einiger Zeit mit ihrem Partner in Marokko unterwegs war, malte ihren Trip in den schillerndsten Farben aus. Sie ließ kein gutes Haar an den marokkanischen Männern. Eine Erfahrung, die ich nicht teilen kann.

Und an dieser Stelle frage ich mich: Neigen wir Deutschen gerne zur Übertreibung? Glauben wir wirklich, dass eine Reise mehr Bewunderung und Zuhörer findet, wenn ihre Geschichten von Komplikationen und Schrecken handeln? Ja, ich habe so das Gefühl…

Wenn es das ist, wonach du suchst, dann tut es mir leid, aber mit Horrorgeschichten über das Reisen als Frau in Marokko kann ich nicht dienen! Auf unserer Mädels-Trip durch Marokko haben wir keinerlei negativen Erfahrungen mit aufdringlichen Männern oder Belästigungen gemacht, mal abgesehen von ein paar Pfiffen, „You are so beautiful“ Zurufen oder interessierten Blicken. Doch sind wir mal ehrlich: Selbiges Verhalten würden wir in Deutschland auch nicht gleich als Belästigung anprangern, oder?

Als Frau in Marokko: Überwältigt im Mosaik Paradies!

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Als Frau in Marokko reisen: Verhaltenstipps

Wenn du als Frau in Marokko reist, wird dir sicherlich mehr Aufmerksamkeit zuteil, als wenn du selbigen Trip in männlicher Begleitung durchführst. Solange du jedoch gewisse Sitten und Verhaltensregeln beachtest, hast du keine unangenehmen Situationen zu befürchten. Hier ein paar Tipps, wie du ungestört und entspannt als Frau in Marokko reisen kannt:

#1 Kleide dich angemessen!

Nein, ein Kopftuch brauchst du als westliche Frau in Marokko natürlich nicht tragen. Selbst die Einheimischen greifen eher selten zum Kopftuch. Worauf du beim Reisen als Frau in Marokko jedoch achten solltest ist, dass du dich angemessen kleidest. Deine Schultern, dein Dekolleté und deine Beine sollten (weitestgehend) bedeckt sein. Hotpants, Trägertops und Miniröcke sind also tabu. Das hat meiner Meinung auch nicht nur etwas mit der Angst vor Belästigungen zu tun, sondern mit Respekt. Vermeide aufreizende Kleidung. Eine Knie lange Hose ist in vielen Gegenden von Marokko jedoch kein Problem.

#2 Sei im Dunkeln nicht mehr draußen!

Wenn es dunkel wird, kommen auch ziemlich finstere Gestalten auf die Straßen von Marokko: Drogendealer, Alkoholiker, Zuhälter, Bettler. Eigentlich wie bei uns in Deutschland, oder? Auch die Kommentare der marokkanischen Männer, die Überredungskünste der Restaurant Promoter und die Aufforderungen der Straßenverkäufer werden mit Untergang der Sonne konkreter und nerviger. Um unangenehmen Situationen vorzubeugen, solltest du nach Sonnenuntergang nicht mehr (allein) draußen unterwegs sein. Und wenn, dann nur in der Gruppe und in männlicher Begleitung.

Lässt dein Abendessen mal etwas länger auf sich warten, so bitte doch einfach einen Hotel- oder Restaurantangestellten dich gegen ein kleines Trinkgeld zu deiner Unterkunft zu begleiten.

#3 Bleibe höflich und freundlich!

Zickereien, Unhöflichkeit oder gar Aggressivität bringen dich in Marokko nicht weiter. Im Gegenteil, damit förderst du dein Gegenüber nur heraus und erntest negative Reaktion. Bleibe stets freundlich aber bestimmt, verneine Angebote oder Flirtversuche selbstbewusst und mit einem Lächeln oder flotten Spruch auf den Lippen. So kann dir auch keiner böse sein.

#4 Tauche einfach mal ab!

Wird es dir doch einmal zu bunt und die Blicke der Männer fangen an dich zu nerven, dann schirme dich einfach von der Außenwelt ab. Mit einer Sonnenbrille oder (sofern nötig) mit einem Kopftuch kannst du neugierigen Blicken entkommen und fühlst dich sicher etwas wohler. Ich trage immer ein großes Tuch und eine dunkle Sonnenbrille bei mir in meiner Tasche, man weiß ja nie.

#5 Achte auf deine Wertsachen!

Vor allem in abgelegenen Gassen oder in Menschen überfluteten Plätzen oder Verkehrsmitteln solltest du immer ein Auge auf deine Wertsachen haben, das gilt auch in Marokko! Langfinger gibt es überall. In Marokko hatte ich das Gefühl, dass es vor allem die Kinder sind, die ein besonders scharfes Auge auf meine Tasche und Kamera hatten.

Kinder in den Straßen von Marokko

Kinder in den Straßen von Marokko

#6 Stadt ist nicht gleich Land!

