Gesichter der Welt: Meine prägendste Reisebekanntschaft

Gesichter der Welt: Menschen die meine Reisen besonders machten!
Gesichter der Welt: Menschen die meine Reisen besonders machten!

Welche Reisebekanntschaft hat dich am meisten geprägt? Unter diesem Thema hat Christoph von jakobsweg-kuestenweg.com zur großen Blogparade aufgerufen und Reiseblogger gebeten, einmal ganz tief aus dem privaten Reise-Nähkästchen zu erzählen.

Welche Person hat mich also auf meinen bisherigen Reisen also am meisten geprägt? Diese Frage ist in der Tat unheimlich schwer zu beantworten und spontan fallen mir unfassbar viele Menschen ein, die mich auf meinen Reisen beeindruckt, berührt oder verändert haben…

Es sind die Menschen, die meine Reisen prägen!

Es sind die Menschen, die deine Reisen einmalig machen!

Es sind die Menschen, die deine Reisen einmalig machen!

Ich denke da beispielsweise an meinen indischen Yoga-Lehrer Piyush, der meinen Horizont dank seiner spirituellen Yoga-Abende auf seiner Dachterrasse hoch über den Dächern der indischen Großstadt unglaublich erweitert hat. Nie wieder habe ich eine derartige innere Ausgeglichenheit gespürt. Er hat mein Interesse für Yoga geweckt und mir gezeigt, dass die indische Großstadt auch ganz fernab von Smog, Lärm und Chaos sein kann.

Ich denke da aber auch an den kleinen Jungen im indischen Waisenheim in Baroda, der meinen Arm mit Gelstiften bemalte, weil er kein Blatt Papier hatte. Wir kommunizierten miteinander, ohne ein Wort des anderen zu verstehen. So oft es ging besuchte ich das Waisenhaus am Wochenende, um mit den Waisenjungen zu spielen. Die leuchtenden, hoffnungsvollen Augen werde ich nie vergessen.

Ich denke auch an den Jack Sparrow Imitator im thailändischen Hippie Dorf Pai, der seine Rolle als verrückter Captain der Black Pearl bis zur Perfektion beherrschte. Bei unserem ersten Zusammenstoß beugte er seinen Körper tief nach unten, wedelte mit seinem Piratenhut, während seine langen Dreadlocks ins Gesicht fielen und stellte sich als „Captain Jack Sparrow“ vor. Später sah ich ihn noch einmal in einer thailändischen Talkshow.

Prägendste Reisebekanntschaft

Doch wenn ich nun überlegen muss, welche Person auf meinen Reisen mich am nachhaltigsten berührt hat und aus all diesen wundervollen Bekanntschaften heraussticht, dann ist es sicherlich der Bergführer Ratna aus Nepal.

Ich lernte Ratna am ersten Tag meiner Nepal Reise kennen. Wir trafen uns im Büro der Trekkingagentur in Kathamandu, welche uns auf unserer mehrtägigen Wanderung durch das Himalaya Gebirge hinauf zum Annapurna Base Camp unterstützen sollte. Von der ersten Sekunde an mochte ich Ratna, weil er so viel Wärme und Väterlichkeit ausstrahlte, die mir das Selbstbewusstsein gaben, die Wanderung auf 4.200 Metern Höhe zu schaffen.

Der wahre Schatz Nepals sind die Menschen!

Ratna ist für mich zum Symbol der Einwohner Nepals geworden. Denn der wahre Schatz Nepals sind nicht nur die wunderschöne Natur und Bergwelt des Landes, sondern die Menschen mit ihren jahrtausendealten Traditionen. Rund 30 Millionen Menschen leben in dem Vielvölkerstaat, eingekesselt von China, Indien und Tibet. Nepals Bevölkerung ist sehr vielschichtig, bestehend aus über 100 ethnischen Gruppen mit unterschiedlichen Religionen und Kastensystemen. Die Ur-Nepalesen bezeichnen sich als „Newar“. Und auch Ratna gehört dieser ethnische Gruppe an.

Bereits vor langer Zeit ließen sich die Newar im Kathmandu-Tal nieder und arbeiteten dort als Bauern, Handwerker oder Kaufleute. Und auch heute sind die Newar noch sehr traditionell und eine hoch angesehene Kaste. Zwar wurde das Kastensystem in Nepal gesetzlich abgeschafft, doch die alten Strukturen sind nach wie vor noch tief verankert in den Köpfen der Einwohner Nepals.

Reisebekanntschaften, die verändern…

Ebenso tief verankert in den Leben der Newars ist das System der arrangierten Ehe, oder wie ich lange zu sagen pflegte, der „Zwangsheirat“. Bereits während meiner langen Zeit in Indien machte ich Bekanntschaften mit der langen Tradition der arrangierten Ehe. Ich erlebte, wie liebgewonnene Freunde von ihren Familien zur Hochzeit bewegt, ja teilweise sogar gezwungen wurden, ohne Rücksicht auf bestehende Liebschaften oder deren sexuelle Orientierung. Es fiel mir immer schwer das System der arrangierten Ehe zu verstehen und zu dulden. Wieso sollten die Eltern eines Menschen basierend auf Faktoren wie Kaste, Reichtum oder sozialen Ansehen darüber entscheiden dürfen, mit wem ihr Kind sein Leben verbringen soll? Für mich als sehr modern und westlich erzogene Frau eine absolute Horrorvorstellung.

