Polarlichter fotografieren: So gelingt dir das perfekte Bild!

Wenn du für deinen nächsten Urlaub oder deine nächste Fotoreise etwas Ausgefallenes planst, dann sei dir ein Besuch in den nördlichen Breitengraden empfohlen. Denn in der „dunklen“ Jahreszeit hast du die Möglichkeit, ein ganz besonderes Naturschauspiel zu erleben und auch zu fotografieren: Polarlichter.

Als grandioses Spektakel entstehen sie im Wechselspiel elektrisch geladener Teilchen der Sonne mit bestimmten Molekülen der Atmosphäre, speziell Sauer- und Stickstoff. Vielfältige Formen und Farbverläufe entstehen so als wunderbare Fotomotive. Diese gar nicht so seltenen Lichtspiele erfordern allerdings günstige Bedingungen, gute Planung und angemessene Ausrüstung.

Auftreten von Polarlichtern

Polarlichter treten auf der Erde vermehrt dann auf, wenn die Aktivität der Sonne besonders stark ist. Das bedeutet: viele sogenannte „Sonnenflecken“, die besonders häufige und heftige Teilchenströme aussenden. Das passiert etwa im Zyklus von 11 Jahren. Entsprechend häufige und intensive Polarlichter lassen sich dann beobachten. Unter günstigen Bedingungen gelingen aber jedes Jahr herausragende Aufnahmen.

Gewöhnlich sind Polarlichter am besten im hohen Norden der Erde, etwa in Island, Nordskandinavien und Nordkanada zu beobachten. Sehr heftige Sonnenausbrüche lassen die Lichter selten auch einmal bis hinunter nach Mitteleuropa erscheinen. Damit halten auch Fotografen in Deutschland dieses Naturschauspiel hin und wieder fest, so zuletzt beispielsweise 2015, als in Hessen Polarlichter fotografiert werden konnten.

Polarlichter fotografieren: So fängst du das Naturschauspiel mit der Kamera ein.

Polarlichter fotografieren: So fängst du das Naturschauspiel mit der Kamera ein.

Voraussetzung für die Fotografie von Polarlichtern ist auf jeden Fall eine klare, möglichst wolkenfreie Nacht, am besten bei Neumond bzw. zu- oder abnehmendem Mond. Als Location empfiehlt es sich, möglichst weit weg von jeglicher künstlichen Lichtquelle (sog. „Lichtverschmutzung“) zu sein, die das Bild negativ beeinflussen könnte. Hier hilft eine Recherche im Internet nach „Light Pollution Maps“ – also Karten, die sowohl Lichtverschmutzung als auch dunkle Orte anzeigen.

Vom Auswurf der Teilchen auf der Sonne bis zum Erscheinen von Polarlichtern auf der Erde vergehen etwa 50 bis 70 Stunden. Wenn man sich also rechtzeitig auf Webseiten mit Vorhersagen des Weltraumwetters oder entsprechenden Mobile-Apps informiert, hat man genügend Zeit für die Vorbereitung.

Spezielles Fotoequipment

Polarlichter lassen sich am besten mit langer Belichtungszeit einfangen. So entstehen die bekannt eindrucksvollen Bilder, denn dort wirken die Lichter viel heller und intensiver, als sie dem Auge in der Natur erscheinen. Die erforderlichen Langzeitbelichtungen gelingen vorzugsweise mit einem hochwertigen Stativ. Insbesondere eine geringe Tendenz zum Schwingen als auch schnee- und eissichere Füße sind von Vorteil. Einzel- sowie Multiaufnahmen für Zeitrafferstudien gelingen am besten und bequemsten per automatischer bzw. manueller Fernauslösung. So stören keine Erschütterungen die jeweiligen Langzeitaufnahmen.

Da man lange Zeit bei Nacht, unter freiem Himmel und vermutlich im kalten Norden unterwegs ist, empfiehlt es sich eine Objektivheizung wie z.B. eine Taukappenheizung zu verwenden. Mildere Bedingungen erlauben auch simple Wärmepads als Kälteschutz. Ein Verzicht auf Wärmemittel hingegen bleibt riskant: Schon ein Hauch der feuchten Atemluft lässt Frontlinsen beschlagen und schlimmstenfalls überfrieren.

Polarlichter fotografieren: Das passende Equipment für kalte Nächte!

Polarlichter fotografieren: Das passende Equipment für kalte Nächte!

