Reisen mit Kind Wandern & Bergsteigen

Wandern mit Baby: Der Ratgeber für junge Eltern

5. Oktober 2020
Wandern mit Baby

Ab wann darf ich mit meinem Baby zum ersten Mal wandern gehen? Wie hoch darf ich dabei hinaus? Und wo finde ich eigentlich geeignete Routen für das Wandern mit Baby? Diese und viele weitere Fragen haben auch wir uns als frisch gebackene Eltern gestellt. Fakt ist, als absolute Bergliebhaber und Hobby-Gipfelstürmer wollten wir auch künftig auf keinen Fall auf das Wandern verzichten. Und natürlich sollte unsere kleine Tochter immer mit dabei sein. Am Anfang habe ich mir natürlich über alle erdenklichen Gefahren und Probleme den Kopf zerbrochen – so wie das junge Mütter eben tun. Doch schnell konnte ich feststellen, dass das Wandern mit Baby alles andere als kompliziert, gefährlich oder langweilig ist.

Die folgenden 6 Fragen zum Thema Wandern mit Baby liefern allen werdenden und frisch gebackenen Eltern hoffentlich Antworten und motivieren zum loslaufen. Also los, traut euch, packt euer Bergbaby ein und ab geht es an die frische Luft!

Die 6 wichtigsten Fragen auf einen Blick:

▸ Ab wann kann ich mit meinem Baby Wandern?
▸ Wie hoch darf ich mit Baby wandern?
▸ Wie transportiere ich mein Baby beim Wandern?
▸ Wie finde ich geeignete Routen für das Wandern mit Baby?
▸ Was muss ich beim Wandern mit Baby unbedingt dabeihaben?
▸ Wie kann ich mein Baby beim Wandern bei Laune halten?

Ab wann kann ich mit meinem Baby Wandern?

Im Prinzip sofort, denn sofern die Versorgung stimmt, es deinem Baby gut geht und es bei Mama und Papa sein kann, steht dem Wandervergnügen nichts im Wege. Viel entscheidender ist die Frage, ob du dich als frisch gebackene Mama schon wieder fit genug für eine Wanderung fühlst. Wichtig ist, dass du dich nicht unter Druck setzt und wirklich erst wandern gehst, wenn dir dein Körper (bzw. unter Umständen auch dein Arzt oder deine Hebamme) grünes Licht geben.

Wie war das bei uns? Ich habe mich zum Glück recht schnell von der Entbindung erholt und meine Füße konnten und wollten einfach nicht stillhalten. Das Wetter war sommerlich, das Wandergebiet direkt vor der Haustür und so sind wir bereits 2 Wochen nach der Geburt auf eine erste kleine Wanderung mit unserer Tochter gestartet. Hier geht es aber nicht darum, wer als erste wieder fit ist. Nehme das Wochenbett ernst und gönne dir so viel Zeit daheim, wie du und dein Baby es brauchen. Das ist bei jedem total individuell und du solltest niemals ins Wetteifern verfallen.


Wie hoch darf ich mit Baby wandern?

Eine allgemeine Faustregel zum Wandern mit Baby besagt, dass man nicht höher als 2.000 m wandern sollte, da Babys mit der dünneren Luft in der Höhe nicht so gut zurechtkommen.

Tja sagen wir mal so, die 2.000 Höhenmeter sind zumindest ein guter Richtwert, allerdings kommt es weniger auf die tatsächliche Höhe, sondern viel mehr auf den Höhenunterschied an, den ihr beim Wandern zurücklegt. Die Höhendifferenz zwischen Ausgangspunkt und dem höchsten Punkt bei eurer Wanderung sind also entscheidend. Achte darauf, dass die Höhenänderung sanft erfolgt, da zu schnelle Höhenänderungen Druck auf den Ohren erzeugen und das findet dein Baby sicherlich fürchterlich unangenehm. Fahrten mit der Gondel oder dem Sessellift sind aber trotzdem kein Tabu. Häufig wird empfohlen, das Baby für den Druckausgleich zu Stillen, einen Nuckel zu geben oder etwas trinken zu lassen. Der Erfolg dieser Methode variiert jedoch von Baby zu Baby und jedes reagiert unterschiedlich auf den Höhenunterschied. Achte einfach kontinuierlich auf dein Baby und wie es sich verhält, das ist die sicherste Methode.


