Bike and Hike im Karwendel: Brennende Oberschenkel und Gipfelglück

Routen Tipp für 2-3 Tage Bike and Hike im Karwendel. Mit seinen gute ausgebauten Netz an Wanderwegen und Mountainbike Routen, seinen urigen Almen und DAV-Hütten, einer einzigartigen Bergkulisse aus schroffen Kalkgestein und der türkisblauen Isar sowie allerhand Gipfel für jeden Geschmack, gilt der Naturpark Karwendel als eine der beliebteste und bekanntesten Wanderregionen in den Alpen. Hier kommst du als Wanderer und Mountainbiker gewiss auf deine Kosten. Und mit etwas Glück entdeckst du zwischen saftig grünen Almwiesen, Latschen und Enzian auch Gamsböcke in freier Natur.

Bike and Hike im Karwendel: Routentipp für 2 Tage

Wenn du den Naturpark Karwendel an einem Tag mit dem Mountainbike und zu Fuß kennenlernen willst, habe ich genau den passenden Routenvorschlag für dich! Bike and Hike im Karwendel: Eine aufregende Wochenend-Tour von Scharnitz über das Halleranger Haus mit verschiedenen Gipfeloptionen (Sunntigerspitze, Reps, Speckkarspitze und Kleiner Lafatscher). Viel Spaß beim Nachwandern und Radeln!

Bike and Hike im Karwendel: Zu Fuß und auf dem Rad durch die Alpen

Bike and Hike im Karwendel: Zu Fuß und auf dem Rad durch die Alpen

Bike and Hike im Karwendel: Tag 1

Scharnitz – Halleranger Alm – Sunntigerspitze – (Reps) – Halleranger Alm

Unser Routenvorschlag Bike & Hike im Karwendel beginnt am Wanderparkplatz in Scharnitz. Solltest du bereits am Vortrag anreisen, so empfehle ich dir für die Übernachtung den Zeltplatz Karwendel Camping. Der ist nicht nur sauber und idyllisch, sondern bietet Besuchern der Halleranger Alm auch einen kostenlosen Stellplatz für ihre Auto (mehr dazu unter Bike & Hike im Karwendel: Praktische Tipps).

Mit dem Rad zur Halleranger Alm

Vom Wanderparkplatz in Scharnitz (946 m) geht es mit dem Mountainbike über eine ca. 19 Kilometer lange Strecke bis zur Halleranger Alm (1.776 m). Die Route ist technisch einfach und auf für Anfänger geeignet, erfordert jedoch im letzten Drittel der Strecke aufgrund des steilen Anstieges zur Halleranger Alm eine sehr gute Kondition und Durchhaltevermögen.

Strecke: 19,3 km
Dauer: 1,5 – 2,5 Stunden
Höhenmeter: ↑ 849 m
Schwierigkeitsstufe: leicht
Kondition: erst leicht, später schwer

Zunächst folgen wir dem ausgeschilderten Isar Radweg für 14 Kilometer immer entlang der türkis blauen Isar durch das malerische Hinterautal in Richtung Kastenalm. Während du immer auf dem Hauptweg bleibst, türmen sich rechts und links mehr oder weniger bekannte Berge des Karwendels auf, kleine Brücken ermöglichen eine Überquerung der glasklaren Isar und saftig grüne Wälder bieten erholsamen Schatten. Die erste Hälfte der Route fährt sich leicht über einen gut passierbaren Karrenweg, mit nur wenigen Anstiegen und Hindernissen, so dass du die einzigartige Umgebung mit Freude genießen kannst.

Bike & Hike im Karwendel: Mit dem Mountainbike entlang der Isar

Bike & Hike im Karwendel: Mit dem Mountainbike entlang der Isar

Nach ca. 14 Kilometern erreichst du die Kastenalm und hier wendet sich das Blatt. Ab sofort geht es kontinuierlich und steil bergauf über groben Schotter. Die Oberschenkel fangen an zu brennen und wer am Berg stehen bleibt und absteigt, wird Probleme haben, wieder auf den Satteln zu kommen. Dieser Streckenabschnitt zur Halleranger Alm ist nicht durchgängig befahrbar und beinhaltet das ein oder andere Schiebestück, das ordentlich auf die Arme geht. Alternativ kannst du dein Rad auch an der Kastenalm zurücklassen, um den zweiten Teil der Strecke komplett zu Fuß zurückzulegen. Erst ab dem Lafatscher Niederleger wird die Strecke wieder etwas flacher und besser befahrbar. Nach knapp 19 Kilometern erreichst du eine Gabelung. Biege nun links ab und fahr die letzten Meter steil bergauf bis zur schönen Halleranger Alm auf 1.776 Höhenmetern. Hier kannst du dein Mountainbike abstellen und dich von der mühseligen Anfahrt erholen. Die Alm wird auch mittags bewirtet.

