Zu Fuß über die Alpen (Teil 1)

Kommt mit mir zu Fuß über die Alpen!
Kommt mit mir zu Fuß über die Alpen!

Es ist Juli. Das heißeste Wochenende des Jahres bringt ganz Deutschland zum Schwitzen. Während alle anderen genüsslich ein Eis schlecken oder sich die Sonne am See auf den Bauch scheinen lassen, schnallen wir uns 10 Kilogramm schwere Rucksäcke auf und schnüren unsere Bergschuhe fest. Wir sind Oberstdorf, dem Ausgangspunkt für unsere Alpenüberquerung. Das Projekt „Zu Fuß über die Alpen“ beginnt!

Kommt mit mir zu Fuß über die Alpen!

Schon eine Weile hatte sich die Idee, zu Fuß über die Alpen zu wandern, tief in unseren Köpfen verankert. Im Juli 2015 war es dann endlich soweit: Der Startschuss für unsere erste Alpenüberquerung war gefallen. Unsere Route führte uns entlang des Fernwanderweges E5 in sieben Tagen vom deutschen Oberstdorf  bis ins italienische Meran quer über die Alpen. Wir durchschritten eine wundervolle, imposante und abgeschiedene Bergwelt, vorbei an idyllischen Tälern, saftigen Almwiesen, Gletschern und schneebedeckten Gipfeln.

In meinem Artikel „Alpenüberquerung E5: Vorbereitung und Insidertipps“ hatten ich euch bereits von der Vorbereitung, den Anforderungen und unser Route über die Alpen berichtet. Jetzt soll es aber endlich los gehen! Im Folgenden findet ihr eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Etappen unserer Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran inklusive Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten und Preise. Viel Spaß beim Nachwandern!

Zu Fuß über die Alpen

Grundlage unserer Alpenüberquerung war der Fernwanderweg E5, welcher quer durch Europa von Frankreich bis an die italienische Adria führt. Ein Teilstück des Fernwanderweges E5 verläuft dabei innerhalb von sieben Tag durch das Allgäu, das Lechtal, die Ötztaler Alpen und das Etschtal quer über die Alpen. Hier noch eine Mal die Routendetails unserer Alpenüberquerung im Überblick. Weitere Informationen findet ihr hier.

Höhenprofil Alpenüberquerung

Höhenprofil Alpenüberquerung E5

Länge: 150 km (zu Fuß)
Gehzeit: 50 h / 7 Tage
Höhenmeter: ↑6.500 m, ↓8.500 m
Höchster Punkt: 3.050 m
Ausgangspunkt: Nebelhornbahn in Oberstdorf
Ziel: Zentrum von Meran

Etappe 1: Oberstdorf – Kemptner Hütte

Die erste Etappe unserer Alpenüberquerung führte uns vom idyllischen Oberstdorf über Land- und Waldwege in Richtung Allgäuer Hauptkamm zum ersten Übernachtungsplatz, der Kemptner Hütte (1.846 m). Dabei durchliefen wir den Sperrbachtobel, eine wilde Schlucht, in der sich auch im Sommer noch Eisschollen und Schnee halten. Die Kemptner Hütte ist in ein wunderschönes Bergpanorama gebettet und wird von großen Almwiesen mit bunten Wildblumen und Murmeltieren umgeben, welche man am besten von der Terrasse der Hütte oder bei einer kurzen abendlichen Wanderung beobachten kann.

Routendetails:

Strecke: 15 km
Gehzeit: 4,5 h
Höhenmeter: ↑1.050 m

Routenbeschreibung Oberstdorf – Kemptner Hütte

Wir beginnen unsere Alpenüberquerung an der Talstation der Nebelhornbahn in Oberstdorf. Von hier aus laufen wir über die kleine Brücke neben der Talstation und folgen der Beschilderung nach rechts Richtung „Trettachtal-Spielmansau“. Wir laufen entlang einer Ahornallee, vorbei an einer großen Wiese, auf der man bei schönem Wetter unendliche viele Paraglider beim Landen beobachten kann. Der Flussweg führt eine ganze Weile in leichten Auf‘s und Ab‘s entlang der Trettach, vorbei am Café Jägerstand und Hotel Gruben. Wer Lust und Zeit hat, kann an der nächsten Abzweigung einen Abstecher zum Christlesee machen. Der türkisblaue Bergsee ist glasklar und bietet einen optimalen Platz für eine kurze Rast oder ein Bad im eiskalten Wasser.