Wie transportiere ich mein Baby beim Wandern?

Ob mit dem Kinderwagen, im Tragetuch, in einer Babytrage oder in einer Kraxe – hier gibt es kein richtig und kein falsch. Die Wahl des Transportmittels hängt vor allem von deinem Baby ab. Welche körperlichen und motorischen Fähigkeiten hat dein Baby bereits? Wo fühlt es sich wohl und geborgen?

Wandern mit dem Kinderwagen

Eine wichtige Voraussetzung für das Wandern mit dem Kinderwagen ist nicht nur, dass sich dein Baby im Kinderwagen wohlfühlt, sondern auch, ob der Weg für einen Kinderwagen geeignet ist.

Bei der Wahl der Route bist du mit dem Kinderwagen natürlich etwas eingeschränkt. Forstwege, Fußgängerwege und wenig befahrene Straßen eignen sich gut für das Wandern mit dem Kinderwagen. Sobald es zu steil oder zu wurzelig wird, stoßen entweder dein Kinderwagen oder deine Kraft irgendwann an ihre Grenzen.

Wichtig ist zudem, dass dein Kinderwagen auch zum Wandern geeignet ist. Bei der Wahl eines geeigneten Kinderwagens solltest du darauf achten, dass sowohl die Reifen als auch das Gestell des Kinderwagens möglichst gut gefedert sind, damit Stöße gut abgefangen werden und dein Baby auch gemütlich liegt. Generell eignen sich Kinderwägen mit nur drei Rädern deutlich besser zum wanden als vierrädrige Modelle, da dass zentrale Vorderrat das lenken erleichtert. Bei der Art der Reifen scheiden sich die Geister. Häufig werden Luftreifen empfohlen, allerdings habe ich hier auch schon viele Negativerfahrungen von geplatzten Reifen gehört. Natürlich sollte der Kinderwagen auch über einen ausreichenden Wetterschutz und Stauraum für Proviant und Wickelutensilien verfügen, aber ich denke das versteht sich von selbst. Solltest du dir bei der Wahl des Kinderwagens unsicher sein, dann lass dich am besten in einem Fachgeschäft beraten.

Wie war das bei uns? Gerade zu Beginn meiner Elternzeit war ich viel mit unserem Kinderwagen Thule Chariot Sport 2* wandern. Anfänglich hat das auch wirklich gut funktioniert. Als meine Tochter älter und wachsamer wurde, war es ihr aber irgendwann zu langweilig, immer nur liegend die Baumwipfel zu sehen. Zudem fand ich es etwas beschwerlich, den Kinderwagen stets vor mir herzuschieben, vor allem wenn der Untergrund mal etwas uneben oder der Anstieg etwas steiler wurde. Von daher sind wir recht bald auf die Babytrage umgestiegen.

Wanden mit Babytrage oder Tragetuch

Eine tolle Alternative zum Kinderwagen ist das Wandern mit der Babytrage oder dem Tragetuch. Der Vorteil ist, dass du bei der Wahl deiner Route deutlich freier bist, da der Weg nicht für einen Kinderwagen beschaffen sein muss. Natürlich solltest du gerade zum Anfang erst einmal mit einer leichten Route starten, um dich auch selbst an die körperliche Belastung zu gewöhnen. Die körperliche Nähe zu dir wird deinem Baby sicherlich gefallen. Du hast es immer im Blick und kannst sicherstellen, dass es ihm/ihr gut geht.