Zu Fuß auf die Sunntigerspitze und/oder den Reps

Wenn du trotz der konditionell herausfordernden Anfahrt mit dem Mountainbike zur Halleranger Alm noch Puste und Lust hast, kannst du am Nachmittag ein bis zwei nahe gelegene Gipfel erklimmen. Unmittelbar hinter der Halleranger Alm beginnt der Wanderweg zum Gipfel des Hausbergs, der Sunntigerspitze (2.321 m) und dem Reps (2.159 m). Folge dazu einfach der Beschilderung „Sunntigerspitze“ und der Rotpunkt Markierung.

Höhe: 2.321 m (Sunntigerspitze)
Dauer: 2,5 – 3 Stunden
Höhenmeter: ↑↓ ca. 630 m
Schwierigkeitsstufe: leicht
Kondition: mittel

Der Weg führt in einem weiten Bogen nach Westen über einen gut angelegten Steig bergauf, später durch einen Latschengürtel, vorbei am Melzerdenkmal und einer Ansammlung von Steinmännerl bis zu einer weitläufigen Bergwiese. Von hier bekommst du einen ersten, beeindruckenden Panoramablick auf die Halleranger Alm im Talkessel und die sich dahinter auftürmende Speckkarspitze, unser Ziel für den morgigen Tag. Nun folgst du der Rotpunkt Markierung in Kehren bis zum Westgrat, an dem sich der Weg nach links zum Reps und nach rechts zur Sunntigerspitze gabelt. Der Weg zum Gipfelkreuz des Sunntiger verläuft anschließend steil aber unkompliziert über Schotter, Geröll und schroffe Kalkfelsen.

Wandern im Karwendel: Balsam für die Seele

Wandern im Karwendel: Balsam für die Seele

Der Abstieg erfolgt über den Aufstiegsweg. Solltest du nach dem Sunntiger Gipfel noch immer Energie und Gipfellust haben, so lässt sich die Sunntigerspitze gut mit dem Reps (2.159 m) kombinieren. In dem Fall kehrst du ebenfalls über den Anstiegsweg zum Westgrad zurück, läufst dann aber nicht bergab zur Halleranger Alm, sondern zweigst zum Reps ab. Den Gipfel erreichst du in ca. 20-25 Minuten.

Höhe: 2.159 m (Reps)
Dauer: 2,0 – 2,5 Stunden (ohne Sunntigerspitze)
Höhenmeter: ↑↓ ca. 500 m
Schwierigkeitsstufe: leicht
Kondition: leicht

Übernachtung in der Halleranger Alm

Die Halleranger Alm (1.776 m) liegt malerisch zwischen der imposanten Karwendelkette und bietet bei Sonnenaufgang und -untergang einen wundervolle Blick auf die umliegenden Gipfel. Die Alm hat Platz für 28 Wanderer in Mehrbettzimmern und verfügt über weitere 48 Schlafplätze im Matratzenlager. Dennoch solltest du, vor allem in den Ferienzeit, rechtzeitig reservieren, denn die Alm liegt auf der Route einiger sehr beliebter Fernwanderwege, wie dem Adlerweg, dem Karwendel Höhenweg (West) und dem Traumpfad München-Venedig. Falls die Halleranger Alm doch mal ausgebucht sein sollte, gibt es mit dem Halleranger Haus, nur ca. 10 Gehminuten entfernt, eine weitere Übernachtungsmöglichkeit.

Heimat in den Bergen - zumindest für ein Wochenende

Heimat in den Bergen – zumindest für ein Wochenende

Das Matratzenlager der Halleranger Alm ist recht eng und kuschelig, zudem gibt es nur eine Dusche für alle Gäste. Etwas Logistik ist beim abendlichen Duschgang also gefragt, sofern er nicht komplett ausfällt. Die Belegschaft ist sehr freundlich, an Wochenenden bei großen Menschenandrang aber auch reichlich gestresst und der Platz im Gastraum langt nicht für alle Gäste. Schnapp dir einfach ein Skiwasser oder ein alkoholfreies Weizen und genieße den Blick auf die niedliche, vorgelagerte Kapelle mit Karwendel Panorama von der Terrasse der Halleranger Alm.