Im Internet kursieren viele sehr negative, tragische Berichte über Zwangsheiraten in Nepal und Indien. Da geht es um das Verheiraten von viel zu jungen Mädchen gegen ihren Willen, da geht es um Selbstmord, da geht es um traurige Schicksalsschläge. Und auch ich habe bisher nur mit diesem negativen Bild der arrangierten Ehe Bekanntschaft gemacht und diese verurteilt. Es war Ratna, der mit mir zum ersten Mal wirklich ehrlich und offen über das Thema der arrangierten Ehen, der Kasten in Nepal und die Traditionen der Newar sprach und mein Bild über diese doch sehr fremde Kultur änderte.

Voller Liebe und Stolz erzählte Ratna uns jeden Tag während unserer Reise von seiner Frau und seinen Kindern. Ratna erklärte uns, dass es nicht darauf ankäme sich schon lange zu kennen oder zu lieben, bis man sich in Nepal dazu entscheidet zu heiraten. Immerhin hat man nach der Heirat ein ganzes Leben lang Zeit, sich kennen und lieben zu lernen. Für mich eine neue Interpretation der Ehe in Nepal. Ratna ist glücklich und stolz auf seine Familie, die durch eine arrangierte Ehe entstanden ist. Er hat mein Bild dieser von mir so kritisch beäugten Tradition verändert…

Der Trekking-Dad

Schon bald nannten wir Ratna unseren Trekking-Dad, denn er kümmert sich herzlich um uns. Habt ihr eure Sachen? Ihr müsst etwas essen? Geht es euch gut? Trotz der körperlichen Herausforderung hatte Ratna immer ein wachendes Auge auf uns. Dabei war er nicht einmal halb so gut ausgestattet wie wir. Während wir uns in unserer teure Outdoor-Kleidung gehüllt hatten und uns mit Müsliriegeln zusätzliche Energie verschafften, lief Ratna in einfachen Turnschuhen neben uns her – ohne Schnappatmung, ohne Schweißperlen auf der Stirn, ohne ein Zeichen von Anstrengung. Ich habe sehr großen Respekt vor der Leistung Ratnas als Bergführer und stellvertretend auch für die Leistungen all der Sherpas, Wanderführer und Träger, die in Nepal arbeiten. Ich möchte diesen Beitrag zum Anlass nehmen, um für Ratna, seine Familie und die vielen Menschen in Nepal um Hilfe zu bitten!

Pray for Nepal!

Am 25. April 2015 wütete ein schweres Erdbeben mit 7,8 auf der Richterskala in Nepal, nur 80 Kilometer von der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu entfernt. Einen Tag später folgte ein zweites schweres Erdbeben der Stärke 6,7. Es folgten zahlreiche weitere Erdbeben im Mai 2015. Wir alle haben sicherlich noch die unfassbaren Bilder der Verwüstung vor Augen. Ich finde keine Worte über meine Trauer über diese Katastrophe, die vielen Menschenleben und die Verwüstung.

Nepalesen in Bhaktapur: Gastfreundschaft ohne Grenzen!

Nepalesen in Bhaktapur: Gastfreundschaft ohne Grenzen!

Die verheerenden Erdbeben in Nepal werden langfristige Folgen für die Einheimischen haben. Es geht nicht nur um all die wundervollen Jahrhunderte alten Bauwerke und Kulturschätzen, die zerstört wurden, wie beispielsweise Bhaktapur – Ratnas Heimat. Es geht um zerstörte Wohnhäuser und den Verlust von Hab und Gut einer Nation. Immer wieder wird Nepal von Naturkatastrophen heimgesucht. Mit diesem Beitrag an der Blogparade möchte ich daran erinnern, dass die Schreckensnachrichten aus Nepal vielleicht verebbt sind, die Menschen in Nepal aber immer noch Hilfe benötigen. Hört nicht auf zu spenden!

IsoldeMaReisen

Mein Name ist Isolde MaReisen und ich bin fernsüchtig. Auf fernsuchtblog.de berichte ich von meinen Reisen, Outdoor-Erlebnissen und gebe Tipps für Weltenbummler.

Das könnte Dich auch interessieren...

2 Antworten

  1. 28. Juni 2015

    […] von fernsuchtblog über einen Bergführer in Nepal, den sie bis heute nicht vergessen […]

  2. 1. Juli 2015

    […] von fernsuchtblog über einen Bergführer in Nepal, den sie bis heute nicht vergessen […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch das Abschicken deines Kommentars bestätigst du, dass du unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und akzeptierst hast. Wir erklären hiermit ausdrücklich, dass wir deine persönlichen Daten nicht an Dritte weitergeben.