Trekking im Torres del Paine Nationalpark: Der Low Budget Guide

Der Torres del Paine Nationalpark ist einer der schönsten und berühmtesten Nationalparks in Chile. Mit seinen schroffen Felsen und bis zu 3.000 Meter hohen Bergen, eisblauen Gletscher, großen See und unendlichen Steppen lässt der Park das Herz von Naturliebhabern und Landschaftsfotografen höher schlagen. Unumstrittenes Wahrzeichen des Nationalparks sind die „Torres del Paine“ – die Türme des Himmels. Dabei handelt es sich um eine Gruppe aus drei markanten Granitfelsen, die sich bis zu 2.850 Meter hoch über eine türkisblauen Lagune auftürmen.

Der Torres del Paine Nationalpark befindet sich im Süden Chiles in der Cordillera del Paine und war zweifelsohne ein Highlight auf meiner vierwöchigen Reise durch Patagonien. Die wohl schönste Art, den Nationalpark kennen zulernen, ist im Rahmen einer mehrtägigen Wanderung mit dem Zelt. Und jeden Tag haben mir die wilde Natur und  das unberechenbare Wetter Patagonien aufs Neue den Atem geraubt. In meinem Low Budget Guide für das Trekking im Torres del Paine Nationalpark habe ich dir alle Informationen zusammengetragen, die du für deine Reisevorbereitung benötigst.

Torres del Paine Low Budget Guide:

1. Beste Reisezeit für Torres del Paine

Die touristische Hauptsaison im Torres del Paine Nationalpark ist von Dezember bis März, da das Wetter in dem Zeitraum am stabilsten und wärmsten ist. Allerdings kann es zu dieser Zeit auch ganz schön voll werden im Park und Campingplätze sowie Refugios sind frühzeitig ausgebucht. Ohne gültige Reservierungen darfst du den Park nicht betreten. Ich empfehle dir den Torres del Paine Nationalpark kurz vor der Hauptsaison im Oktober oder November zu besuchen. In dieser Zeit ist das Wetter bereits recht stabil und im patagonische Frühling blühen im ganzen Park Wildblumen.

Der Torres del Paine Nationalpark ist auch im patagonischen Winter von Mai bis August geöffnet. In er kalten Jahreszeit versprüht der Park sicherlich einen besonderen Charme, allerdings sind die Campingplätze und Refugios in diesem Zeitraum geschlossen. Aufgrund starker Schneefälle ist das Wandern im Winter nur mit einem erfahrenen Guide ratsam. Zudem benötigst du allerhand Planungsgeschick in Sachen Übernachtung und Transport.

Außerhalb des W-Trails: Cascada Paine im Torres del Paine Nationalpark.

Außerhalb des W-Trails: Cascada Paine im Torres del Paine Nationalpark.

Das berühmt berüchtigte patagonische Wetter

Wetterbericht: Alles ist möglich

Wetterbericht: Alles ist möglich

Das Wetter in Patagonien ist unberechenbar. Auch in der Hauptsaison! Ein Tag kann so unterschiedlich verlaufen wir unsere vier Jahreszeiten. In der einen Woche, die ich im Torres del Paine Nationalpark gewandert bin, habe ich Sonne, Hagel, Regen und sogar Schnee erlebt. Die Temperaturen können auch im Sommer unter 0°C sinken. Richtig voraussagen lässt sich das Wetter im Torres del Paine Nationalpark jedoch nicht und jede Prognose erscheint zwecklos. Deshalb mein Appell: Stelle dich auf jedes Wetter ein und überprüfe die Tauglichkeit deiner Bekleidung und deines Equipments. Der berüchtigte patagonische Wind kann dir gerne mal mit mehr als 100 km/h um die Nase wehen. Ich wurde mehrfach von Windböen erfasst, die mich in die Knie gezwungen oder mich gegen Felswände gepresst haben. Ein Weiterlaufen war nicht möglich. Auch dein Zelt muss diesem Wind standhalten können. Weitere Informationen und Tipps zum Equipment findest du weiter unten.

2. Übernachtung und Camping

Im Torres del Paine Nationalpark hast du zwei Optionen zu übernachten. Die günstige Variante ist das Campen auf einem der zahlreichen Campingplätze im Park. Die Stellplätze kosten zwischen 5.000 – 38.500 CLP pro Person/Nacht. Zudem gibt eine ein paar kostenlose Zeltplätze.

Deutlich teurer, aber natürlich auch viel bequemer, ist die Übernachtung in einem Refugio. Einige der Refugios sind sogar richtig luxuriös und verfügen über Whirlpools – und das mitten in der Wildnis Patagoniens! Verrückt oder? Das Ganze ist allerdings nicht gerade günstig und pro Person/Nacht solltest du ein Budget von bis zu 100 US$ einplanen. Das Frühstück kostet extra und muss häufig verpflichtend dazu gebucht werden.

Ganz gleich für welche Option du dich entscheidest, eine rechtzeitige Reservierung deiner Übernachtung ist unerlässlich, denn die Anzahl an Betten und Stellplätzen im Torres del Paine Nationalpark ist stark limitiert und gerade in der Hauptsaison schnell ausgebucht. Wildes Camping ist im Torres del Paine Nationalpark strengstens verboten und kann dich teuer zu stehen kommen.

Ich habe mich beim Trekking im Torres del Paine Nationalpark für die Low Budget Variante entschieden und ausschließlich im Zelt geschlafen. Daher werde ich im Folgenden auf die Reservierungsmöglichkeiten und Gepflogenheiten auf den Zeltplätzen eingehen.

Trekking im Torres del Paine Nationalpark: Diesen Anblick wirst du niemals wieder vergessen!

Trekking im Torres del Paine Nationalpark: Diesen Anblick wirst du niemals wieder vergessen!

Campingplätze und Reservierung

Die Campingplätze in Torres del Paine National Park werden von zwei verschiedenen Organisationen betrieben. Die Camps im östlichen Teil des Parks reservierst du über Fantastic Sur betrieben, die im westlichen Teil über Vertice Patagonia. Zudem gibt es einige kostenfreie Zeltplätze, verwaltet von der Organisation CONAF. Eine detaillierte Auflistung der Campingplätze und Kosten findest du im folgenden Abschnitt.

Zeltplätze, die von der Organisation fantastico sur betrieben werden, kannst du über deren Webseite per Kreditkarte oder Paypal buchen. Dazu gehören die folgenden Camps:

  • Camping Los Cuernos (nur inkl. Verpflegung buchbar: 38.500 CPL p.P.)
  • Camping El Chileno (nur inkl. Verpflegung buchbar: 38.500 CPL p.P.)
  • Camping Central (7.000 CLP p.P.)
  • Camping Francés (7.000 CLP p.P.)
  • Camping Serón (7.000 CLP p.P.)