Erster Rastplatz: Der glasklare, türkisblaue Christlesee.

Erster Rastplatz: Der glasklare, türkisblaue Christlesee.

Anschließend folgen wir wieder der Beschilderung zum Berggasthof Spielmannsau (987 m), welchen wir nach ca. 2 Stunden Wanderung erreichen. Hier starten auch die meisten Bergschulen ihre Wanderungen und Alpenüberquerungen. Von der Spielmannsau kann man einen wundervollen Blick auf die Trettach und die umliegende Bergwelt genießen.

Über den Sperrbachtobel bis zur Kemptner Hütte: Unterwegs in einer der wildesten Lawinenschluchten.

Über den Sperrbachtobel bis zur Kemptner Hütte: Unterwegs in einer der wildesten Lawinenschluchten.

Nach dem Berggasthof Spielmannsau folgen wir einem schmalen Weg mit der Beschilderung zur „Kemptner Hütte“, vorbei an deren Materialseilbahn. Der Weg führt zunächst über einen Wurzelpfad durch den Wald links oberhalb der Trettach. Bald überqueren wir den Fluss Sperrbach über eine kleine wackelige Brücke. Es folgt ein ca. 30 Minütiger knackiger Anstieg über einen schmalen Pfad bis zu einem Aussichtspunkt. Kurz hinter dem Aussichtspunkt steigen wir zum Flussbett hinab und überqueren selbiges über eine kleine Brücke. Dabei eröffnet sich uns ein wunderschöner Blick auf den Sperrbachtobel, welchen wir im Folgenden hinauf wandern. Der Sperrbachtobel gilt als eine der wildesten Lawinenschluchten der Allgäuer Alpen und bis in den Sommer liegen hier noch eisige Überreste des Winters. Der Weg entlang des Sperrbachtobels ist sehr schmal, aber an heiklen Stellen mit einem Drahtseil versehen. Hin und wieder laufen wir an kleinen Wasserfällen, Schneefeldern oder Eisschollen vorbei oder müssen kleine Bäche überqueren. Am Ende der Schlucht nach einer letzten Rechtskurve erblicken wir oben bereits unser erstes Etappenziel, die Kemptner Hütte (1.844 m). Die letzten Meter zur Hütte führen über Kehren kräftezehrend nach oben, doch die wunderschönen von Blumen übersäten Almwiesen, das fantastische 360 Grad Bergpanorama und die niedlichen Almkühe, die hier grasen, entschädigen für alle Mühen und Schweiß.

Übernachtung in der Kemptner Hütte

Die Kemptner Hütte bietet Platz für 290 Wanderer, vorrangig in Matratzenlagern für bis zu 36 Personen. Dementsprechend lebhaft geht es auch in der Hütte zu und Orpax sind Pflicht, wenn man wenigstens etwas Schlaf erhaschen möchte. Die Terrasse der Kemptner Hütte bietet einen fantastischen Blick auf die umliegenden Berge. Die Übernachtung kostet 10 € (als DAV Mitglied) im Matrazenlager. Duschen sind vorhanden und kosten 2,50€ für 4 Minuten. Die Auswahl an Speisen ist relativ umfangreich und die Preise variieren zwischen 8,00€ und 14,00€. Das Frühstück kostet 3,50€ – 4,50€ zuzüglich Kaffee für 1,50€.

Blick auf die Kemptner Hütte, umrandet von einem fantastischen Wohlfühl-Bergpanorama.

Blick auf die Kemptner Hütte, umrandet von einem fantastischen Wohlfühl-Bergpanorama.

Etappe 2: Kemptner Hütte – Württemberger Haus

Etappe 2 unserer Alpenüberquerung war die wohl längste und anstrengendste Wanderung. Sie führte uns über das Mädelejoch (1.974 m) von Deutschland nach Österreich, bevor wir eine wunderschöne aber auch kräftezehrende Talwanderung in Lechtal unternahmen, vorbei an tosenden Wasserfällen, idyllischen Almen und der längsten Hängebrücke Österreichs. Über eine tiefe, schmale Schlucht und den kniffeligen Hermine Steig ging es nach Madau. Hier wichen wir vom klassischen E5 Wanderweg ab, der standardmäßig zur Memminger Hütte führt. Stattdessen durchschritten wir ein wunderschönes, saftig grünes Tal voller Wildblumen und Wasserfälle und erkletterten das Leiterjöchl. Anschließend stiegen wir über Schneefelder hinab bis zum einsamen Württemberger Haus. Wer bisher noch keine Kletter- oder Klettersteigerfahrung hat, nicht schwindelfrei ist oder an seiner Kondition zweifelt, dem empfehlen wir jedoch der klassischen E5 Route zur Memminger Hütte zu folgen, da dieser Weg deutlich einfacher und mit 9 Stunden Wanderung auf essentiell kürzer ist.