Beachten solltest du beim Wandern mit der Babytrage bzw. dem Tragetuch, dass dir ohne Kinderwagen natürlich Stauraum fehlt und du zusätzlich eine Lösung für Proviant und Wickelutensilien finden musst. Das kann ein kleiner Rucksack sein, wenn du dein Baby vorne trägst. Oder du hast eine nette Begleitung, die dir dein Gepäck mit auf dem Berg schleppt.

Für welche Babytrage oder welches Tragetuch du dich entscheidest, bleibt dir überlassen. Am besten machst du vorab eine Trageberatung in einem Fachgeschäft. Teste aus, welche Trage für dich angenehm ist und achte darauf, dass die Gurte nirgends einschneiden und das Modell auch den Kopf deines Babys stützt, vor allem wenn es noch ganz klein ist. Für Neugeborene solltest du unbedingt einen speziellen Einsatz nutzen.

Wie war das bei uns? Meine Tochter war von Anfang an ein richtiges Tragebaby. Ich hab die AMAZONAS Babytrage Smart Carrier Ultra-Light* genutzt, da diese super angenehm und leicht ist. In der kalten Jahreszeit habe ich zusätzlich das AMAZONAS Raicover* genutzt, damit es meine Tochter bei jedem Wetter gemütlich hatte und nicht auskühlt. Sehr gute Erfahrungen habe ich auch mit der Manduca* gemacht. Bis zum 6. Monate habe ich unser Baby vorrangig vorne getragen, so konnte ich immer mit ihr sprechen. Späte habe ich es als angenehmer empfunden, sie auf dem Rücken zu tragen, vor allem als sie langsam schwerer wurde.

Wandern mit der Kraxe

Unter einer Kraxe versteht man einen Tragerucksack, in dem das Baby aufrecht auf deinem Rücken sitzt. Die Kraxe gleicht dabei einem normalen Trekkingrucksack. Sobald dein Baby robuster wird, eine gute Kopfkontrolle hat und auch über einen längeren Zeitraum selbstständig sitzen kann, eignet sich eine Kraxe perfekt zum wandern. Dieser Zeitpunkt ist bei jedem Kind individuell, vermeide aber unbedingt einen zu frühen Einsatz, um deinem Baby nicht zu schaden.

Im Vergleich zu Babytrage bringt eine Kraxe viele Vorteile mit sich. Viele Eltern empfinden die Kraxe aufgrund der gepolsterten Riemen deutlich komfortabler, vor allem wenn dein Baby langsam aber sicher an Gewicht zunimmt. Durch den Beckengurt wird das Gewicht gut verteilt. Allerdings solltest du beachten, dass die Kraxe natürlich ein deutlich höheres Eigengewicht mit sich bringt als eine Babytrage.

Die meisten Modelle verfügen über zusätzlichen Stauraum, so dass du dein Gepäck unterbekommst und keinen zusätzlichen Rucksack oder eine Begleitperson benötigst.

Auch dein Baby wird die Kraxe sicherlich mögen, denn in aufrechter Haltung sieht es auf deinem Rücken natürlich deutlich mehr als im Kinderwagen oder im Tragetuch. Zudem besteht kein direkter Körperkontakt zwischen dir und deinem Sprössling, was vor allem im Sommer sehr angenehm ist, weil ihr euch nicht gegenseitig vollschwitzt.

Wie war das bei uns? Unsere Tochter konnte mit ca. 6 Monaten alleine aufrecht sitzen und so sind wir relativ schnell beim Wandern von der Babytrage auf die Kraxe umgestiegen. Wir haben uns für die DEUTER Kid Comfort Kindertrage* entschieden. Das zusätzliche Gewicht war schon eine Umstellung und ich habe mit kleineren Wanderungen um die 2-3 Stunden und maximal 500 Höhenmetern angefangen. Nach und nach hat sich auch meine Muskulatur daran gewöhnt und mittlerweile machen wir auch komplette Tagestouren mit unserer Tochter in der Kraxe von bis zu 1.000 Höhenmetern.