Gleiches Prinzip gilt für die Zeltplätze, die von der Organisation Vertice Patagonia werden. Dazu gehören die folgenden Camps:

  • Camping Dickson (5.000 CLP p.P.)
  • Camping Los Perron (5.000 CLP p.P.)
  • Camping Grey (5.000 CLP p.P.)
  • Camping Paine Grande (6.000 CLP p.P.)

Zudem gibt es eine Handvoll kostenloser Camping Plätze, die von der öffentlichen Institution CONAF betrieben werden. Auch diese kannst (und musst) du zwingend vorab online reservieren. Beachte bei deiner Planung, dass du maximal eine Nacht auf den kostenlosen Zeltplätzen bleiben darfst. Zu den kostenlosen Zeltplätzen gehören:

  • Camp Chileno (kostenlos)
  • Camp Italiano (kostenlos)
  • Campamento Torres (kostenlos)
Kostenloses Camping im Torres del Paine Nationalpark

Kostenloses Camping im Torres del Paine Nationalpark

Infrastruktur auf den Campingplätzen

Die Infrastruktur auf den Zeltplätzen im Torres del Paine Nationalpark ist sehr unterschiedlich. Während einige der kostenpflichtigen Campingplätze über sanitäre Anlagen (manche sogar mit heißen Duschen), einen überdachten Aufenthaltsraum für das Kochen bei schlechtem Wetter oder gar einen Kiosk verfügen, gibt es auf den kostenlosen Zeltplätzen von CONAF maximal ein Plumsklo und fließend Wasser kommt aus dem Fluss.

Die Stellplätze variieren von Camp zu Camp. Die meisten Campingplätze liegen in einem Wald, um die Zelte vor Wind und Wetter zu schützen. Meist besteht der Untergrund aus einem weichen dunklen Sandboden, auf dem sich das Zelt unkompliziert aufbauen lässt. Hin und wieder gibt es aber auch Stellplätze, die erhöht in Form eines Holzpodestes erbaut wurden. Hier kannst du dein Zelt mit Nägeln und Steinen fixieren, die du vor Ort erhältst.

Sobald du im Camp ankommst, musst du dich beim zuständigen Ranger melden. Dieser überprüft deine Reservierung/Buchung, weist dir einen Platz zu und klärt dich über die Gepflogenheiten auf.

Regeln beim Camping

#1 Kochen und offenes Feuer: Beachte bitte, dass das Kochen mit dem Gaskocher nur in den ausgewiesenen Bereichen und gegebenenfalls nur mit einem Windschutz gestattet ist. Generell ist offenes Feuer außerhalb der Zeltplätze strengstens verboten und bei Verstoß drohen Geld- und Freiheitsstrafen.

#2 Wasserversorgung: In den kostenpflichtigen Zeltplätzen gibt es meist fließend Wasser, in den kostenfreien Zeltplätzen zumindest einen Bach. Achte darauf, dass du das Wasser nicht verunreinigst, beispielsweise in dem du dein Kochgeschirr abwäscht.

#3 Müll: Auf den Zeltplätzen gibt es keine Mülleimer. Es gilt das Prinzip: Nimm alles auf dem Park hinaus, was du hinein bringst.

#4 Aufenthaltsdauer: In den kostenlosen Camps darfst du maximal eine Nacht bleiben.

Vollgepackt mit tollen Sachen, die das Wandern schwerer machen!

Vollgepackt mit tollen Sachen, die das Wandern schwerer machen!

3. Equipment und Ausrüstung

Wenn du planst, beim Trekking im Torres del Paine Nationalpark zu campen, benötigst du natürlich ein geeignetes Equipment, das allen Witterungsbedingungen standhält und zeitgleich nicht zu schwer ist. Damit steht und fällt die Freude! Folgende Dinge benötigst du unbedingt:

Zelt: Dein Zelt sollte dem patagonischen Wind trotzen können und für jedes Wetter gemacht sein, zum Beispiel das HELSPORT – Reinsfjell Superlight 2 oder das MSR Hubba 2-Personen-Zelt. Ein kleines Pack Maß sowie das Gewicht sind entscheidende Kriterien bei der Wahl des richtigen Zeltes. Aluminiumstangen sind empfehlenswert, da diese stabil und dennoch leicht sind.

Schlafsack: Die Nächte in Patagonien können kalt und feucht werden, auch im Sommer. Dementsprechend ist ein qualitativ hochwertiger Schlafsack das A und O beim Trekking im Torres del Paine Nationalpark. Ich empfehle dir einen Daunenschlafsack mit einem Komfortbereich von mindesten 0 Grad oder -5 Grad, zum Beispiel Marmot Daunenschlafsack. Auch die Kriterien Gewicht und Pack Maß spielen her eine wichtige Rolle. Solltest du einen Schlafsack ausleihen, benötigst du aus hygienischen Gründen zudem einen Inlet Schlafsack, z.B. Bahidora Hüttenschlafsack.

Isomatte: Ob selbstaufblasend, als Rolle oder zum Klappen – meiner Meinung nach sollte die Isomatte vor allem leicht, aber natürlich auch halbwegs bequem und isolierend sein. Ich nutze die Grand Canyon Cruise 5.0.

Kochgeschirr: Wer viel wandert, hat ordentlich Hunger. Für eine ausgewogene Ernährung beim Trekking im Torres del Paine Nationalpark sollte deine Camping Küche aus den folgenden Utensilien bestehen:

Wanderrucksack: Dein Rucksack sollte bequem und ausreichend groß sein, um neben deiner Kleidung auch Platz für Nahrungsmittel für 5-7 Tage, Schlafsack und Zelt zu bieten. Zudem ist es von Vorteil, wenn er über ein ausgeklügeltes System an Schlaufen und Netzen verfügt, damit du deine Isomatten oder ein nasses Zelt von außen an deinem Rucksack befestigen kannst. Ein integriertes oder ergänztes Regenschutzcape ist in Patagonien unerlässlich. Ich kann dir den Deuter Aircontact PRO 55 Liter empfehlen.

Trekkingstöcke: Hin und wieder geht es im Torres del Paine Nationalpark steil bergauf und bergab. Trekkingstöcke können dir Stabilität geben und deine Knie etwas entlasten. Ob du wirklich Trekkingstöcke benötigst musst du selbst entscheiden. Achte darauf, dass diese eine Teleskop Funktion haben und leicht sind.

Packen für das Trekking im Torres del Paine Nationalpark: Jedes Gramm ist zu viel!