Routendetails:

Strecke: 30 km
Gehzeit: 12 h
Höhenmeter: ↑1.600 m, ↓1.200 m

Routenbeschreibung Kemptner Hütte – Württemberger Haus

Die zweite Etappe unserer Alpenüberquerung ist auch unsere längste, dementsprechend früh zeitig beginnen wir unsere Wanderung noch im Morgengrauen. Von der Kemptner Hütte wandern wir zum gegenüberliegenden Mädelejoch (1.974m), umringt von den wundervollen und imposanten Bergen Kratzer (2.427m) und Muttlerkopf. (2.366 m). Das Grenzschild auf dem Mädelejoch weist uns darauf hin, dass wir nun Deutschland verlassen und unsere Wanderung fortan durch Österreich fortführen.

Kurz vor der österreichischen Grenze: die zweite Etappe beginnt im Morgengrauen.

Kurz vor der österreichischen Grenze: die zweite Etappe beginnt im Morgengrauen.

Nach dem Grenzübergang beginnt ein langer Abstieg ins Tal über einen felsigen Pfad durch wunderschöne Latschenwälder und über Wiesen, vorbei an der Roßgrumpenalm (1.3290 m) und einem imposanten Wasserfall. Dort setzen wir unsere Wanderung durch das idyllische Höhenbachtal fort bis zum Café Uta. Hier teilt sich der Weg auf. Der linke Pfad führt einen Hang hinauf zur Überquerung der längsten Seilhängebrücke Österreichs. Der rechte Pfad verläuft entlang des Flusses zum tosenden Simms-Wasserfall und unterhalb der Seilbrücke entlang. Wir entscheiden uns für den zweiten Pfad, um beide Highlights der Etappe zu sehen. Nach einem kräftezehrenden ca. 3 stündigen Abstieg erreichen wir nach dem Simms-Wasserfall und der Seilhängebrücke mit dem Ort Holzgau das Lechtal.

Nun gilt es das 11 Kilometer lange Lechtal über die Ortschaften Holzgau und Stockach entlang der Lech bis ins Madautal zu durchqueren. Da die Strecke relativ lang ist, bevorzugen es viele Wanderer, die Strecke durch das Lechtal mit dem Taxi zurückzulegen und ihre Wanderung erst in Madau fortzuführen. Entsprechende Großraumtaxis warten bereits am Ortseingangsschild von Holzgau auf E5 Wanderer. Wir hingegen entschlossen uns auch das Lechtal zu Fuß zu durchqueren und auf motorisierte Unterstützung zu verzichten. Die Wanderung durch das Lechtal dauerte ca. 3 Stunden zusätzlich. Die Beschilderung im Tal ist jedoch relativ schlecht, so dass man sich ein wenig zum Madautal durchfragen muss. Wer sein Proviant oder Medikamente aufstocken muss, der kann von Holzgau einen 30-minütigen Umweg in Kauf nehmen und über die Örtchen Bach laufen, in welchem es einen Supermarkt gibt.

Ein Tal voller Wasserfälle und wilder Blumen.

Ein Tal voller Wasserfälle und wilder Blumen.

Von der Hauptstraße im Lechtal biegen wir auf den Fahrweg mit der Beschilderung „Madau, Bergheim Hermine“ ab. Die Strecke durch das Madautal bis zum Bergheim ist ein gemächlich ansteigender Waldweg. Wer es anspruchsvoller mag und einen landschaftlich reizvolleren Weg laufen möchte, der kann einen Umweg über den Höhenweg Hermine gehen. Dazu biegt man den Waldweg nach Madau nach ca. 20 Minuten links auf einen schmalen Forstweg ab. Dieser führte uns zunächst über die Mateiler Brücke, von der man einen fabelhaften Blick in die tosende Klamm hat. Anschließend führt der Höhenweg Hermine über einen schmalen und teilweise abschüssigen Pfad entlang der Bergwand führt. Der Weg bietet sehr schöne Ausblicke auf die tiefe Schlucht, den Alperschonbach und die umliegende Bergwelt. Hier und da sollte man verstärkt auf ausgesetzte Bereiche des Weges achten. Alle kniffligen Stellen sind jedoch mit entsprechenden Drahtseilsicherungen versehen. Der Höhenweg endet nach ca. 1 Stunde wieder auf dem E5 Hauptpfad bis zum Berggasthaus Hermine. Hier kann man dem klassischen E5 Fernwanderweg weiter folgen und erreicht die Memminger Hütte innerhalb von zwei Stunden.