Wandern auf den eigenen Baby-Beinen

Spannend wird es, wenn dein Baby anfängt zu laufen. Dann wird es irgendwann vermutlich keine Lust mehr haben, nur noch getragen bzw. geschoben zu werden. Schließlich will es seine neu erlernten Fähigkeiten ja auch ausprobieren. Das ist der Augenblick, wenn deine Routen vermutlich schlagartig kürzer und die dafür benötigte Zeit deutlich länger wird, denn wachsame Kinderaugen finden am Wegesrand allerhand spannende Dinge wie Steine, Gräser oder Käfer, die es zu erkunden gilt. Achte auch in dieser Zeit darauf, dass du dennoch ein geeignetes Transportmittel dabeihast, damit sich dein Baby zwischendurch auch mal ausruhen kann, denn erfahrungsgemäß schaffen die Kleinen anfangs noch nicht so viel Strecke am Stück. Spezielle Wanderschuhe benötigt dein Sprössling anfänglich übrigens nicht. Lauflernschuhe mit einer guten, weichen Sohle reichen vollkommen aus.

Wie war das bei uns? Unsere Tochter hat schon recht zeitig damit begonnen, das Laufen zu üben. Also haben wir sie viel an der Hand laufen lassen, wenn wir draußen unterwegs waren. Mit 11 Monaten war sie dann stabil genug, um alleine zu laufen. Das waren anfangs immer nur kleine Abschnitte, aber sie hat sich kontinuierlich gesteigert. Die Kraxe oder Babytrage haben wir bis heute (14 Monate) immer dabei, damit sie eine Pause einlegen oder ein Nickerchen machen kann. Was die Schuhe anbelangt, habe ich sehr gut Erfahrungen mit den Lauflernschuhen von Pepino Ricosta* gemachte.


Wie plane ich eine Wanderung mit Baby?

Das wichtigste vorab: Lass es langsam angehen und starte erst einmal mit kurzen Touren, um dich und dein Baby nicht zu überfordern. Zum einen lernst du so, wieviel Ausdauer und Spaß dein Baby beim Wandern hat und ihr könnt euch nach und nach steigern. Zum anderen bedeutet das Wandern mit Kinderwagen, Trage oder Kraxe auch eine höhere Belastung für dich selbst. Das zusätzliche Gewicht geht auf die Kondition und auch du musst dich erst daran gewöhnen und Kraft aufbauen. Gerade kurz nach der Geburt bist du sicherlich noch nicht so fit und sportlich wie vor der Schwangerschaft.

Starte daher am besten mit einer kurzen Wanderung, die dir bereits bekannt ist. Dann musst du dich nicht unnötig auf die Navigation konzentrieren und es gibt keine bösen Überraschungen. Wenn das geklappt hat, kannst du auch mit unbekannten Pfaden starten. Achte bei der Auswahl deiner Wanderrouten auf folgende Aspekte:

▸ Schwierigkeit der Wanderung:
Such dir eine Tour aus, die deiner aktuellen Kondition entspricht und starte mit einer leichten Wanderung. Schwieriges Gelände, das ein hohes Maß an Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert, ist vielleicht nicht so geeignet, immerhin transportierst du eine besonders wichtige Fracht.

▸ Höhenunterschied:
Wie bereist weiter oben erläutert, sollte der Höhenunterschied für dein Baby nicht zu groß sein, maximal 2.000 Höhenmeter. Eine wichtige Komponente bei der Planung bist aber auch du selbst, denn mit deinem Baby auf dem Bauch oder Rücken bist du sicherlich etwas langsamer unterwegs als gewohnt. Wir schaffen pro Stunde mit der Babytrage oder der Kraxe maximal 300-400 Höhenmetern, mit Kinderwagen deutlich weniger.