Packen für das Trekking im Torres del Paine Nationalpark: Jedes Gramm ist zu viel!

Mitbringen, Leihen oder Kaufen?

Eine Frage, die du dir rechtzeitig in Bezug auf deine Ausrüstung stellen musst ist, ob du dein eigenes Equipment nutzen möchtest oder ob du es vor Ort ausleihst oder kaufst.

Du sparst natürlich bares Geld, wenn du dein eigenes Equipment mitbringst. Zudem kennst du deine Ausrüstung natürlich ganz genau, mit allen Vor- und Nachteilen. Das schafft Sicherheit. Bedenke jedoch auch, dass du Zelt, Schlafsack und Co. dann deinen kompletten Urlaub mit dir trägst und hinterfrage dich selbst, ob deine Route das zulässt oder dein Reiseerlebnis dadurch negativ beeinflusst wird.

Willst du dein Outdoor Equipment nicht quer über den Erdglobus fliegen oder planst eine längere Reise, auf der du nur selten Gebrauch von Campingutensilien machst, ist es natürlich ratsam, das Equipment vor Ort auszuleihen. Der Vorteil ist, dass du Camping Ausrüstung exakt auf das Trekking im Torres del Paine Nationalpark abgestimmt ist. In Puerto Natales gibt es mehrere Verleihanbieter wie beispielsweise Erratic Rocks oder das Wild Hostel. Allerdings kannst du die Ausrüstung nicht für einen bestimmten Zeitraum reservieren. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass du etwas Puffer in Puerto Natales einplanen, falls das Verleihequipment vergriffen ist. Wichtig ist beim Verleih auch, dass du Zelt und Schlafsack gründlich bei der Übernahme checkst und dich mit der Funktionalität vertraut machst, bevor du den Park betrittst. Im Park selbst kannst du hier und da zwar auch Zelte und Co. leihen, allerdings zu horrenden Preisen.

Alternativ kannst du dein Equipment auch in Patagonien kaufen. Outdoor Shop gibt es in jeder Stadt, allerding macht das preislich nicht viel aus. In der zollfreien Zona Franca in Punta Arenas wirst du jedoch bestimmt fündig.

4. Verpflegung und Wasserversorgung

Rein theoretisch ist es möglich, in den Refugios und an den Kiosks in den Camps (sofern vorhanden) Lebensmittel und Getränke zu kaufen, allerdings sind diese sehr teuer.

Gleiches gilt für die von den Refugios angebotenen Verpflegungspakete. Deutlich günstiger kommst du, wenn du dich selbst verpflegst. Der Nachteil: Die Lebensmittel nehmen einen großen Teil in deinem Rucksack ein. Es ist ratsam, auf leichte und platzsparende Lebensmittel zurückzugreifen, denn schließlich trägst du diese tagelang und kilometerweit durch den Park.

Mahlzeiten und Kalorienbedarf

Die tägliche Ration.

Wir haben unsere Lebensmittel bereits vorab in Deutschland gekauft, da diese hier deutlich günstiger sind als in Chile und Argentinien. Vor der Abreise haben wir uns pro Tag ein Ernährungspaket „geschnürrt“, was ich dir nur empfehlen kann. So stellst du sicher, dass du nicht unnötig viele Lebensmittel durch den Park schleppst. Plane vor deiner Reise genau, wie viele Kalorien du beim Trekking pro Tag zu dir nehmen möchtest und auf wie viele Mahlzeiten du diese aufteilst. Wir sind von einem Kalorienwert von ca. 2.000 – 2.500 kcal pro Person ausgegangen.

Frühstück: Zum Frühstück sind Porridge oder Müsli und Milchpulver, getrocknete Früchte und ein warmes Getränk sinnvoll, da du diese ausschließlich mit Wasser zubereiten kannst und die Zutaten leicht und nahrhaft sind.

Mittagessen: Tagsüber haben wir uns mit Powerbars, Schokoriegeln, getrockneten Früchten und Nüssen bei Laune gehalten. Hier kann ich dir Clif Bar Energieriegel und Oat Snack Riegel empfehlen, da diese bei kleiner Masse auf eine gute Portion Kalorien kommen. Aber auch Eiweiß- und Müsliriegel aus der Drogerie sowie Schokoriegel sind geeinet.

Abendessen: Am Abend haben wir uns immer eine warme Mahlzeit zubereitet, meist kohlenhydratreiche Nudel- oder Reisgerichte. Als sehr platzsparend und reichhaltig, wenn auch nicht gerade billig, haben sich die gefriergetrocknente Outdoor Fertiggerichte von Travel Lunch erwiesen. In Outdoor Shops wie Bergzeit.de und Bergfreunde.de oder natürlich auf Amazon gibt es eine große Auswahl an Mahlzeiten und Anbietern (z.B. Travellunch oder Trek’n Eat).  Fertiggerichte wie Risotto, Nudeltöpfe, Tütensuppen oder Asianudeln, die man mit heißem Wasser zubereiten kann, eignen sich auch.

Kleiner Tipp für deine Outdoor Küche: In den Outdoor Geschäften in Puerto Natales gibt es immer einen Korb mit halbvollen Gaskartuschen, die du dir kostenlos mitnehmen kannst.

Ganz wichtig: Schokolade! Wir haben fast jeden Abend im Zelt eine Tafel Schokolade verdrückt. Das bringt Power und gute Laune. Zum Pimpen deiner Mahlzeiten empfehle ich dir ein paar kleine Tüten Parmesan. Wenn es deine Schultern zulassen, wirst du dich auch über eine Flasche Wein freuen J

Wasserversorgung

Die Flüssigkeitsversorgung stellt zum Glück kein Problem dar. Wasser haben wir ausschließlich aus den Flüssen im Park bezogen. Da es sich meist um Quellwasser aus den Bergen handelt, ist die Wasserqualität sehr gut. Lediglich in den Camps solltest du darauf achten, dass du dein Wasser stromaufwärts abzapfst, um Verunreinigungen durch andere Camper vorzubeugen. Für Frühstück und Abendbrot hatten wir Teebeutel und eine Tüte Ovomaltine im Gepäck.

5. Route – W-Trail oder O-Trail?

Bei der Planung deiner Route durch den Torres del Paine Nationalpark musst du zunächst entscheiden, ob du das „W“ oder das „O“ laufen möchtest. Der W-Trail ist eine 4-6 tägige Mehrtageswanderungen, die dich an allen bekannten Highlights des Nationalparks vorbeiführt, darunter der Grey Gletscher, das Valle de Frances und natürlich die markante Felsformation Cerro Torre. Auch beim O-Trail erwanderst du diese Highlights, jedoch führt dich der Wanderweg in 8-10 Tagen einmal im Circuit rund um das Torres del Paine Massiv. Zusätzlich kommst du dabei auch am Dickson Gletscher und dem Lago Dickson vorbei. Die meisten Wanderer entscheiden sich auch Zeitgründen für das W-Trekking. Dementsprechend ist dieser Routenabschnitt auch deutlich mehr begangen und von Einsamkeit und Ruhe kann hier nicht immer die Rede sein.