Höhenweg Hermine: Schmale Wege, tiefe Schluchten.

Höhenweg Hermine: Schmale Wege, tiefe Schluchten.

Alternativ gibt es eine sehr schöne, jedoch deutlich längere und anspruchsvollere Route über grüne Täler und schroffe Felswände zur abgeschiedenen Württemberger Haus. Diese Route ist meiner Meinung nach deutlich reizvoller, sollte allerdings nur begangen werden, wenn man noch ausreichend Kondition für steile Anstiege hat, Schwindelfrei und Trittsicher ist und erste Erfahrungen mit Klettern gemacht hat, da in der letzten Passage das Leichterjöchl mit Händen und Füßen erklommen werden muss.

Malerische Täler voller Wildblumen und Wasserfälle - eine Idylle in den Alpen!

Malerische Täler voller Wildblumen und Wasserfälle – eine Idylle in den Alpen!

Unsere Alternative Route (Rote Markierung) führte uns zunächst im gemächlichen Aufs und Abs durch Wälder und ein wunderschönes Tal entlang des Röttalbachs. Auf den Wiesen blühen wilde Blumen und aus den umliegenden Bergen prasseln zahlreiche Wasserfälle hinab. Wir durchquerten Flussbetten und schwitzen wegen dem ein oder anderen knackigen Anstieg. Da lediglich ein Pfad in Richtung Württemberger Haus führt, kann man sich auch nicht verlaufen. Nach ca. 1,5 Stunden geht die Route neben zwei Wasserfällen steil bergauf, überquert im stetigen Auf grüne Wiesen, kieselige Pisten (Achtung Rutschgefahr) und gerölligen Felswände. Hier haben wir die Vegetationsgrenze bereits hinter uns gelassen, denn hier oben wachsen keine Bäume mehr. Große Steine, Kiesel und Moos bestimmen die Landschaft. An dem kleinen, türkisblauen Schiefersee, welcher je nach Jahreszeit noch zugefroren ist, läuft man abschließend direkt auf eine hohe Felswand zu. Es scheint, als hört der Weg hier auf, denn eine Überwindung der sich auftürmenden Berge scheint auf den ersten Blick unmöglich.

Blick auf dem Schiefersee: Gleich beginnt die Kletterpartie zum Leiterjöchl.

Blick auf dem Schiefersee: Gleich beginnt die Kletterpartie zum Leiterjöchl.

Doch wer genau hinschaut und dem Weg mit den roten Markierungen folgt, gelangt direkt zu einer Felswand, in welcher Drahtseile und Eisentritte befestigt wurden, die einen Aufstieg ermöglichen. Die ca. 30 minütige Kletterei und Kraxelei zwischen den Felswänden über das Leiterjöchl (2.526 m) ist kräftezehrend und sollte nur von Wanderern unternommen werden, die Schwindelfrei sind und erste Erfahrungen im Klettern oder Bouldern haben. Der Weg erinnert an einen Klettersteig. Wer ein entsprechendes Set mit sich führt, kann sich hier und da auch einklinken, um sich bei schwierigen Passagen zu sichern.

Unendliche Weiten: Die Alpen in ihrer vollen Pracht!

Unendliche Weiten: Die Alpen in ihrer vollen Pracht!

Oben auf dem Leiterjöchl (2.526 m) angekommen bietet sich ein fantastischer Blick auf die umliegenden, verlassen wirkenden Berge. Dicke Schneefelder liegen zwischen den schroffen Felsen. Diese geht es nun zu überwinden. Vom Leichterjöchl steigt ihr den Bergkessel hinab über Schnee und Geröll und folgt ca. 1 Stunde lang den roten Markierungen bis zum Württemberger Haus (2.200 m), eurem Übernachtungsplatz für Etappe 2.