▸ Länge bzw. Dauer der Wanderung:
Eine pauschale Aussage dazu gibt es nicht, denn jedes Baby ist anders und auch jede Familie wandert unterschiedlich schnell. Eine Faustregel besagt: Je kleiner das Kind, desto länger die Tour. Warum? Nun wenn dein Baby noch klein ist, schläft es tendenziell auch deutlich länger, ganz gleich ob im Kinderwagen oder im Tragetuch. Du kannst also locker ein paar Stunden wandern. Wir haben mit 2 Stunden angefangen und später hat unsere Kleine auch Ganztagestouren mit einer Wanderzeit von bis zu 6 Stunden in der Babytrage mitgemacht – natürlich mit ausreichend Pausen. Sobald dein Baby aber größer und mobiler wird, gerne krabbelt oder gar schon laufen kann, will es die Welt natürlich selbst erkunden und nicht mehr nur zusehen. Dann musst du deutlich längere Gehzeiten einplanen, denn die Babyfüße sind noch nicht so flink und natürlich wird an jedem Stein und Baum eine Erkundungspause eingelegt. Plane also hier maximal mit 4-5 Stunden reine Gehzeit, damit du ausreichend Pausen einbauen kannst.

▸ Einkehrmöglichkeiten:
Gerade für Pausen ist es toll, wenn es unterwegs vielleicht eine Alm gibt, auf der ihr einkehren könnt. Alternativ kannst du vorab prüfen, ob es auf deiner Route Picknickplätze oder Almwiesen gibt, auf denen ihr euch niederlassen könnt. Schroffes Gelände oder Steilklippen sind eher ungeeignet für Pausen, die Verletzungs- und Unfallgefahr für dein Baby ist einfach zu groß.

▸ Wochentage:
Sofern es dir möglich ist, solltest du dich beim Wandern mit Baby eher auf die Wochentage anstatt Wochenenden konzentrieren. Warum? Vor allem im Alpenraum sind die Almen und Berghütten am Wochenende bei Kaiserwetter oft brechend voll, so dass ihr womöglich keinen Platz bekommt. Und falls doch, wird dein Baby vielleicht etwas verschreckt sein vom Geräuschpegel. Alternativ meidet ihr Almen und verbringt eure Pause einfach direkt auf einer Wiese oder wo es euch gefällt.


Wie finde ich geeignete Routen für das Wandern mit Baby?

Ganz gleich ob du mit dem Kinderwagen, der Babytrage oder der Kraxe unterwegs bist – im Internet findest du immer eine geeignete Route. Du kannst beispielsweise in bekannten Routenportalen wie Outdooractive, Komoot und Co. nach Kinderwagenwanderungen suchen, indem du den erweiterten Filter „barrierefrei“ verwendest. Bist du ohne Kinderwagen unterwegs und transportierst dein Baby in der Trage oder Kraxe, so ist die Beschaffenheit des Fußbodens nicht mehr ganz so essentiell. Natürlich sollte die Route aber dennoch deinen Konditionen entsprechen und nicht zu ausgesetzt sein.

Eine gute Informationsquelle für Wanderouten sind auch regionale Tourismuswebseiten, die häufig alle Familien- und Kinderwagenfreundlichen Wanderrouten auflisten. Oder schau direkt mal in der Touristeninformation deines Urlaubsgebietes vorbei, oft gibt es sogar Broschüren für Familienwanderungen.

Wenn du dich auf ein bestimmtes Wandergebiet eingeschossen hast, kannst du auf Amazon oder im Buchhandel auch nach einem expliziten Wanderführer für Kinderwagen oder Familienwanderungen für das Gebiet suchen. Als Nürnbergerin war ich beispielsweise gerade zu Beginn meiner Elternzeit viel mit dem Kinderwagen oder der Babytrage in der Fränkischen Schweiz und im Altmühltal unterwegs und habe mich mit den entsprechenden Wanderführern „Kinderwagen- und Tragetouren Fränkische Schweiz„* und eingedeckt. Es gibt aber auch Wanderführer, die sich auf Mehrtages- und Hüttenwanderungen mit Kindern spezialisiert haben.