Auch ich habe mich im Rahmen meiner Patagonien Reise für den W-Trail entschieden und anschließend noch ein paar Tagesausflüge im Park unternommen. Ein richtig oder falsch gibt es hier meiner Meinung nach nicht. Aufgrund meiner Erfahrungen werde ich im Folgenden ausschließlich auf das W-Trekking im Torres del Paine Nationalpark eingehen.

Mirador Cuernos: Blick auf die markanten Granit Gipfel.

Mirador Cuernos: Blick auf die markanten Granit Gipfel.

W-Trekking im Torres del Paine Nationalpark

Der W-Trail erstreckt sich über ca. 90 Kilometer entlang des berühmten Torre Bergmassivs. Du kannst den W-Trail in beide Richtungen wandern kannst, also von Ost nach West (Startpunkt Pudeto/Paine Grande) oder von West nach Ost (Startpunkt Las Torres/Camping Central). Die meisten Besucher laufen den W-Trail von West nach Ost. Dabei startest du deine Wanderung mit dem Grey Gletscher und endest an den berühmten drei Türmen Cerro Torre.

Wie lange du für das W-Trekking benötigst hängt zum einen von deiner Laufgeschwindigkeit ab, zum anderen von deinen Übernachtungspunkten, denn der W-Trail lässt sich je nach Gusto individuell planen. Die meisten Besucher benötigen 4-6 Tage für die Wanderung. Generell ist es keine schlechte Idee, wenn du etwas mehr Zeit einplanst. Die Komponente Wetter in Patagonien ist tückisch und unberechenbar. Mit etwas Zeitpuffer stellst du sicher, dass du alle Highlights im Park auch wirklich zu Gesicht bekommst und dein Wandererlebnis nicht von Schnee, Nebel oder Dauerregen getrübt wird.

Ich bin den W-Trail von Ost nach West in 5 Tagen gelaufen. Die einzelnen Etappen sowie die damit verbundenen Highlights auf der Strecke und die von mir gewählten Camps habe ich im Folgenden kurz zusammengefasst.

Die ersten Schritte im Torres del Paine Nationalpark: Wilde Natur soweit das Auge reicht!

Die ersten Schritte im Torres del Paine Nationalpark: Wilde Natur soweit das Auge reicht!

Tag 1: Pudeto – Paine Grande – Camping Grey (11 km)

Am ersten Tag des W-Trekking im Torres del Paine nimmst du zunächst den Bus von Puerto Natales in den Nationalpark (nähere Informationen zur Anreise findest du unten). An der Parkadministration musst du dich registrieren, die Parkgebühr zahlen und erhältst von den Park Rangern eine Einweisung. Wenn du den W-Trail wie ich von Ost nach West wandern möchtest, wanderst du nicht direkt von hier los, sondern steigst zurück in den Bus und fährst nochmal eine halbe Stunde weiter bis nach Pudeto. Hier befindet sich ein Bootsanleger, der dich zum Ausgangspunkt der Wanderung führt. Mit dem Katamaran überquerst du den türkisblauen Lago Pehoe und genießt einen wunderschönen ersten Blick auf das gesamt Torres del Paine Massiv. Der Katamaran legt am Camping Paine Grande an. Von hier kannst du nun direkt in den W-Trail einsteigen und dich auf deine erste Wanderung zum 3-4 Stunden entfernten Camping Grey machen.

Der Weg führt dich gemächlich bergauf, vorbei an verlassenen Lagunen und durch mystische Wälder. Bereits nach ca. 5 Kilometer wartet das erste Highlight auf dich, der Aussichtspunkt „Mirador Grey“ das erste Highlight. Von hier aus bekommst du einen ersten Blick auf die beeindruckende, blau schimmernde Gletscherzunge des Grey Gletschers. In dem davor gelagerten Lago Grey schwimmen riesige Eisberge und der berühmte patagonische Wind pfeift dir um die Nase. Fantastisch!

Nachdem du den Ausblick in vollen Zügen genossen hast, begibst du dich auf den finalen Aufstieg zum Camping Grey. Solltest du nach deiner Ankunft noch Zeit und Lust haben, kannst du einen Spaziergang entlang der Bucht machen. Oder du erholst dich einfach im Pavillion des Camps bei einer heißen Mahlzeit.

Weiterlaufen bei Wind und Wetter: Patagonien ist eine Wundertüte.

Weiterlaufen bei Wind und Wetter: Patagonien ist eine Wundertüte.

Tag 2: Camping Grey – Paine Grande – Camping Frances (20 km)

Die zweite Etappe des W-Trekkings ist mit 20 Kilometern recht lang, aber Dank der einzigartigen Natur vergeht die Laufzeit wie im Flug. Nachdem du dein Zelt zusammengepackt und den Rucksack wieder aufgesattelt hast, begibst du dich vom Camping Grey über den Anstiegsweg in ca. 3 Stunden zurück zum Camp Paine Grande. Erneut geht es vorbei am Grey Gletscher und den Lago Grey. Sollte dir das patagonische Wind am ersten Tag einen Strich durch die Rechnung gemacht haben, hast du nun erneut die Chance auf das fantastische Gletscher Panorama.

Am Camp Paine Grande angekommen, folgst du der Beschilderung zum Camping Italiano. Der W-Trail führt dich in den nächsten 3 Stunden in gemächlichen Aufs und Abs entlang der imposanten Felswände des Torre Massivs mit seinen markanten, dunkel gefärbten Gipfeln. Unterwegs durchläufst du mystisch karge Wälder mit überzuckerten Bäumen, das Resultat eines weitflächigen Waldbrandes im Torres del Paine Nationalpark. Als nächstes erreichst du  folgst du Lago Nordernskjöld  und folgst seinem Ufer für eine Weile. Über eine Hängebrücke gelangst du zum kostenlosen Camping Italiano und einer Ranger Station, an der du dich über das Wetter erkundigen kannst (wobei der Wetterbericht hier herrlich nichts aussagend ist). Hier kannst du dein Zelt für die Nacht aufschlagen oder du läufst noch 30 Minuten weiter bis zum Camping Frances. Dieser verfügt über eine deutlich bessere Infrastruktur und liegt windgeschützt inmitten eine Waldes.