Übernachtung im Württemberger Haus

Sehr einfach, und wahrscheinlich genau deswegen so wunderbar gemütlich, ist das Württemberger Haus (2.200 m) ein wundervoller Übernachtungsplatz im Rahmen einer Alpenüberquerung. Dusche sucht man hier vergeblich. Waschen kann man sich im eiskalten Wasser des Flusses oder am Waschbecken. Da das Württemberger Haus über keine Materialseilbahn verfügt und auch keine Straßenanbindung existiert, wird selbige lediglich zwei Mal im Jahr mit Lebensmitteln durch einen Helikopter beliefert. Dementsprechend begrenzt ist das täglich Speiseangebot und die Preise für Essen und Getränke sind sicherlich etwas höher, als in anderen Hütten. Das Württemberger Haus bietet in Zimmerlagern und Matratzenlager sowie Notlagern Platz für maximal 67 Personen. Die Übernachtung kostet 9 € (als DAV Mitglied) bzw. 19 € (für Nichtmitglieder) im Matrazenlager. Von der Terrasse der Hütte hat man einen wundervollen Panoramablick auf die umliegenden Berge, die sich für den Klettersport eignen. Mit etwas Glück entdeckt man hier auch Gamsböcke.

Württemberger Haus im Morgengrauen: Der Bergtag beginnt früh!

Württemberger Haus im Morgengrauen: Der Bergtag beginnt früh!

Etappe 3: Vom Württemberger Haus nach Zams

Die Etappe 3 unserer Alpenüberquerung führte uns vom Württemberger Haus (2.200 m) durch das Lochbachtal und das Zammer Loch bis ins Tal nach Zams (80 m) – und somit zurück in die Zivilisation. In der Nacht hatte es geregnet und die Berge rund um das Württemberger Haus waren in Wolken verhangen, als wir unser Frühstück unter freien Himmel einnahmen. Während der vorrangig bergab verlaufenden Wanderung eröffneten sich uns wunderbare Ausblicke auf das Inntal mit dem markanten graublauen Inn und die sich dahinter auftürmenden Venetbergen – zum Glück bei fantastischem Sommerswetter. Die Talwanderung nach Zams war zwar eine der kürzesten Etappen unserer Alpenüberquerung, aber auch sicherlich eine der zermürbendsten, denn Blasen, Knieschmerzen und jede Menge Schweiß waren inklusive!

Etappenbeschreibung und Routendetails:

Strecke: 12 km
Gehzeit: 4 h
Höhenmeter: ↓1.500 m

Routenbeschreibung Württemberger Haus – Zams

Vom Württemberger Haus folgen wir dem Weg Nr. 631 mit der Beschilderung „Zams“ über eine saftig grüne Hochebene, vorbei an einer farbenfrohes Blütenpracht, einigen Wasserfällen und Kuhherden. Der Weg ist zwar etwas steinig und führt in nicht enden wollenden Serpentinen bergab. Neben uns sprudelt der Lochbach durch das wunderschöne Tal, welchen wir hin und wieder über rutschige Baumstammbrücken überqueren. An der Unterlochalm (1.580 m) treffen wir wieder auf den klassischen E5 Fernwanderweg. Die Alm ist in den Sommermonaten bewirtschaftet und bietet die Möglichkeit einer Einkehr und dem Nachfüllen von Wasser. Sie liegt in einem idyllischen Lärchenwald und vor der Haustür grasen zahlreiche Pferde, Kühe und Hochlandrinder.

Abstieg vom Württemberger Haus ins Tal nach Zams.

Abstieg vom Württemberger Haus ins Tal nach Zams.

Nach einem kurzen Anstieg erwartet uns nun der berüchtigtste Abschnitt der heutigen Etappe: Das Zammer Loch, das so manchen Wanderer zu schaffen macht. Vor allem im Hochsommer heizt sich das Zammer Loch so richtig auf und macht die lange Talwanderung zu einer Tortur. Der steinige Weg fordert sein Tribut, denn hier holten wir uns Blasen und die Fußsohle brannte trotz unserer festen Sohle mächtig. Doch die tollen Ausblicke unterwegs entschädigen.

Hochlandrinder in den Alpen: Ein Hauch von Schottland.

Hochlandrinder in den Alpen: Ein Hauch von Schottland.

Im Zammer Loch führt der Fernwanderweg über einige ausgesetzte Stellen an einer tiefen Schlucht entlang und bietet im letzten Viertel einen wundervollen Ausblick auf Landeck, Zams und das markante Inntal mit den imposanten Venetbergen im Hintergrund. Auch wenn das Ziel nun schon nah scheint liegt noch ein weiter Weg vor uns, denn der Abstieg zurück in die Zivilisation zieht sich gewaltig in gemächlich absteigenden Serpentinen. Eine Möglichkeit für eine Verschnaufpause von der zermürbenden Talwanderung bietet die Märchenwiese, eine Lichtung ca. 990 Meter über unserem Etappenziel Zams. Nach ca. 45 Minuten erreichen wir am Ende des Wanderweges einen großen Parkplatz, an dem sich auch eine Übersichtstafel mit allen verfügbaren Unterkünften in Zams befindet.