Auch die (Ersatz-)Akkus sollten vor Kälte geschützt werden: bei niedrigen Temperaturen verlangsamen sich chemische Prozesse und die Akkuleistung sinkt. Sie sollten daher in einer warmen Kameratasche oder direkt in der Kleidung am Körper aufbewahrt werden. Apropos Körper: natürlich sollte man sich auch selbst mit entsprechender Kleidung vor der Kälte schützen. Warme Getränke und Snacks helfen zusätzlich.

Prinzipiell lassen sich mit allen modernen Digitalkameras gute Fotos machen. Dabei gilt jedoch: Low-Light-Eigenschaften und Sensorgeneration der Kamera entscheiden über die Güte der Aufnahmen. Hohe ISO-Werte besserer Kameras erlauben jedoch kürzere Belichtungen bei deutlich geringerem Rauschen. Lichtstarke Objektive können diesen Effekt noch zusätzlich verbessern. Denn obwohl man mit Langzeitbelichtungen arbeitet gilt: nicht zu lange belichten, sonst wirken die Motive unscharf und verschwommen, und Sterne werden z.B. zu Startrails was nicht immer gewünscht ist.

Als Objektive eignen sich vor allem Weitwinkelobjektive, da man mit diesen besonders große Bereiche des Himmels abdecken kann und möglichst viel vom Polarlicht auf einem Foto einfängt. Teleobjektive machen dagegen nicht viel Sinn, Normalobjektive reichen allerdings für ambitionierte Einsteiger aus.

Günstige Kameraeinstellungen

Automatik-Modi sind bei Langzeitbelichtungen mit der düsteren Umgebung überfordert. Deswegen ist zwingend das händische Einstellen aller wesentlichen Parameter erforderlich. Eventuell vorhandene Bildstabilisatoren sollte man deaktivieren. Da der Nachthimmel zu wenig Kontrast und Licht für den Autofokus aufweist (es fehlen schlicht eindeutige Fixpunkte für die Automatik), ist manuelles Fokussieren erforderlich. Die entsprechende Ausrichtung gelingt mit der Lupenvergrößerung auf einen leuchtstarken Stern als Zielpunkt. Ansonsten kann man auch die Objektivskala mit dem Unendlichzeichen (∞) nutzen.

Eher langsam wechselnde Polarlichter erlauben niedrige ISO-Werte im dreistelligen Bereich. Zum oben erwähnten Startrail-Effekt kommt es bei Belichtungszeiten ab einer halben Minute. Um dies zu vermeiden sollte man etwa zehn Sekunden Belichtungszeit anpeilen. Solch kurze Zeiten erzwingen allerdings höhere ISO-Werte: Sehr gute Kameras mit hochwertigen Sensoren gestatten Werte bis 6400 ohne besonders störendes Rauschen. Mit solch hohen ISO Werten fängt man dann auch recht rasche bzw. kurzlebige Lichtformationen am Himmel ein.

Polarlichter fotografieren: Mit dem Automatik-Modus wird das nichts!

Polarlichter fotografieren: Mit dem Automatik-Modus wird das nichts!

Fazit: Polarlichtbilder belohnen Zeit- und Materialeinsatz

Gute Planung und angepasste Ausrüstung sind das A und O – dafür werden bereits Einsteiger mit teils prachtvollen Aufnahmen belohnt. Einiger manueller Aufwand am Ort der Aufnahmen lässt sich dabei jedoch nicht vermeiden. Dafür ist das Erlebnis, ein Polarlicht in Realität gesehen und auf Kamera festgehalten zu haben, die Mühe auf jeden Fall Wert!

Hier nochmal die relevanten Punkte im Überblick:

  1. Kameraausrichtung auf robustem Stativ
  2. Nur die manuelle Betriebsart (M) ermöglicht viele gute Aufnahmen.
  3. Objektiv: Offenblende wählen
  4. Belichtung: ISO/Verschlusszeit anpassen
  5. Fokus: unendlich
  6. Stabilisator unbedingt ausschalten
  7. nur Selbst- bzw. Fernauslöser nutzen
  8. Basisroutine: aufnehmen, prüfen, Einstellungen modifizieren

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© Bilder: Noel_Bauza- Pixabay

IsoldeMaReisen

Mein Name ist Isolde MaReisen und ich bin fernsüchtig. Auf fernsuchtblog.de berichte ich von meinen Reisen, Outdoor-Erlebnissen und gebe Tipps für Weltenbummler.

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