Trekking im Torres del Paine Nationalpark: Wohin will der riesige Rucksack mit der armen Frau?

Trekking im Torres del Paine Nationalpark: Wohin will der riesige Rucksack mit der armen Frau?

Tag 3: Camping Frances – Valle del Frances – Britanico Lookout – Camping Frances (17 km)

An Tag 3 deines W-Trekkings im Torres del Paine Nationalpark begibst du dich auf eine Stichroute zum wunderschönen Valle del Frances. Bevor du dich auf den Weg begibst, solltest du dich beim Ranger vorab informieren, auf ein Aufstieg möglich ist oder aufgrund von Regen oder viel Schnee gesperrt ist. Bei meiner Besteigung lag zwar viel Schnee, ein Aufstieg war jedoch ohne Steigeisen möglich.

Da du am Abend in das gleiche Camp zurückkehrst, kannst du Zelt und Gepäck zurücklassen und nur das Nötigste für die Tageswanderung mitnehmen – das schont deine Schultern! Da das Wetter in Patagonien von einer Minute zu anderen umschwingen kann, sollest du dennoch für alle Witterungsbedingungen gewappnet sein und ausreichend Wasser und Snacks bei dir tragen.

Kehre zunächst zurück zum Camping Italiano. Direkt daneben beginnt der Pfad zum Valle del Frances. Nach ca. 1,5 Stunden steilen Aufstieg über Geröll und entlang einess Flusses, bei dem du ca. 500 Höhenmeter überwindest, gelangst du zum „Mirador Frances“. Von hier hast du einen wundervollen Ausblick auf den 3.050 m hohen Paine Grande, die schier endlosen Weiten Patagoniens und den hängenden Frances Gletscher. Verweile hier eine Weile und höre den gewaltigen Eismassen beim Knarren und Brechen zu.

Anschließend kannst du deine Wanderung durch einen dichten Wald fortsetzen und erreichst schließlich in das Valle del Frances. Alle Anstrengungen sind schnell vergessen, wenn du die einzigartige Naturkulisse aus Felswänden und schneebedeckten Gipfeln erblickst. Über einen letzten steilen Anstieg, der bei Schneemassen recht rutschig sein kann, gelangst du letztlich zum Mirador Británico. Der Aussichtspunkt bietet dir ein 360° Panorama über die Gipfel des Torre del Paine Bergmassivs. Der Abstieg erfolgt über den Ansteigsweg.

Trekking im Torres del Paine Nationalpark: Auf dem Weg zum Valle del Frances.

Trekking im Torres del Paine Nationalpark: Auf dem Weg zum Valle del Frances.

Tag 4: Camping Frances – Campamento Torres (24 km)

Die vierte Etappe ist mit 24 Kilometern die längste auf deinem W-Trekking. Vom Camping Frances machst du dich zunächst auf den Weg zum Camping Los Cuernos. Nach einigen kräftezehrenden Auf- und Abstiegen gelangst du an Lago Inge und folgst seinem Ufer bis zum Camp. Von hier geht es auf einen Pass zum Valle Ascencio. Dieser Streckenabschnitt zieht sich zwar wie ein Kaugummi, ist aber nicht besonders anspruchsvoll und du kannst die einzigartige Flora Patagoniens in vollen Zügen erkunden und genießen – vor allem im Frühling.

Nach ca. 3 Stunden erreichst du eine Weggabelung. Folge der Beschilderung „Shortcut to Chileno“ und nimm die Abkürzung zum Camping Chileno. Zunächst verläuft der Weg sehr gemächlich über einige Hügel und endlosen Wiesen. Mit etwas Glück entdeckst du auf diesem Streckenabschnitt vielleicht ein paar Wildpferde, die hier weiden. Bei regnerischem Wetter musst du womöglich große Schlammlöcher umlaufen, um nicht Kniehoch einzusinken. Im letzten Streckenabschnitt wird es zunehmend steiler. Hin und wieder reiten ein paar Gauchos an dir vorbei, die das Camping Chileno mit Nahrung versorge oder das Gepäck der Refugio Besucher nach oben tragen.

Am Camping Chileno beginnt der letzte Abschnitt deiner Tagesetappe zum Campamento Torres. Und der hat es in sich! Es geht 1 Stunde lang teilweise recht steil bergauf durch einen märchenhaften Wald. Die Bäume sind mit Moos bedeckt und hin und wieder musst du klapprige Holzbrücken überqueren. Sobald du den Wald verlässt, erreichst du das kostenlose Campamento Torres. Hier kannst du dein Zelt aufschlagen und dich von der Strapazen der Wanderung erholen.

Wenn du noch ausreichend Zeit und ein wenig Kraft im Gepäck hast, dann empfehle ich dir unbedingt an diesen Tag noch zu den Torres aufzusteigen. Der Pfad beginnt direkt neben dem Camp und führt dich in 45 Minuten steil bergauf zu der berühmten Lagune mit den drei Türmen. Du weißt nie, welches Wetter dich am nächsten Morgen erwartet und ob du die Torres auch wirklich zu sehen bekommst.

Zeitig Aufstehen ist beim Trekking im Torres del Paine Nationalpark Alltag, um die Berge bei Sonnenaufgang zu sehen.

Zeitig Aufstehen ist beim Trekking im Torres del Paine Nationalpark Alltag, um die Berge bei Sonnenaufgang zu sehen.

Tag 5: Campamento Torres – Cerro Torre – Camping Central (14 km)

Zeitiges Aufstehen lohnt sich! An Tag 5 deines W-Trekking solltest du spätestens eine Stunde vor Sonnenaufgang aufstehen und dich auf den Weg zu den Torres begeben. Der steile Aufstieg dauert ca. 45 Minuten. Pack dich warm ein und nimm unbedingt eine Kopflampe oder Taschenlampe mit, damit du nicht verletzt oder vom Weg abkommst. Auch warme Kleidung ist ein Muss, denn an den Torres kann es in den frühen Morgenstunden noch bitterkalt sein. Aber keine Sorge, die Mühe ist es wert und der Sonnenaufgang an den Torres ist unbeschreiblich schön und das absolute Highlight auf dem W-Trail.

Wenn du dich an dem Naturspektakel satt gesehen hast, kannst du dich zurück ins Camp begeben, frühstücken und dein Zelt einpacken. Anschließend geht es vorbei am Camping Chileno hinab ins Tal bis zum Hotel Las Torres und Camping Central. Herzlichen Glückwunsch, du hast den W-Trail erfolgreich absolviert!