Natürlich ist der Kleidungsstil der marokkanischen Frauen in den Großstädten wie Marrakesch oder Rabat deutlich lockerer, als im Hinterland oder gar im Atlasgebirge. Hier kannst du also ohne Probleme auch etwas „aufgeknüpfter“ herumrennen. Übertreibe es nur nicht. In Marrakesch haben wir viele Touristinnen in Hotpants, Miniröcken und schulterfreien Tops gesehen, die sich über die neugierigen Blicke der Einheimischen mokiert haben. Darüber kann ich nur den Kopf schütteln! Fakt ist, wenn deine Reise dich in ländlichere Gefilde führt, solltest du auch deinen Kleidungsstil anpassen und dich konservativer kleiden. Es ist ja nicht für immer!

#7 Sei nicht paranoid!

„Du bist schön! Du hast tolle Augen! Willkommen in unserem Land!“ Würdest du bei der gleichen Begrüßung auch in Deutschland hellhörig werden und dich belästigt fühlen? Wohl kaum, leider neigen wir dazu, Komplimente im muslimischen Ausland immer gleich in einen negativen Kontext zu setzen. Unsere Alarmglocken läuten außerhalb unserer Komfortzone Deutschland immer ein bisschen schneller, und genau damit tun wir vielen Menschen unrecht. Die Devise lautet: Sei achtsam und vorsichtig, aber nicht paranoid!

Ein tolles Reiseland - auch für Frauen: Marokko, wir kommen wieder!

Ein tolles Reiseland – auch für Frauen: Marokko, wir kommen wieder!

Fazit zum Reisen als Frau in Marokko

Sicherlich ist meine Erfahrung nur eine Momentaufnahme und andere Frauen, die allein oder in der Gruppe durch Marokko gereist sind, haben womöglich negative Erfahrungen gemacht. Leider habe ich das Gefühl, dass viele Reiseblogger die Situation künstlich verschlimmern für Effekthascherei. Vielleicht bewerte ich die Situation aber auch besonders gelassen, denn nach meinem Auslandspraktikum in Indien kann mich in puncto Belästigung, anzüglicher Bemerkungen gegenüber Touristinnen, Grabschen, Pfeifen und heimlichen Fotos nichts mehr schocken. Im Vergleich zu den ländlichen Regionen in Indien kann man als Frau in Marokko wirklich ohne große Angst reisen. Traut euch, seid wachsam, aber eben nicht paranoid!


Lust auf eine Reise nach Marokko?


Ganz gleich ob allein als Frau, in der Gruppe oder in männlicher Begleitung, eine Reise nach Marokko lohnt sich! In meinem Beitrag „Roadtrip Marokko: Von A wie Abenteuer bis Z wie Zuckerschock“ (erscheint nächste Woche) erkläre ich dir, was dich auf deiner Mietwagen Reise durch Marokko alles erwartet. Für weitere Tipps rund ums Reisen in Marokko empfehle ich dir den Lonely Planet Reiseführer für Marokko inklusive Tipps zu Unterkünften, Verkehrsmitteln, Sehenswürdigkeiten und Essen.

Bilder: © Doreen Schollmeier / Saskia Gottfried / Pixabay

Saskia Gottfried

Saskia ist die Expertin für Low-Budget Trips mit Erlebnisfaktor. Auf www.fernsuchtblog.de berichtet sie von ihren Roadtrips und Festivalerlebnissen auf der ganzen Welt.

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13 Antworten

  1. Sassi sagt:

    ♥ jederzeit wieder.
    Zu Punkt 2 noch eine Ergänzung: sofern man seinen Nachhauseweg kennt und diesen mit sicherem Auftreten angeht, gibt es auch im dunkeln eigentlich keine Probleme. Erst wenn man um Hilfe bittet, wird es schwierig 😉
    Und zu Punkt 3 möchte ich nur eins sagen: WORD. Das ist mit Abstand eine der wichtigsten Regeln. Ein respektvolles und freundliches Auftreten ist das A und O und meiner Meinung nach unheimlich wichtig. Nicht nur in Marokko!

  2. Lena sagt:

    Danke für den tollen Bericht um endlich mal die Vorurteile abzubauen !
    Ich War 2014 in Marokko, habe Marrakesch und das Atlas Gebirge besucht und bin bis heute begeistert von land und Leuten.
    Vor dem Trip hatten trotzdem alle Angst um die blonde junge Frau die da nach Marokko möchte.
    Und gerade die Männer finde ich persönlich in Italien zum teil anstrengender als in Marokko 😀

    • Hallo Lena,

      danke für dein Kommentar. Ich bin froh, dass es auch andere Frauen wie du positive Erfahrungen gemacht haben beim Reisen in Marokko. Fazit: Alles halb so wild, so lange man sich an ein paar Regeln hält. Ich hoffe dieser Beitrag ermutigt weitere Frauen nach Marokko zu reisen.

