Safari im Krüger Nationalpark Südafrika

Zebras im Krüger Nationalpark
Zebras im Krüger Nationalpark

In der Ferne höre ich einen Löwen brüllen und die Hyänen lachen. Es sind Geräusche, die unter die Haut gehen, die einen nicht einschlafen lassen vor positiver Aufregung und Ehrfurcht. Ich bin in der Wildnis, umgeben von wilden Tieren wie Elefanten, Löwen, Giraffen und Impalas. Die Mohlabetsi Lodge, in die wir uns für 4 Tage einquartiert haben, befindet sich im berühmten Krüger Nationalpark, dem größten Nationalpark Südafrikas. Die Lodge wird weder durch Zäune oder Mauern begrenzt, noch durch Sicherheitspersonal bewacht. Neben unserer kleinen Rundhütte beginnt die Wildnis. Und die Geräusche des wilden Südafrikas dringen unerbittlich durch ihre Lehmwände.

Schon die Ankunft in der Mohlabetsi Lodge ist ein Highlight. Wir sind mittlerweile seit 3 Tagen in Südafrika, als wir die lange, unbefestigte Sandpiste durch die äußeren Ausläufer des Krüger Nationalsparks entlang fahren. Links und rechts vom Weg entdecken wir noch vor Ankunft erste Gnu-Herden, Warzenschweine und Büffel. Es ist Mittagszeit, die Sonne steht am höchsten Punkt und die wilden Tiere dösen faul im Schatten der dürren Bäume. Auch für die Besucher der Mohlabetsi Lodge ist Mittagspause. Gerade einmal 5 Lehmhütten mit jeweils 2-4 Personen umfasst die Lodge. Auf der Lichtung vor den Rundhütten wurden ein paar Tische gestellt, an dem ein leichter Mittagssnack gereicht wird. Mir ist aber nicht nach essen, ich will raus, in die Wildnis, meine geliebten Zebras und Giraffen sehen! Ich schenke meinem Mittagessen und dem südafrikanischen Rotwein keine Aufmerksamkeit, hoffe dass meine Mitreisenden etwas schneller essen können. „Werden wir auch Zebras sehen?“ frage ich den südafrikanischen Safari-Guide ungeduldig, der zu uns an den Tisch gekommen ist, um sich vorzustellen und den Ablauf der nächsten Tage und die Sicherheitsregeln durchzugehen. „Du musst dich nur umdrehen.“ antwortet er auf Englisch und zeigt auf einen Punkt hinter mir. Nur 15 Meter von unserem Mittagstisch entfernt läuft eine Zebraherde mit Jungtieren an uns vorbei. Mir steigen die Freudentränen in die Augen – meine ersten Zebras in Südafrika!

Der Tagesablauf in der Mohlabtsi Lodge im Krüger Nationalpark ist jeden Tag ähnlich. Früh am Morgen um 5.00 Uhr, und somit noch lange vor Sonnenaufgang, werden wir geweckt. Kurz darauf sitzen wir bereits, wenn auch noch etwas Schlaftrunken, in dem offenen Safari-Jeep, der uns quer durch das weitläufige Land des Krüger Nationalparks fährt. Ganz vorne auf dem Jeep sitzt ein Späher. Er ist darin geschult, sowohl große Raubtiere als auch besondere Vögel in der dicht bewaldeten Landschaft des Krüger Nationalparks zu entdecken. Ganz anders als in der trockenen und ebenerdigen Savanne ist der Krüger Nationalpark hügelig und dicht mit Büschen und Bäumen bewachsen. Wilde Tiere zu entdecken benötigt ein gutes und geschultes Auge. Nach einer vierstündigen Morgensafari kehren wir jeden Tag zur Lodge zurück, wo wir ein leckeres Frühstück im Freien einnehmen. Die nächsten Stunden stehen uns zur freien Verfügung, wir können auf dem Gelände entspannen und die vorbeiziehenden Tiere beobachten, oder aber die Wildwächter begleiten. Am Nachmittag sitzen wir erneut auf dem offenen Jeep, um die Tiere vor der Dämmerung und bei Sonnenuntergang zu sehen. Abends wird uns das Essen an einem Lagerfeuer in einem Amphitheater-ähnlichen offenen Gebäude gereicht. Den Weg zurück zur Lodge dürfen wir nur in Begleitung des Personals gehen, „bewaffnet“ mit einer kleinen Laterne und einer gehörigen Portion Furcht.

Safari im Krüger Nationalpark

Die ersten Tiere, die uns auf unserer Safari durch den Krüger Nationalpark begegnen, sind die wunderschönen Impalas. In größeren Gruppen versammelt, schauen sie scheu zu uns rüber, bevor sie vom „Platzhirsch“ mit grölenden Geräuschen zum Weiterlaufen aufgefordert werden. Grazil springen sie über das unbefestigte Gelände. Viele Touristen kommen in den Krüger Nationalpark, um die Big 5 zu sehen, und übersehen dabei häufig die Schönheit der Impalas.