Vom Camping Central musst du nun noch zurück zur Laguna Amarga und der Parkadministration wandern, wo die Busse nach Puerto Natales halten. Solltest du vor lauter Blasen an den Füßen nicht mehr laufen können, kannst du alternativ auch einen Shuttle Bus nehmen. Ich empfehle dir jedoch, noch ein bis zwei weitere Tage im Camping Central zu verweilen und den Torres del Paine Nationalpark in Rahmen von Tagesausflügen oder Tageswanderungen zu erkunden. Was du neben dem W-Trail noch alles entdecken kannst, erfährst du weiter unten.

Unendliche Weiten des Torres del Paine Nationalpark: Und mein Herz schlägt schneller!

Unendliche Weiten des Torres del Paine Nationalpark: Und mein Herz schlägt schneller!

6. Kartenmaterial und Orientierung

Die Wanderwege im Torres del Paine Nationalpark sind wirklich sehr gut markiert. Du kannst dich nur schwer verlaufen. Zudem erhält jeder Besucher an der Administration eine Wanderkarte, in der alle Wege, Camps, Refugios und Ranger Stationen eingezeichnet sind. Dennoch ist es ratsam, dass du dich vorab mit deiner Route beschäftigst. Eine gute Grundlage bietet der Rother Wanderführer für Patagonien und Feuerland, in dem sowohl das „O“ als auch das „W“ sowie 48 weitere Wanderungen in Patagonien beschrieben sind. Zudem findest du auch im Internet sehr gute und hilfreiche Artikel rund um das Reiseziel Patagonien. Auf Bergzeit fasst Franz die einzelnen Etappen des W-Trails im Torres del Paine Nationalpark zusammen inklusive Höhenprofil und Laufzeit. Wenn du dich eher für den 9-tägigen O-Trail im Torres del Paine Nationalpark interessierst, hilft dir Steve von back-packer.org auf seinen Blog weiter.

Einen Kompass benötigst du beim Trekking im Torres del Paine Nationalpark nicht. Informiere dich aber an den Ranger Stationen, ob alle Wege passierbar sind, beispielweise nach starken Schneefällen oder Regen.

7. Anreise und Transport

Ausgangspunkt für einen Ausflug zum Torres del Paine Nationalpark ist Puerto Natales in Chile. Die Kleinstadt verfügt über keinen eigenen Flughafen und ist nur per Bus oder PKW erreichbar.

Anreise nach Puerto Natales

Der nächstgelegene Flughafen befindet sich in Punta Arenas, welcher wiederum an Santiago de Chile (u.a. Sky und LATAM) angeschlossen ist. Mit dem Bus (z.B. Bus Sur, Buses Fernandez oder Buses Pacheco) erreichst du Puerto Natales von Punta Arenas aus in ca. 3 Stunden. Eine direkte Verbindung zum Torres del Paine Nationalpark gibt es nicht. Mein Tipp: Wenn du direkt von Punta Arenas weiterreisen möchtest, so kannst du den Bus nach Puerto Natales auch direkt am Flughafen abfangen, anstatt erst ins Stadtzentrum zu fahren. Die Fernbusse von Punta Arenas nach Puerto Natales halten meist am Flughafen. Der Sammelpunkt befindet sich ca. 50 Meter links vom Flughafenausgang.

Ein weiterer Flughafen befindet sich in El Calafate (Argentinien). Auch von El Calafate gibt es keine direkte Busverbindung in den Park, sondern lediglich nach Puerto Natales (u.a. TAQSA, Buses Gómez und Bus Sur in ca. 4-5 Stunden).

Auf dem Landweg erreichst du Puerto Natales von verschiedenen Städten in Argentinien und Chile, zum Beispiel Rio Gallegos und Ushuaia. Bustickets kannst du vorab über die Website www.recorrido.cl/en oder am Schalter im Busbahnhof. Eine rechtzeitige Buchung ist vor allem in der Hauptsaison empfehlenswert.

Die Busse in Puerto Natales halten alle am Busbahnhof Rodoviario, der sich ca. 10-15 Minute Fußmarsch vom Stadtzentrum mit den meisten Hostels und Restaurants befindet. Der Busbahnhof verfügt über Toiletten und ein paar Imbissstände, jedoch über keinen Geldautomaten. Diese gibt es lediglich im Stadtzentrum.

Hin- und Rücktransport Nationalpark

Puerto Natales liegt ca. 120 Kilometer südlich vom Torres del Paine Nationalpark entfernt. Vom Busbahnhof Rodoviario gibt es täglich mehrere Busverbindungen (u.a. Bus Sur, Buses Gomez, Buses Fernandez) in den Park, u.a. um 07:30 Uhr und 14:30 Uhr.  Tickets für den Bus zum Nationalpark erhältst du direkt am Schalter im Busterminal oder, wenn auch etwas teurer, an der Rezeption in deinem Hostel. Die Kosten belaufen sich auf ca. 9.000 CLP. Zudem empfehle ich dir, dein Rückfahrt Ticket ohne Datum zu buchen. So hast du mehr Flexibilität beim Trekking im Torres des Paine Nationalpark, zum Beispiel  wenn dir das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht oder du unverhofft doch schneller/langsamer bist.

Die Fahrzeit von Puerto Natales zum Torres del Paine Nationalpark beträgt ca. 2-2,5 Stunden. Alle Busse halten zunächst an der Park Administration, wo du die Eintrittsgebühr entrichten musst und eine Einweisung durch einen Park Ranger erhältst. An der Administration befindet sich auch eine Bushaltestelle für den späteren Rücktransport nach Puerto Natales.

Der Weitertransport hängt davon ab, in welche Richtung du das „O“ oder „W“ Trekking im Torres del Paine Nationalpark laufen möchtest. Beginnst du deine Wanderung im Westen, so kannst du direkt von der Administration zum Ausgangspunkt (Hotel Las Torres/Camping Central) wandern. Alternativ verkehren auch Shuttle Busse zum Ausgangspunkt für ca. 2.800 CLP. Hast du dich (wie ich) dazu entschlossen, dein Trekking im Osten am Paine Grande mit dem Aufstieg zum Grey Gletscher zu beginnen, so musst du erneut in den Bus steigen. Nach ca. 40 Minuten hält der Bus ein zweites Mal in Pudeto. Hier befindet sich der Ableger für den Katamaran, der dich in 30 Minuten zum Refugio und Camping Paine Grande befördert. Das Ticket kostet 15.000 CLP und kann an Bord erworben werden. Hier erfährst du die Abfahrtzeiten des Katamarans im Torres del Paine Nationalpark.

Natur pur im Torres del Paine Nationalpark: Beim Wandern triffst du auf wilde Pferde oder gar auf einen Puma?

Natur pur im Torres del Paine Nationalpark: Beim Wandern triffst du auf wilde Pferde oder gar auf einen Puma?