Das berüchtigte Zamser Loch: Hier gibt's Blasen ohne Ende.

Das berüchtigte Zamser Loch: Hier gibt’s Blasen ohne Ende.

Wer frühzeitig das Tal erreicht, kann den restlichen Tag nutzen, um in Zams Proviant und Co. nachzukaufen, ein kühles Bad zu nehmen oder sich bei Weißbier und Pizza zu stärken. Empfehlenswert ist das Restaurant Theresienkeller gegenüber der Touristeninformation (kostenloses Internet) im Stadtzentrum. Hier werden Wagenrad-große und verdammt leckere Pizzen zu absolut moderaten Preisen gereicht. Einkaufsmöglichkeiten befinden sich in unmittelbarer Nähe der Venetbergbahn oder im Einkaufszentrum am Ortsausgang.

Blick auf Zams und das Inntal.

Blick auf Zams und das Inntal.

Tipp: Wer vor 18:00 Uhr im Tal ist sollte der Talstation der Venetbergbahn einen Besuch abstatten und sein Ticket für die morgige Fahrt mit der Gondelbahn bereits vorab kaufen, um lange Warteschlangen und Verzögerungen zu vermeiden. Wenn ihr in einem Gästehaus oder Hotel in Zams übernachtet, erhaltet ihr mit der Gästekarte Rabatt auf euer Ticket.

Nom nom nom! Das haben wir uns verdient!

Nom nom nom! Das haben wir uns verdient!

Übernachtung in Zams

Es sollte wirklich kein Problem sein eine schöne Unterkunft in Zams zu finden, denn es gibt zahlreiche Hotels, Pensionen und Gästezimmer in jedweder Kategorie und Preisklasse. Das Informationsschild am Wanderparkplatz sowie die Touristeninformation neben der Kirche im Stadtzentrum von Zams helfen bei der Suche. Dennoch möchte ich die von uns gewählte Haus Gigele lobend erwähnen. Mit offenen Armen und einem kalten Holunderwasser wurden wir überaus freundlich von Familie Gigele in ihrem Garten empfangen. Die Zimmer in ihrem Gästehaus sind sehr schön und ein wahrer Luxus nach den Strapazen der letzten 3 Tage. Am Morgen gab es ein stärkendes Frühstück und ein paar aufmunternde, Kraft fördernde Worte im Garten des Ehepaares, bevor wir uns auf die nächste Etappe unserer Alpenüberquerung begaben. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Familie Gigele für die schöne Zeit bedanken. Ihr erreicht Sie hier.

Und so geht’s weiter…

Etappe 1-3 sind geschafft! Innerhalb von drei Tagen liefen wir von Oberstdorf in Deutschland bis nach Zams im Inntal. Wenn ihr wissen wollt, wie es weiter geht, dann lest meinen Beitrag „Zu Fuß über die Alpen – Teil 2″.


Weiterführende Tipps gefällig?

Für die Planung eurer Alpenüberquerung empfehle ich euch den Wanderführer E5, der uns ebenfalls über die Alpen geführt hat. Darin findet ihr auch Tipps zu Übernachtungsplätzen und Alternativrouten. Zudem habe ich euch eine geprüfte Packliste für eine Alpenüberquerung zusammengestellt.

Meine Empfehlungen für deine Ausrüstung

Mein Wanderschuh: Meindl Air Revolution
Optimal für alpine Touren und Klettersteige. Bleibt trocken bei Wind und Wetter Dank Gore Tex Membran. Der Meindl Air Revolution sorgt für einen sicheren Halt und festen Tritt. Auch für Schneewanderungen geeignet Dank Steigeisen Kompatibilität.


Mein Rucksack: Deuter Aircontact 60L
Wer nicht minimalistisch genug für einen kleineren Rucksack ist, dem empfehle ich diesen Allrounder. Der Deuter Aircontact entlastet die Schultern durch einen angenehmen Hüftgurt, ist Größen-verstellbar und verfügt über einen Fronteingriff.