Hüttentouren und Mehrtageswanderungen mit Baby oder Kleinkind? Das geht!
In dem Wanderführer „Trekking für ALLE in Bayern, Österreich und Südtirol“ findest du 32 tolle Routenempfehlungen für dich und dein Baby!

*empfohlen von Doreen Semmler – www.fernsuchtblog.de

Was muss ich beim Wandern mit Baby unbedingt dabeihaben?

Eine der wichtigsten Fragen, die ich mir beim Wandern mit Baby immer gestellt habe ist, was ich eigentlich alles dabei haben muss, damit es meiner Tochter auch an nichts fehlt. Natürlich habe ich zum Anfang immer viel zu viel mitgeschleppt, aber nach und nach lernt man dazu und mittlerweile sind wir recht schlank unterwegs.

Equipment

Zunächst solltest du dir überlegen, was du und dein Baby an einem Tag in der Natur alles benötigen. Und das ändert sich natürlich auch je nach Alter deines Babys. Ich habe mir irgendwann eine Packliste angefertigt, da ich aufgrund von akuter Stilldemenz immer Angst hatte, etwas Essentielles zu vergessen. Hier ein paar Denkanstöße für deine Packliste:

Wickelutensilien3 Windeln
Feuchttücher
Wickelunterlage
BesteckLätzchen
Löffel
BreibehälterWasserflasche oder Wasser
ggf. Flaschenwärmer oder Breiwärmer
Spielzeugje nach Alter
SonnenschutzSonnencreme bzw. Wind- und Wettercreme
Sonnenhut oder Mütze
Bekleidung1 Set Wechselkleidung
Matschhose
Regenjacke
Fleecejacke
Schuhe
Socken
Essen und TrinkenJe nach Essensphase deines Babys
Wasser, Tee oder Muttermilc
SonstigesNuckel
Picknickdecke für die Pause
Taschentücher

Kleidung

Wie warm du dein Baby einpacken musst hängt auch essentiell davon ab, mit welchem Transportmittel ihr unterwegs seid. Während dein Baby im Kinderwagen unter einer Decke schön warm liegt oder in der Babytrage durch den direkten Kontakt zu dir von deiner Körperwärme profitiert, musst du es in der Kraxe schon etwas wärmer einpacken.

Beachte folgende Dinge bei der Wahl der richtigen Kleidung für dein Baby:

Immer eine Schicht mehr als Mama:
Im Gegensatz zu dir bewegt sich dein Baby nicht beim wanden und ihr/ihm wird so tendenziell schneller kalt als dir. Mit der Faustregel machst du also nichts falsch. Prüfe aber kontinuierlich, ob dein Baby vielleicht kalte Füße hat oder ob es am Nacken schwitzt und justiere unter Umständen die Bekleidung. Das Zwiebelprinzip hat sich hier bewährt.

Nie ohne Wechselkleidung:
Ob ein Sprung in die Pfütze, ein unverhoffter Windelunfall, Tollpatschigkeit beim Trinken oder Schwitzen bei Hitze – du weißt nie, welche Überraschung dein Baby auf der Wanderung für dich bereithält. Mit einem Set Wechselklamotten bist du immer für den Notfall gewappnet.

Wetterumschwung einkalkulieren:
Gerade, wenn du im Gebirge unterwegs bist, kann sich das Wetter auch mal unerwartet und schnell verändern. Mit einem Matschanzug und einer Fleecejacke für die kältere Jahreszeit im Gepäck bist du auf der sicheren Seite.

Sonnenschutz ist Pflicht:
Die Kleinen sind auf Sonneneinstrahlung noch deutlich empfindlicher als wir Erwachsenen. Ein Sonnenhut oder eine leichte Mütze sind also Pflicht. Alternativ kannst du auch ein Sonnensegel und ein Moltontuch über der Kraxe oder dem Kinderwagen aufspannen, um deinen Sprössling vor der Sonne zu schützen. Was häufig vergessen wird sind die Arme und Beine. Wenn es die Temperaturen im Sommer zulassen, würde ich eher zu langen, leichten Hosen und Shirts tendieren als zu kurzer Kleidung, um die Haut vor Sonnenbrand zu schützen.