Morgengrauen im Karwendel: Kapelle mit Blick auf den Kleinen Lafatscher

Morgengrauen im Karwendel: Kapelle mit Blick auf den Kleinen Lafatscher

Bike and Hike im Karwendel – Tag 2:

Halleranger Alm – Speckkarspitze – Lafatzer Joch – (Kleiner Lafatscher) – Halleranger Alm – Scharnitz

Das Leben auf der Alm beginnt früh am morgen und bereits um 7:00 Uhr ist der Gastraum vollbesetzt mit Gipfel-hungrigen Wanderern und Kletterern. Heute wartet mit der Speckkarspitze eine wundervolles Highlight mit einigen Kraxelpassagen (Stufe I), einem traumhaften 360° Panorama und anschließender Gratwanderung auf dich.

Rundwanderung Speckkarspitze

Der Aufstieg zur Speckkarspitze erfolgt über die Nordwestflanke zum Gipfel, der Abstieg über den Südwestgrat zum Lafatscher Joch. Gutes Schuhwerk, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Pflicht. Damit die Gipfelbesteigung etwas leichter „aus der Hüfte geht“, kannst du einen Teil deines Gepäcks im Trockenraum der Halleranger Alm zurücklassen.

Höhe: 2.621 m
Dauer: 3,5 – 4,5 Stunden
Höhenmeter: ↑↓ ca. 900 m
Schwierigkeitsstufe: mittel
Kondition: mittel

Steige von der Terrasse der Halleranger Alm hinab, vorbei am Zweitgebäude, dass auch das Matratzenlager beinhaltet, und überquere den kleinen Flusslauf. Anschließend geht es ca. 10 Minuten durch ein kurzes Waldstück bis zum Halleranger Haus. Dort befindet sich eine Übersichtskarte und ein Schilderbaum. Folge nun der Beschilderung „Lafatscherjoch – Speckkarspitze 223“ Richtung Süden.

Der Wanderweg führt dich zunächst entlang der Schnittlwände, eine beliebte Steilwand mit herausfordernden Routen für erfahrene Kletterer, und mündet dann zum sogenannten „Durchschlag“. Hier geht es über eine Geröllrinne steil bergauf bis zum Jochkreuz auf ca. 1.990 m, wo du eine kurze Rast einlegen und den Blick auf die Gipfel des Karwendels genießen kannst. Anschließend geht der Weg für ca. 50 m gemächlich fortan bis zum einem Abzweig. Die Beschilderung weist den Weg zur Speckkarspitze über die Nordwestflanke nach links aus. Alternativ kann die Speckkarspitze aber auch über den Südwestgrad begangen werden.

Gipfelglück auf der Speckkarspitze

Gipfelglück auf der Speckkarspitze

Über die Nordwestflanke geht es nun steil in Serpentinen über Schotter und Geröll bergauf. Später wird der Weg ausgesetzter und es wurden einige Drahtseile und Tritte zur Sicherung angebracht. Zwischendurch ergeben sich an der Flanke und in Richtung Joch immer wieder imposante Ausblicke. Hin und wieder musst du nach der roten Wegmarkierung Ausschau halten, die sich im Geröll etwas verliert. Die letzten 100 Höhenmeter bis zum Gipfel werden vorrangig kraxelnd und kletternd (Stufe 1) überwunden. Der Gipfel der Speckkarspitze ist weitläufig und bietet ausreichend Platz für eine Gruppe Wanderer. Du kannst dich frei bewegen und das umliegende Panorama auf das Inntal, die Lafatscher Gruppe, das Halleranger Haus sowie Sunntigerspitze und Reps aus verschiedenen Perspektiven auf dich wirken lassen.

Rundwanderung Speckkarspitze: Der Abstieg wird zur Gratwanderung

Rundwanderung Speckkarspitze: Der Abstieg wird zur Gratwanderung

Der Abstieg kann über den Anstiegsweg entlang der Nordwestflanke oder als Rundtour über den etwas anspruchsvolleren Südwestgrad erfolgen. Ich empfehle dir die Gratwanderung. Diese solltest du allerdings nur wählen, wenn du schwindelfrei und trittsicher bist, da einige ausgesetzte Stellen ohne Sicherung überwunden werden müssen. Lass dir für die Gratwanderung ausreichend Zeit. Der Weg beginnt direkt neben dem Gipfelkreuz und besteht aus einigen Kraweleinlagen. Nach ca. 1 bis 1,5 Stunden Abstieg mündet der Wanderweg in das Lafatscher Joch. Von hier aus kannst du der Beschilderung zurück zur Halleranger Alm folgen oder einen weiteren Gipfel in Angriff nehmen.