8. Kosten

Der Torres del Paine Nationalpark ist der berühmteste Park in Patagonien und Anziehungspunkt für Outdoor Freunde aus aller Welt. Dementsprechend hoch sind jedoch leider auch die Kosten für das Trekking im Torres del Paine Nationalpark. Neben den Transportkosten, Übernachtungsgebühren sowie Ausgaben für Essen und Getränke fallen zudem Eintrittsgebühren an. Diese variieren je nach Saison und steigen stetig.

  • Eintrittsgebühr Hauptsaison pro Person: 18.000 CLP (26 €)
  • Eintrittsgebühr Nebensaison pro Person: 10.000 CLP (14 €)

Die Eintrittsgebühr ist direkt beim Betreten des Nationalparks an der Administration zu entrichten. Neben chilenischen Pesos werden auch Dollar akzeptiert.

Bargeld oder Kreditkarte?

Im Torres del Paine Nationalpark gibt es weder Geldautomaten noch Geldwechselstuben. Du hast also keine Möglichkeit an Geld zu kommen und solltest daher ausreichend Bargeld einpacken. In einigen Refugios werden Kreditkarten akzeptiert.

9. Sprache und Kommunikation

Im Park gibt es keinen Handyempfang und auch keine Internetverbindung. Von daher solltest du das benötigte Kartenmaterial „offline“ dabei haben und die Daheimgebliebenen über deinen „Digital Detox“ informieren, damit sich keiner Sorgen macht. Im Notfall sind die Ranger Stationen und die Campingplätzen sowie die etwas besser ausgestatteten Refugios deine erste Anlaufstelle, da diese per Funk Hilfe holen können

Um mit den Menschen Vorort zu kommunizieren, solltest du zumindest ein paar Brocken Spanisch sprechen. Mit Englisch kommt du aber auch die meiste Zeit zurecht.

Weiterlaufen bei Wind und Wetter: Patagonien ist eine Wundertüte.

Weiterlaufen bei Wind und Wetter: Patagonien ist eine Wundertüte.

10. Sicherheit

Das Thema Sicherheit wird von Backpackern in Südamerika  häufig kritisch beäugt, denn immer wieder kommt es zu Überfällen und Diebstahl. In Patagonien und speziell beim Trekking im Torres del Paine Nationalpark brauchst du dir hingegen weniger Sorgen um deine Sicherheit zu machen. In regelmäßigen Abständen gibt es Ranger Stationen und allgemein sind die anderen Wanderder sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Um mein Zelt und meine Ausrüstung habe ich mir nie Gedanken gemacht, wenn ich diese im Camp zurückgelassen habe und zu einer Wanderung aufgebrochen bin. Natürlich hatte ich meine Wertsachen wie Geldbeutel und Reisepass aber immer bei mir.

Vergiss nicht, dass du in der Wildnis unterwegs bist. Der Torres del Paine Nationalpark ist die Heimat des Pumas. Die Wahrscheinlichkeit, dass du beim Wandern auf einen Puma triffst, ist natürlich relativ gering, denn dieser ist Nachtaktiv und bei Dunkelheit solltest du eh auf dem Campingplatz oder im Refugio sein. Für den Fall, dass du doch mal das Vergnügen hast, gilt die Devise: Groß machen, laut sein, nicht rennen! Giftige Insekten oder Schlangen gibt es im Torres del Paine Nationalpark nicht.

Die größte Gefahr beim Trekking im Torres del Paine Nationalpark geht meiner Meinung nach von dem störrischen patagonischen Wetter aus, das binnen weniger Minuten vom strahlenden Sonnenschein zu Wind und Schneefall umspringen kann. Sofern du auf alle Wetterkapriolen vorbereitet bist, stellt aber auch das Wetter keine wirkliche Gefahr da.

11. Weitere Ausflugsziele im Park

Wer Torres del Paine nach dem W-Trail oder O-Trail direkt verlässt, tut dem Park eigentlich unrecht, denn es gibt noch so viel mehr zu entdecken. Gipfelblicke, Wasserfälle, Lagunen, Guanaco Herden und traumhafte Panoramen – lass dir das nicht entgehen und verweile noch ein wenig in Chiles schönsten Nationalpark.

#1 Salto Grande

Atemberaubender Wasserfall Salto Grande im Torres del Paine Nationalpark

Atemberaubender Wasserfall Salto Grande im Torres del Paine Nationalpark

Der Salto Grande ist der größte und spektakulärste Wasserfall im Torres del Paine Nationalpark. Auf seinem Weg vom zum Lago Pehoe stürzt der tosende Paine Fluss 15 Meter in die Tiefe.

Das Beste: Den Salto Grande kannst du ganz bequem mit dem W-Trail und O-Trail im Torres del Paine Nationalpark entdecken. Nehme dazu einfach den Bus von der Park Administration nach Pudeto. Vom Katamaran Anleger läufst du gerade einmal 20 Minuten bis zum Wasserfall. Solltest du also vor Beginn deiner Wanderung (Startpunkt Paine Grande) oder nach erfolgreichen Abschluss (Startpunkt Camping Central) noch etwas Zeit vor dem Weitertransport haben, solltest du den Salta Grande auf keine Fall verpassen.

#2 Mirador Cuernos

Türkisblaues Gletscherwasser: Wasserversorgungsprobleme gibt es im Torres del Paine Nationalpark nie!

Türkisblaues Gletscherwasser: Wasserversorgungsprobleme gibt es im Torres del Paine Nationalpark nie!

Nirgendwo anders im Park bekommst du einen so wunderschönen Panoramablick auf die Bergformation „Los Cuernos“ mit ihren markanten, dunklen Granitgipfeln! Die dreistündige Rundwanderung zum Mirador Cuernos beginnt in Pudeto und lässt sich sehr gut mit einem Abstecher zum Wasserfall Salto Grande als Halbtagsausflug kombinieren. Der Weg verläuft durchweg durch flaches Terrain und ist auch dann noch machbar, wenn du schon 5-10 Tage Trekking im Torres del Paine Nationapark hinter dir hast. Unterwegs gibt es zahlreiche Aussichtspunkte, einer schöner als der andere.

#3 Laguna Azul

Bei gutem Wetter kannst du bei einem Uferspaziergang an der Laguna Azul bis zu den Torres sehen.

Bei gutem Wetter kannst du bei einem Uferspaziergang an der Laguna Azul bis zu den Torres sehen.

Die Laguna Azul befindet sich im Nordosten des Torres del Paine Parks ca. 10 Kilometer vom Camping Central und Hotel Las Torres entfernt. Am besten erreichst du die Lagune mit dem eigenen PKW oder im Rahmen einer geführten Halbtagestour. Aber auch eine Wanderung oder ein Pferde Ausritt sind möglich.