Es dauert nicht lang, da entdecke ich auch meine geliebten Zebras wieder. Die Tiere der kleinen Herde stehen dich bei einander und beobachten uns acht Menschen auf dem Jeep genau. Ihre Ohren gehen kontinuierlich in alle Richtungen. Zebras können gut sehen und hören, der afrikanische Büffel hingegen hat einen guten Riecher. „Aus diesem Grund befinden sich Büffel– und Zebraherden häufig bei einander. Sie ergänzen sich!“, erklärt unser Guide. Doch inmitten einer Büffelherde zu stehen ist nicht gerade das schönste Gefühl. Wir sind bald umgeben von gut 40 Tieren, darunter auch Jungtiere. Gemächlich schleppen die Büffel ihre massigen Körper an unserem offenen Jeep vorbei, der auf einmal gar nicht mehr so groß und belastbar wirkt. Ich denke sofort an die „König der Löwen“ Szene, in der Löwenkönig Mufasa und Papa von Simba von einer Herde aufgescheuchter Gnus zertrampelt wird.

Was wäre eine Safari in Südafrika ohne Giraffen? Und natürlich gibt es auch diese zahlreich im Krüger Nationalpark. Dank ihrer langen Hälse können sie sich ausgiebig am Blattwerk der Bäume bedienen. Selten sieht man eine Giraffe allein, meistens sind sie zu zweit oder in kleinen Gruppen unterwegs. Die Giraffen lassen sich von unserem Jeep nicht stören und kauen gemächlich weiter. Erst an einem anderen Safari-Tag erleben wir eine Giraffe in Aktion. Majestätisch und mit einem rasanten Tempo läuft sie neben unserem Jeep her. „Wir geben uns ein Rennen mit der Giraffe, aber sie ist kein Vettel!“ ruft der Fahrer zu uns, als die Giraffe langsam ihr Tempo verringert und schließlich stehen bleibt.

Neben den riesigen Giraffen sind es auch die zahlreichen „kleineren“ Tierarten, die unsere mehrtägige Safari im Krüger Nationalpark zu einem Highlight machen. Wobei das Adjektiv „klein“ hier ein relativer Begriff ist. Neben einem Schakal bei der Morgentoilette, verschiedenen Schlangen– und Vogelarten, Warzenschweinen sowie einer Gruppe Erdmännchen, entdecken wir in einem Gewässer Nilpferde und Krokodile. Vor dem kleinen See steht ein Wasserbock, und wir hoffen, dass er nicht zur Mahlzeit wird.

Der Krüger Nationalpark ist auch für sein großes Vorkommen an Nashörner oder Rinos, wie sie liebevoll von unsern einheimischen Begleitern genannt werden, bekannt. Und tatsächlich stoßen wir täglich auf einige Exemplare. Die Dickhäuter sind meist zu zweit unterwegs. Wir beobachten sie dabei, wie sie Tonnen an Grünzeug essen oder ihre Haut an Steinen reiben, um sich von Parasiten zu befreien. Unser Guide erzählt uns, dass die Rinos ständig die Schlagzeilen der südafrikanischen Zeitungen füllen. Wilderer aus dem nahegelegenen Mosambik kommen in den Krüger Nationalpark, um die Tiere wegen ihres Horns zu erlegen, beauftragt von Chinesen und Japanern. Die Tiere sterben einen qualvollen und sinnlosen Tod, wenn ihnen das Horn entfernt wird. Doch die Südafrikaner scheinen die Wilderei nur schwer eindämmen zu können. Traurig schaue ich auf die wunderschönen Dickhäuter, die nur zwei Meter von unserem Jeep entfernt unbeeindruckt weiterfressen.

Dickhäuter gibt es im Krüger Nationalpark auch in Form von Elefanten. Und ich bin wahnsinnig stolz, noch vor unserem Späher als Erste eine Gruppe Elefanten im dichten Gebüsch ausfindig gemacht zu haben. Es handelt sich um zwei ausgewachsene Tiere und ein Jungtier. Das Muttertier scheint sehr nervös zu sein aufgrund des aufkommenden Gewitters und uns, die wir ihnen mit unserem Jeep den Weg versperren. Wir fahren langsam weiter, um die Tiere nicht zu stören, und beobachten, wie die Elefanten dicht hinter uns ins Gebüsch laufen.