Gipfelwanderung zum Kleinen Lafatscher

Direkt gegenüber der imposanten Speckkarspitze ragt ein weiterer, spannender Gipfel empor, der Kleine Lafatscher. Schon beim Anblick der Wegbeschaffenheit wird klar, dass dieser Berg nur von trittsicheren und schwindelfreien Bergwanderern begangen werden sollte. Der Gipfelanstieg ist teilweise weglos und mit vereinzelten Kraxeleien (Stufe I, II).

Höhe: 2.636 m
Dauer: 3,5 – 4,0 Stunden (ohne Speckkarspitze)
Höhenmeter: ↑↓ ca. 600 m
Schwierigkeitsstufe: schwer
Kondition: mittel

Der Zustieg zum Kleinen Lafatscher erfolgt vom Lafatscher Joch zunächst durch Latschen bewachsene Hänge und bald schon über Schotter und Geröll. Ein sicherer Tritt ist bereits zu Beginn des Aufstieges wichtig. Aufgrund von losen Steinen besteht Steinschlaggefahr und du solltest darauf achten, dass du nach dir aufsteigende Wanderer nicht gefährdest. Die Wegmarkierung ist spärlich und ausgewaschen. Du musst dich anhand früher Spuren, vereinzelten roten Punkten und Steinmännern orientieren. Die optimale Route zu finden erscheint nahezu unmöglich.

Blick vom Kleinen Lafatscher auf die Speckkarspitze

Blick vom Kleinen Lafatscher auf die Speckkarspitze

Auf ca. 2.300 m erreichst du einen Grasabsatz. Anschließend beginnt die Kraxelei (Stufe I und II) über den blanken Kalkfelsen  und du bewegst dich vorwiegend auf allen Vieren fort. Die Route führt steil nach oben über den Südostgrat des Kleinen Lafatschers und bietet hin und wieder schwindelerregende Blicke auf die steile Flanke. Einige ausgesetzte Stellen erfordern Mut, Aufmerksamkeit und erste Klettererfahrungen. Drahtseile oder ähnliches zur Sicherung gibt es nicht. Der Weg zum Gipfel erscheint schier unendlich und hinter jeder Erhebung wartet die nächste. Der Gipfel eröffnet eine 360° Panorama über die Karwendel Hauptkette und die umliegenden Gipfel, die du dieses Wochenende erklommen hast.

Der Abstieg erfolgt, sofern aufgrund der schwer erkennbaren Wegführung möglich, über den Aufstiegsweg. Trekkingstöcke sind hilfreich. Vom Lafatscher Joch geht es über die Geröllrinne und entlang Schnittlwände zurück zur Halleranger Alm.

Zurück nach Scharnitz gelangst du mit dem Mountainbike über die Aufstiegsroute durch das Hinterautal binnen 45 – 60 Minuten. Gute Bremsen sind von Vorteil.


Bike & Hike im Karwendel: Praktische Tipps

Übernachtung: Wenn du bereits am Vortrag anreist, empfehle ich dir eine Übernachtung auf dem Karwendel Camping in Scharnitz. Als Besucher der Halleranger Alm kannst du dein Auto über das gesamte Wochenende kostenfrei auf dem Parkplatz des Karwendel Camping abstellen. Alternativ findest du in Scharnitz auch einen kostenpflichtigen Wanderparkplatz.

Bike and Hike im Karwendel: Entlang der türkisblauen Isar

Bike and Hike im Karwendel: Entlang der türkisblauen Isar

Ausrüstung: Die Devise lautet: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Immerhin musst du deinen Rucksack beim Auf- und Abstieg mit dem Mountainbike in kompletter Ausstattung sowie 2-3 Liter Wasser mit dir führen. Folgende Dinge solltest du beim Bike & Hike im Karwendel inklusive einer Hüttenübernachtung auf keinen Fall vergessen:


Lust auf eine Hüttenwanderung?

In meinem Outdoor Forum findest du weitere Routen Empfehlungen für ein- und mehrtägige Wanderungen in den Alpen. Diese Touren könnten dir auch gefallen:

Bilder: © Doreen Schollmeier / Sebastian Semmler

IsoldeMaReisen

Mein Name ist Isolde MaReisen und ich bin fernsüchtig. Auf fernsuchtblog.de berichte ich von meinen Reisen, Outdoor-Erlebnissen und gebe Tipps für Weltenbummler.

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