Die richtige Stoffwahl:
Baumwolle ist aufgrund von hoher Feuchtigkeitsaufnahme und schlechtem Trocknungsverhalten eher ungeeignet. Gut eignen sich hingegen Babykleidung aus Merinowolle oder spezielle Funktionskleidung, die jedoch meist ab größeren Größen verfügbar ist.

Robust und praktisch soll’s sein:
Sobald dein Baby krabbelt oder läuft, wird es die Natur auf eigene Faust erkunden wollen. Damit die Babykleidung nicht gleich Schaden nimmt oder du die Flecken nie mehr rausbekommst, solltest du auf robuste Stoffe wie beispielsweise Feinkord setzen.

Das passende Schuhwerk:
Auch wenn dein Baby vielleicht schon läuft, braucht es noch lange keine hochprofessionellen Spezialschuhe zum Wandern. Normale Laufschuhe bzw. Lauflernschuhe reichen für den Anfang absolut aus. Wenn dein Baby unterwegs in der Kraxe oder der Babytrage schlummert, kannst du die Schuhe auch ausziehen und lieber ein paar warme Socken oder Stulpen überziehen, das ist viel gemütlicher.

Proviant

Ich persönlich habe die Stillzeit total genossen, denn ich musste an kein Proviant denken und hatte immer „alles“ dabei. Es gab kein zusätzliches Gepäck und die Milch war immer richtig temperiert. Vielen Dank Mutter Natur, du bist genial!

Spannend wird es also erst, wenn dein Baby bereits Brei bekommt oder in die Familienkost einsteigt. Während der Breizeit hatte sich für meine Tochter immer vorgekochten Brei in auslaufsicheren Behältern dabei – und zwar für jede Mahlzeit einen. Das geht natürlich ganz schön ins Gewicht. Im Winter habe ich den Brei in Thermobehältern warm gehalten oder in den Almen nachgefragt, ob sie ihn mir erwärmen können.

Der Einstieg in die Familienkost hat vieles einfacher gemacht. Ich nehme für meine Tochter jetzt meist belegte Brote, Bananen, Brezeln ohne Salz oder Gemüsesticks mit. Gut eignen sich auch vorgekochte Nudeln, Gnocchi oder Eier. Zudem habe ich zur Sicherheit immer einen Quetschie oder Reiswaffeln dabei, falls der Hunger mal ganz groß ist.


Wie kann ich mein Baby beim Wandern bei Laune halten?

Zunächst sei gesagt: Alles kann, nichts muss! So wie wir Erwachsenen hat auch dein Baby vielleicht mal schlechte Laune oder einfach keine Lust zum Wandern. Das solltest du akzeptieren und nichts erzwingen. Setze dich und dein Baby nicht unter Druck und sei auch nicht enttäuscht, wenn es mit der ausgedehnten Wanderung mal nicht klappt.

Hier noch ein paar Tipps, um dein Baby beim Wandern bei Laune zu halten:

Geschichten erzählen:
Wenn unsere Tochter gelangweilt oder nörgelig wird, erfinden wir Geschichten und schüren Abenteuer. Wer wohnt da wohl in der Höhle? Wohin führt der kleine Trampelpfad? Und wohnt da vielleicht eine Prinzessin in de Burgruine? Werde kreativ!

Spielzeug mitnehmen:
Es ist immer ratsam, ein kleines Spielzeug oder Kuscheltier im Gepäck zu haben, mit dem sich dein Baby beschäftigen kann. Ganz beliebt bei unserer Tochter sind zum Beispiel Bälle, Gießkannen oder Rasseln.