In der Dämmerung vernehmen wir markerschütterndes Brüllen eines Löwen-Männchens. Das Geräusch ist unheimlich und ich habe Gänsehaut, als ich den Löwen entdecke. Er riecht reichlich streng, unser Späher hat anscheinend auch eine gute Nase. Wir trauen uns nicht besonders nah an das Tier heran, denn es dämmert bereits und der Löwe scheint in Rage zu sein. Vielleicht sucht er seine Weibchen? Diese sehen wir zwei Tage später auf einer morgendlichen Pirschfahrt. Mehrere Löwen-Weibchen und ihre Jungen haben sich unter einem großen Baum zur Ruhe gelegt, während die Sonne über Südafrika unerbittlich scheint. Und dann passiert etwas, dass ich nicht zu glauben vermocht habe. Unser Späher fordert die sechs Insassen unseres Jeeps auf auszusteigen und zu Fuß weiterzugehen, damit wir die Löwen etwas näher betrachten können. Löwen, aus der Nähe! Mit durchdringendem Blick schaut er uns an und sagt „Wir gehen alle dicht bei einander durch das Gras. Keiner redet, keiner betätigt seine Kamera. Wenn ich sage „Nicht bewegen“, dann bewegt ihr euch nicht. Und wenn ich sage „Lauft“, dann lauft um euer Leben zurück zum Jeep.“ Ist das sein Ernst? Und ist es der anderen Insassen Ernst, dass keiner diese tollkühne Aktion zu hinterfragen scheint? Natürlich steige ich augenblicklich in eine Diskussion ein. Ich fühle mich nicht sonderlich wohl dabei, ohne Schutz durch eine Gegend zu laufen, in der wir soeben eine Gruppe Löwen gesichtet haben. Doch mir bleibt keine Wahl, allein im Jeep zurück bleiben darf ich nicht. Wenn ich nicht mitgehe, geht keiner. Also laufe ich etwas missmutig und nicht gerade überzeugt von der Sicherheit dieses Kommandos hinter den anderen Safari Teilnehmer durch den Krüger Nationalpark, nur wenige Meter von wilden Löwen entfernt. Letztlich schienen die Löwen satt zu sein, denn alle sechs Insassen sowie Fahrer und Späher schafften es später auch zurück in den Jeep.

Ebenso so tollkühn verlief auch meine erste Begegnung mit einem Leopard. Nur selten trifft man im Krüger Nationalpark auf Leoparden. Häufig verstecken sie sich auf Bäumen oder im Gras. Doch am letzten Abend unserer Safari haben wir tatsächlich das Glück, auf einen Leopard zu stoßen und somit die „Big Five“ zu vervollständigen. Die Sonne ist bereits untergegangen und wir befinden uns schon auf der Heimfahrt, als der Späher Spuren eines Leoparden findet und die Fährte aufnimmt. Eine halbe Stunde später sitzen wir stocksteif und still in dem offenen Jeep, während sich nur drei Meter von uns entfernt ein Leopard mit seiner Körperpflege beschäftigt. Er scheint sich von uns und das auf ihn gerichtete Scheinwerferlicht zunächst nicht stören zu lassen, anscheinend ist heute Waschtag. Als sich unser Jeep jedoch nach einer halben Stunde Leoparden-Show seinen Weg aus dem unbefestigten Terrain zu bahnen versucht, fixiert uns das Tier mit seinen undurchdringlichen Augen. Wir sind nur zwei Meter von dem Leoparden entfernt, als wir an dem Tier vorbeifahren. Ich frage mich erneut, wie weit unsere Guides gehen und die zuvor gepredigten Sicherheitshinweise umgehen, um uns eine perfekte Safari zu bieten.

Fazit zum Krüger Nationalpark

Die Safari in Südafrika’s Krüger Nationalpark ist definitiv eine Reise wert. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass der Krüger Nationalpark einer der bekanntesten Parks weltweit ist und es dementsprechend in der Hochsaison recht voll werden kann. Im April war dies jedoch nicht der Fall und wir sind auf keine anderen Jeeps und Safari-Gruppen gestoßen.

Wer große Elefantenherden und unendliche Weiten sehen will, der ist im Krüger Nationalpark ebenfalls falsch und sollte eine Safari in Kenia, Tansania oder Botswana bevorzugen. Der Krüger Nationalpark ist dicht bewaldet von Büschen und Bäumen und das Erspähen von Tieren benötigt ein geschultes Auge und Zeit. Ich habe diese Suche nach wilden Tieren jedoch sehr genossen. Es hatte etwas Aufregendes selbst am Erfolg der Safari beteiligt zu sein.

Die Mohlabetsi Lodge möchte ich in meinem Fazit noch einmal hervorheben. Ich kann die Lodge ohne Einschränkungen weiterempfehlen. Das Personal war stets freundlich, die Rundhütten waren sauber und hübsch eingerichtet, das Essen war frisch und lecker. Besonders gut haben mir die Mahlzeiten unter freien Himmel mit Blick auf die Tierwelt und das abendliche Lagerfeuer gefallen.

Für eure Reiseplanung empfehle ich euch das Travel Handbuch Südafrika von Stefan Loose.

Bilder:  © Doreen Schollmeier

IsoldeMaReisen

Mein Name ist Isolde MaReisen und ich bin fernsüchtig. Auf fernsuchtblog.de berichte ich von meinen Reisen, Outdoor-Erlebnissen und gebe Tipps für Weltenbummler.

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