Bei gutem Wetter bietet die das Ufer der glasklaren Laguna Azul den wohl schönsten Blick auf die 3 Granittürme des Torres del Paine Bergmassivs. Direkt hinter der Lagune beginnt die schier unendliche Pampa und am Straßenrand und auf den Hügeln grasen unzählige Guanacos. Die Tiervielfalt im Park ist fantastisch. Mit etwas Glück entdeckst du auch Kondore, Karakaras und Nandus, die einem Strauß ähneln. Die Laguna Azul eignet sich perfekt für einen entspannten Ausflug inklusive Picknick mit fantastischem Ausblick. Früher war es auch möglich, an der Laguna Azul zu campen. Heute ist dies aufgrund eines hier durch einen Camper verursachten Waldbrandes nicht mehr oder nur noch mit Sondergenehmigung erlaubt.

#4 Cascada Paine

Rund um die imposanten Cascade Paine habe sich zahlreiche Guanacos niedergelassen.

Rund um die imposanten Cascade Paine habe sich zahlreiche Guanacos niedergelassen.

Auf dem Weg zur Laguna Azul, nur 5 Kilometer von der Parkadministration entfern, lohnt sich ein Abstecher zu dem weniger bekannten Wasserfall Cascada Paine. Hier erwartet dich eine fantastische Naturkulisse ohne großen Touristenandrang. Tosend stürzt das Wasser des Flusses Paine mehrere Stufen hinab. Im Hintergrund thronen die berühmten drei Granittürme von Torres del Paine. Meiner Meinung nach ist der Cascada Paine der schönste Wasserfall im ganzen Park. Und das Beste: Dieser Ort befindet sich nur 5 Minuten vom Parkplatz entfernt und erfordert keine weiteren körperlichen Anstrengungen nach deinem ohnehin schon anstrengendem Trekking im Torres del Paine Nationalpark.

#5 Laguna Amarga

So süß! Guanaco an der Laguan Armaga.

So süß! Guanaco an der Laguan Armaga.

Unweit der Park Administration und direkt an der Straße zum Paine Massiv befindet sich ein kleiner See, die Laguna Amarga. Mit etwas Glück triffst du hier auf Flamingos, die durch das türkisblaue Wasser entlang des schneeweißen Ufers waten. Ein lohnenswertes Ziel, dass du fußläufig von der Park Administration erreichen kannst, beispielsweise wenn du noch auf den Rücktransport nach Puerto Natales warten musst.


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Bilder: © Doreen Schollmeier / Sebastian Semmler

IsoldeMaReisen

Mein Name ist Isolde MaReisen und ich bin fernsüchtig. Auf fernsuchtblog.de berichte ich von meinen Reisen, Outdoor-Erlebnissen und gebe Tipps für Weltenbummler.

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9 Antworten

  1. inka sagt:

    Man muss jetzt wirklich alle Campingplätze vorreservieren? O.O Das war bei mir nicht so, als ich, hmmm, 2012 dort lief (omg ist das schon wieder lang her), da konnte man alles bequem vor Ort zahlen. Fand ich auch viel besser, so konnte ich spontan entscheiden, ob ich bleibe oder noch bis ins nächste Camp laufe. Ich erinnere mich, dass ich das Camp – wie heißt das noch, Italiano? – unterhalb des Valle de Frances echt nicht schön fand, deshalb bin ich einfach fix hoch gelaufen, wieder runter, hab meine Sachen gepackt und bin weitergelaufen. 😀 Das wäre ja dann anscheinend gar nicht mehr machbar? Krass.
    Du hast anscheinend besseres Wetter gehabt als ich. Ich bin in 8 Tagen rundrum gelaufen und hab die Torres dann leider nur aus dem Busfenster bei der Abfahrt gesehen. War dennoch toll.:)
    LG /inka

  2. Anja sagt:

    Wie viel früher sollte man die campingplätze im November reservieren?

  3. Thomas sagt:

    Was ist denn von den offiziellen Schliesszeiten für einzelne Abschnitte zu halten (z.B. 15h auf beiden Richtungen zwischen Italiano und Britannico)?…Find ich arg früh bei Helligkeit bis 21h Anfang März…und erschwert die Planung…
    Danke für ne Einschätzung

    • Hallo Thomas,

      als wir letztes Jahr im November durch den Torres del Paine gewandert sind, haben es die Ranger wirklich sehr genau mit den Schließzeiten genommen und am Eingang im Besucherzentrum wird auch nochmal darauf hingewiesen, dass mit saftigen Strafen zu rechnen ist, wenn man gegen die Regeln verstößt.

      Viele Grüße
      Isolde MaReisen

      • Thomas sagt:

        Ok, vielen lieben Dank für die (leider unerfreuliche) Antwort…
        Da muss ich mir unsere Planung nochmals genau ansehen..

  4. Bettina sagt:

    Hallo Isolde, toller ausführlicher Bericht! Ich war selbst im März dort und kann leider nur den Ratschlag geben, dass man inzwischen oft monatelang vorher buchen sollte wenn man im Dez-Februar dort unterwegs sein möchte (zumindest für das Q). Ich hatte für März noch einigermaßen Glück, aber bin dann auch manchmal zwei Etappen statt einer gelaufen (da ich zu dem Zeitpunkt sehr fit war kein Probem). Mit Auto wäre ich auch sehr gerne unterwegs gewesen, um danach flexibler noch andere Highlights anzusteuern (Wie ihr sie gesehen habt!) Leider schwierig mit Bus / zu Fuß. Meinen kleiner Bericht zum Q gibt es hier: https://www.fjella.world/qcircuit-torresdelpaine/ Viele Grüße, Bettina

  5. Holger sagt:

    Moin Isolde,
    sehr toller Bericht, vielen Dank!
    Kannst Du mir etwas über die Parkplatzsituation am Park sagen? Wir werden mit einem Camper eine Patagonienrundreise machen und wollen natürlich auch das O im Park wandern gehen. Kann ich das Fahrzeug irgendwo direkt am Park abstellen?
    Viele Grüße.
    Holger

    • Hallo Holger,

      ich habe tatsächlich keine Parkplätze gesehen, aber womöglich habe ich auch einfach nicht darauf geachtet. Ich denke, dass es am Einstieg welche gab. Ich selbst bin mit dem Bus angereist, der aber direkt wieder umgedreht ist. Wer das aber bestimmt weiß ist der Patagonien Experte Steve von https://www.back-packer.org/de/. Frag ihn mal!

      Viele Grüße und viel Spaß in Patagonien,
      Isolde MaReisen