      Viele Grüße und weiterhin viel Spaß beim Reisen
      Isolde MaReisen

  3. Meike sagt:

    Liebe Isolde,
    vielen Dank für deinen tollen Blog und das Teilen deiner Erfahrungen ! Ich überlege bereits seit langer Zeit, ob ich es wagen sollte als Frau allein durch die Welt zu reisen. Familie und Freunde reden jedoch vehement auf mich ein, dass das zu gefährlich wäre. Doch ich habe Fernweh und so sehr Lust diese Welt für mich allein zu erkunden. Dein Blog gibt mir Mut und gute Ratschläge., so dass ich das Gefühl habe, dass ich meine Reise demnächst antreten kann. Mein Jahreshoroskop für 2017 auf http://www.schicksal.com/Horoskope/Horoskop-Jahreshoroskop/Jahreshoroskop-2017 sagt mir jedenfalls, dass ich mir 2017 einen Herzenswunsch erfüllen kann, wenn ich mutig bin. Ich freue mich daher nun umso mehr auf das kommende Jahr und bin gespannt auf deinen nächsten Bericht. 🙂

    Liebe Grüße, Meike

  4. Nina sagt:

    Danke für diesen informativen Artikel! Ich habe das Gefühl, dass Leute mit einer schlechten Reiseerfahrung auch einen größeren Drang verspüren diese mitzuteilen, als Leute (wie du) mit einer wirklich schönen Erfahrung. Ich bin jedenfalls gespannt und in wenigen Tagen das erste Mal in Marokko unterwegs!

    • Hallo Nina,

      ein schöneres Kompliment hättest du mir nicht machen können, denn genau das ist mein Ziel: Ich möchte junge Frauen zum Reisen motivieren – ganz ohne Gruselgeschichten und erhobenen Finger.

      Viel Spaß in Marokko. Ich freue mich immer über Reiseimpressionen – vielleicht hast du ja Lust welche zu senden 🙂

      Viele Grüße
      Isolde MaReisen

  5. Lisa sagt:

    Habe grade deinen Beitrag gelesen. Ich möchte auch nach Marokko reisen, um Weihnachten Rum. Bin grade auf Reise und aktuell in Portugal 🙂
    Werde dann in Rabat sein und bei einer gastfamilie leben. Also denkst du es ist momentan immer noch sicher dort? 🙂 warst du auch in Rabat?

    • Hallo Lisa,

      ich habe nicht gegenteilige gehört seit Mai. Wie gesagt: Ein paar Sicherheitsregeln und Bauchgefühl befolgen, dann solltest du keine Bedenken haben.

      Rabat selbst ist leider nicht gerade die schönste Stadt in Marokko, aber auch hier gibt es Souks und ein Fort. Gleich um die Ecke liegt Salé, ein Strandort. Dort geht es etwas idyllischer zu. Auch wenn das Meer nicht unbedingt zum Baden einlädt.

      Für einen Tagesausflug eignen sich Moulay Idriss und Volubilis.

      Viel Spaß in Marokko und ein frohes Fest,
      Isolde MaReisen

  6. katharina sagt:

    Hi,

    ich habe vor demnächst nach Marokko zu reisen. Es wären 7 Tage Rundreise und dann noch 7 Tage Badeurlaub.
    Eigentlich habe ich keine Angst, aber man lässt sich ja doch irgendwie verunsichern. Sind z.B. Flughafentransfers sicher oder könnten die überfallen werden? Die Hotelanlage an sich müsste ja sicher sein?
    Und wie habt ihr dass mit dem Geldtauschen gemacht? Wurden Kreditkarten akzeptiert.

    Liebe Grüße Katharina

    • Hallo Katharina,

      wir haben uns am Flughafen direkt einen Mietwagen genommen und sind quer durch Lands gereist. Dabei hatten wir nie Sorgen, du solltest in dem Verkehr nur die Nerven behalten und dein Wagen bei der Fahrt von innen abschließen bzw. wenn du aussteigst absichern – ganz normal also. Ich habe lediglich ein Mal den Flughafen Bus von Marrakesh ins Stadtzentrum genommen. Dabei habe ich nicht mal über das Überfallen werden nachgedacht. Der Bus war modern und er startet direkt vor dem Flughafengebäude. Ich würde mir da also keine Gedanken machen an deiner Stelle. In einem Hotel habe ich auch nicht geschlafen, sondern ausschließlich in Privatunterkünften. Die waren zumeist Video überwacht.

      Mach dir nicht zu viele Gedanken, du reist durch Marokko und nicht durch Pakistan. Wie immer gilt: Sei vor Einbruch der Dunkelheit in deinem Hotel, höre auf dein Bauchgefühl und lass Wertsachen und Klunker daheim. Wir waren in der Mädelsrunde unterwegs und haben uns nie unwohl gefühlt.

      Viele Grüße
      Isolde MaReisen

  7. Gisela sagt:

    Ich(75 weibl.) reise nächste Woche nach Marokko und habe Deine Tips aufmerksam gelesen.Ich denke,es ist wie überall:Man muss sich halt anpassen.

    • Hallo Gisela,

      du sprichst mir aus dem Herzen. Leider wird auf vielen Seiten einfach zu sehr Effekt Hascherei betrieben. Meist ist es halb so wild.

      Viel Spaß in Marokko!
      Isolde MaReisen