Pausen einlegen:
In ausgedehnten Pausen hat dein Baby genug Zeit, sich auszupowern, die Umgebung zu erkunden und zu spielen. Danach kann es wieder friedlich in der Trage schlummern oder neugierig die Umgebung beobachten. Zeitdruck und überengagierte Wanderziele sind also fehl am Platz.

Selber wandern:
Wenn dein Baby schon laufen oder krabbeln kann, dann gib ihr/ihm hin und wieder die Möglichkeit, selbst ein bisschen zu „wandern“. Unsere Tochter hat eine sehr ausgeprägte „Das kann ich alleine“ Mentalität und will schon lange nicht mehr nur getragen werden. Sie wandert immer wieder ein Stück mit. Das dauert zwar lange, macht aber richtig viel Spaß!

Ab auf die Schultern:
Ein Perspektivenwechsel hilft immer und von Mamas und Papas Schultern sie die Welt noch einmal ganz anders aus. Achte aber darauf, dass du dein Baby nur auf gut gängigen Untergrund auf die Schultern nimmst, um Stürze zu vermeiden.

Singen und Klatschen:
Gemeinsam ein Lied anstimmen hilft immer, auch wenn das dann nicht mehr viel mit der himmlischen Ruhe der Natur zu tun hat. Unsere Tochter quietscht und klatscht immer vergnügt, wenn wir ein Lied anstimmen – ganz gleich ob wir die Töne treffen oder nicht.

Natur erkunden:
Beim Wandern sammeln wir Laubblätter, Steine, Tannenzapfen und Stöcker, die unsere Kleine dann in der Kraxe ganz in Ruhe erkunden kann. Das ist ja so spannend!


Fazit zum Wandern mit Baby

▸ Plane ausreichend Pausen ein! Auch dein Baby möchte mal raus, sich bewegen oder spielen. Berechne ausgedehnte Pausen bei deiner Routenplanung mit ein.

▸ Höre auf dein Baby! Überprüfe in jede Pause, ob dein Baby warme Hände und Füße hat oder gegebenenfalls durchgeschwitzt ist. Wechsel ihm unter Umständen die Kleidung.

▸ Jedes Baby und jede Familie ist anders! Wandert nur so hoch und so weit, wie es euch gut tut und macht keinen Wettkampf draus.

▸ Sei auf alle Eventualitäten vorbereitet! Wetterwechsel, unberechenbare Windelexplosionen oder akuter Hunger – du solltest mit allem rechnen und darauf vorbereitet sein.

▸ Startet nicht von Null auf Hundert! Optimal ist, wenn ihr vor eurer ersten Wanderung bereits ein paar längere Spaziiergänge gemacht habt. Dann kannst du die Ausdauer deinen Babys im Kinderwagen oder der Trage besser einschätzen und eine geeignete Wanderroute planen.

▸ Rhythmus beachten! Wenn dein Baby bereits einen recht kalkulierbaren Rhythmus hat was das Schlafen oder Essen angeht, kannst du diesen bei deiner Zeitplanung beachten. Wir laufen meist los, wenn unsere Tochter müde wird und erstmal ein Nickerchen macht. Die Mittagspause findet meist zwischen 11:30-12:00 Uhr statt und geht mit einer ausgedehnten Pause zum Spielen einher. Das ist aber bei jedem Baby ganz individuell.

▸ Alles eine Phase! Nur weil dein Baby heute mal keine Lust und Ausdauer hat oder die Kraxe verweigert heißt das nicht, dass das Wandern mit Baby bei euch nicht funktioniert. Die Devise lautet „Immer wieder ausprobieren“, denn mit jedem Entwicklungssprung kann sich alles ändern.

*Dieser Artikel enthält unabhängig Produktplatzierungen.

© Bilder: Doreen Semmler, Sebastian Semmler

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply

Durch das Abschicken deines Kommentars bestätigst du, dass du unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und akzeptierst hast. Wir erklären hiermit ausdrücklich, dass wir deine persönlichen Daten nicht an Dritte weitergeben.