Mein Trinksystem: Deuter Streamer
Die Deuter Trinkblase ist sowohl bei langen als auch bei kurzen Wanderungen super praktisch. Der Streamer lässt sich bequem im inneren eines jeden Rucksacks verstauen und kühlt das Wasser langanhaltend. In verschiedenen Größen erhältlich.

Bilder:
© Doreen Schollmeier
© Sebastian Semmler

IsoldeMaReisen

Mein Name ist Isolde MaReisen und ich bin fernsüchtig. Auf fernsuchtblog.de berichte ich von meinen Reisen, Outdoor-Erlebnissen und gebe Tipps für Weltenbummler.

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16 Antworten

  1. Klaus sagt:

    Hallo Isolde (oder wie du auch immer heißt),
    Schade, dass du die Dusche am Württemberger Haus nicht gefunden hast, die gibt es nämlich. Allerdings nicht im, sondern hinterm Haus. Etwa 150 m oberhalb der Hütte gibt es eine Dusche, bestehend aus einem Schlauch, der das Wasser aus dem Bach über einen Felsvorsprung durch eine Gißkannen-Brause leitet. Wassertemperatur ca. 4 Grad, genau die richtige Temperatur nach einem heißen Tag. Fotos davon habe ich reichlich 🙂
    Wir gingen den E5 Ende Juli und ich lese gerade deinen Bericht und vergleiche ihn mit meinen Erfahrungen. Sehr cool!
    Gruß, Klaus

    • Hallo Klaus,

      die Dusche ist mir tatsächlich entgangen. Das Wasser auf dem Wasserhahn war auch nur geringfügig wärmer, aber für eine kleine Katzenwäsche hat es gereicht 🙂

      Das Württemberger Haus war definitiv meine Lieblingsunterkunft während der Alpenüberquerung: Das wundervolle Panorama, die tollen Wanderwege, die idyllische Hütte, die freundlichen Gastwirte – ich gerate direkt wieder ins Schwärmen!

      Danke für dein Kommentar! Und weiterhin viel Spaß beim Wandern,
      Doreen alias Isolde MaReisen

  2. Klaus sagt:

    Hallo Isolde,
    meine Lieblingsunterkunft auf dem Weg nach Meran war definitiv die Galflunalm. Klein aber sehr fein. Sehr nette Leute und ein Top-Lager. Und vor der Alm gab es ein Lama 🙂
    Wann stellst du den zweiten Teile deines Reiseberichts Online? Ich freue mich schon darauf.
    Gruß, Klaus

    • Hallo Klaus,

      Lamas in den Alpen – das hätte ich natürlich zu gern gesehen. Von der Alm habe ich in der Tag auch schon gehört. Vielleicht klappt es damit ja beim nächsten Mal.

      Der zweite Teil meiner Alpenüberquerung ist derzeit noch in Arbeit und erscheint wahrscheinlich in zwei Wochen. Ich würde mich auch dann wieder über deine Kommentare freuen.

      Frohes Wandern,
      Isolde MaReisen

  3. Michi sagt:

    Hallo Doreen,

    wo finde ich denn den 2. Teil? Der müsste ja mittlerweile fertig sein. 😉

    Grüße aus Nürnberg!
    Michi

  4. Alex sagt:

    Hallo Isolde,

    zu den Wanderschuhen von Meindl habe ich noch eine Frage.
    Welche Schuhgröße hast Du und welche Größe hast Du bei den Meindl?

    Grüße Alex

    • Hallo Alex,

      ich habe meist Schuhgröße 41, manchmal auch etwas größer, und habe die Meindl Air Revolution 4.1 in 42,5 gewählt. Ab und an habe ich für Damen auch schon eine 43 gesehen, aber das ist selten. Die 42,5 passt aber sehr gut, kleiner sollten sie jedoch nicht sein.

      Liebe Grüße
      Isolde MaReisen

  5. Julia sagt:

    LIebe Isolde, bin hier per Zufall über deinen tollen Blog gestolpert – der ist ja super! Liest und schaut sich grandios (an) 🙂 Ich habe eine Frage zum Thema „Schwindelfreiheit“ auf dem E5: Ich bin leider alles andere als schwindelfrei, möchte den E5 aber gerne im Sommer begehen. Kannst du mir sagen: Wie viele wirklich „tricky“ Stellen gibt es denn etwa? Ich kenne Grate und Co. vom Schneeschuhwandern im Winter – allerdings hat man da auch die Herausforderung bei teils sehr steilen/überhängenden Stücken den riesen Schuh gut zu platzieren/zu koordinieren. Probleme kriege ich v.a. wenn es wirklich senkrecht runter geht und ich mich schlecht festhalten kann. Kannst du mir da nochmal ein bisschen von deinen Erfahrungen berichten? Das wäre super! Danke! Ganz liebe Grüße, Julia

    • Hallo Julia,

      super dass du den E5 wandern willst. Und gleich vorab: Du packst das! Letztlich gab es nur rund um die Braunschweiger Hütte ein paar luftigere Stellen, alles aber halb so wild. Zudem führen hier zwei Wege hoch und du kannst selbst entscheiden, ob du den steilen und kurzen Weg oder die weniger steilen aber dafür längeren nimmst. Es gibt immer Alternativen. Ich selbst bin auch nicht 100% schindelfrei, hatte beim E5 aber nie Probleme.

      Liebe Grüße
      Isolde MaReisen

  6. Alex sagt:

    Hallo Isolde,

    werden den E5 in diesem Sommer auch gehen, jedoch aus Gründen der Erholung und regenerierung, versuchen so oft es nur geht in Pensionen und Hotels unter zu kommen.

    Wir sind gerade von Mallorca zurückgekommen.
    Dort haben wir schon einmal getestet, wie wir uns auf Tageswanderungen machen.
    Wir sind dort den GR 221 gelaufen und haben festgestellt, dass Wir auf dem E5 auf jeden Fall weniger Gepäck mitnehmen werden 😉

    Schau Dir mal den GR221 an, kann ich sehr empfehlen.

    Bis dahin

    Schöne Grüße
    Alex

  7. Alex sagt:

    Hattet Ihr die Hütten vorher reserviert oder hattet Ihr spontan angefragt?

    Unsere Vorstellung für den E5 ist die, dass wir soviel wie möglich in Pensionen oder Hotels übernachten wollen und nur dort wo es notwendig ist, eine Hütte aufsuchen werden.
    Wir wollten zwecks des Wetters nicht durch irgendwelche Reservierungen an einer Strecke gebunden sein.

    So ist der Plan.

    • Hallo Alex,

      die Hütten sind meist schon Monate vorher ausgebucht, denn der E5 ist sehr beliebt und wird auch von Trekkingtouren Anbietern angesteuert. Wenn du in einer Hütte übernachten willst, solltest du also unbedingt vorher reservieren und nicht auf einen Platz im Notlager hoffen. Wir haben unsere Tour damals im Mai geplant und hatten da schon teilweise kein Glück mehr bzw. auch nur Notlager. Spontan hinkommen und Schlafplatz anfragen – das funktioniert nahezu auf keiner DAV Hütte – ob E5 oder nicht.

      Bei den Pensionen sieht es besser aus, allerdings gibt es die nur im Tal und du müsstest deine Route dementsprechend anpassen. Dabei ist es natürlich viel schöner auf dem Berg zu übernachten als unten in einer Stadt.

      Meine Empfehlung: Unbedingt vorplanen, sonst werdet ihr beim E5 nicht glücklich!

      Liebe Grüße
      Isolde MaReisen

  8. Alex sagt:

    Danke für deine Rückmeldung.
    Mal schauen wie wir es am besten machen werden.

    Haben gerade den GR221 Fernwanderweg auf Mallorca hinter uns. Kann ich Dir auch sehr empfehlen, der Weg ist sehr schön. 😉

    Schöne Grüße
    Alex

  9. Iwona sagt:

    Hallo Isolde,
    tolle Bilder. Ich möchte mit meinem Freund die Alpen überqueren, aber für die ganze Überquerung fehlt die Zeit. Auf dem E5 waren wir allerdings im letzten Sommer unterwegs. Wir sind nämlich zwei Tage zur Memmingen Hütte und zum Württemberger Haus gewandert. Ich liebe das Fernwandern. Im letzten Jahr bin ich alleine auf dem GR20 auf Korsika 8 Tage gewandert – traumhaft schön.
    Liebe Grüße
    Iwona

  10. Chris sagt:

    Tolle Beschreibung, die gleich richtig Lust auf mehr macht. Es klingt zwar so, als wenn der E5 beliebt, aber keinesfalls überlaufen ist und man die überwiegende Zeit ganz für sich alleine ist. Ist dem so? (mit Ausnahme der Hütten natürlich).
    Das Wetter scheint es auch gut mit Euch gemeint zu haben – die Fotos sind richtig toll. 🙂

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