Indien für Aktivreisende: 8 Tipps für sportliche Aktivitäten

Indien für Aktivreisende: 8 Tipps von Indien Expertin Sarah Appelt
Indien für Aktivreisende: 8 Tipps von Indien Expertin Sarah Appelt

Bei der Planung einer Indienreise denkt man zunächst wohl nicht an aktive Ausflüge, Fahrradtrips oder Trekkingtouren. Die meisten Indienreisenden buchen eine typische Kulturreise mit Auto und Fahrer und wissen gar nicht, was ihnen dadurch alles entgeht.

Klar, auch auf einer Gruppenreise im Bus oder bei einer privaten Reise mit dem Auto bekommt man die Hauptsehenswürdigkeiten Indiens zu Gesicht. Man besucht das Taj Mahal, macht einen Stopp am indischen Bazaar, besucht die berühmten Tempel und Paläste und kehrt in gehobene Restaurants ein. Ein persönlicher Bezug zu Land und Menschen entsteht dabei meist leider nicht. Ganz im Gegenteil. Oft ist der Blick aus dem Busfenster oder der kurze Gang vom Auto zur Sehenswürdigkeit eher eingeschränkt und zeigt einem nur das Indien der Armut, der Verschmutzung, des Lärms und der Überbevölkerung. Indien aktiv zu bereisen, heißt Indien hautnah zu erleben.

Indien – ein aktives Reiseland?

Doch tatsächlich bietet sich gerade Indien als aktives Reiseland an. Denn, um das wirkliche Indien und seine Bewohner abseits des Touristenstromes kennen und lieben zu lernen, gilt es, sich aus der Komfortzone heraus zu wagen – auf die Straßen, in die Dörfer, in winzige Teehäuser, zu den hohen Himalaya-Bergen, in ein kleines Yoga-Ashram oder durch wilden Dschungel. Und all das am besten zu Fuß, mit dem Fahrrad, auf der Yoga-Matte oder im Boot.

Erlebe zwischenmenschliche Kontakte, grandiose Natur und bleib dabei in Bewegung.

So begegnet man den Menschen nicht nur auf Augenhöhe und kommt in Ecken des Landes, wo sich sonst kein Tourist blicken lässt, sondern man ist auch oft Tage oder Wochen mit einem indischen Team unterwegs, wodurch wunderbare Kontakte und ein reger Austausch entsteht. Gemeinsam kochen, essen, Berge erklimmen oder indische Familien besuchen: Das alles sind die kleinen Dinge, die eine Indienreise unvergesslich machen können. Außerdem wird man Indiens grandiose Natur und vielfältige Landschaft kennenlernen. Auf seinen 300 000 km² bietet Indien eine 7.000 km lange Küstenlinie, tiefen Dschungel mit frei lebenden Tigern, Elefanten, Löwen und Nashörnern, Tee- und Gewürzplantagen, den hohen Himalaya, ein weit vernetztes Flusssystem und Felder voller Obst, Gemüse und Getreide.

All das lädt zum aktiv werden an! Dabei spreche ich hier nicht vom Hardcore-Outdoor Sportler, der im Alleingang unbekannte Himalaya-Gipfel erklimmt. Nein, Indien ist vor allem etwas für Genusssportler und Reisende, die Abwechslung lieben und gern etwas Neues ausprobieren. Indien hat für jedes Fitness Level etwas zu bieten. Und was gibt es schöneres, als von seinem Urlaub nicht nur erholt und voller Eindrücke, sondern auch fit zurückzukehren? Wer kennt nicht das Gefühl der Erschöpfung langer Fahrten im Fahrzeug, bei denen man immer nur ab und zu für ein Foto oder eine Besichtigung aus- und wieder einsteigt. Aktives Reisen spendet Energie und erweckt die Lust auf Neues.

Indien ist das perfekte Reiseziel für Aktivreisende, ganz gleich ob Trekking, Fahrrad fahren, Yoga oder Rafting.

Indien ist das perfekte Reiseziel für Aktivreisende, ganz gleich ob Trekking, Fahrrad fahren, Yoga oder Rafting.

8 Tipps für aktive Reiseerlebnisse in Indien

Im Folgenden möchte ich euch 10 Tipps geben, wie ihr aktiv in Indien unterwegs sein könnt – entweder in einem Stück auf einer kompletten Aktiv-Reise oder immer wieder als aktives Zwischenelement während eurer Indienrundreise.

Tipp 1: Trekkingtouren im Himalaya

Der indische Himalaya steht oft nicht auf der Reiseliste bei Indienreisenden. Das ist schade, ist er doch ein absolutes Muss, vor allem für Wanderfreunde, Outdoorliebhaber und Natursuchende.

Im Vergleich zum Himalaya in Nepal steht der indische Himalaya noch im touristischen Schatten seines Nachbarn. Doch genau das ist der entscheidende Vorteil: Hier bist du – je nach Trek – Tage oder Wochen ganz allein mit deinem indischen Trekkingteam in kleiner Gruppe unterwegs und triffst höchstens auf einen Schäfer oder eine andere Trekkinggruppe. Die Trekkingrouten reichen von kurzen dreitägigen beschaulichen Rundkursen, bis hin zu wochenlangen anspruchsvollen Bergtouren über vereiste Gletscher und Pässe auf bis über 5000 Meter.

Ausgeschilderte Pfade sucht man vergeblich und oft gibt es auch keine Dörfer auf den Etappen (außer auf den Homestay-Treks in Ladakh), sodass der Proviant für den gesamten Trek mitgenommen werden muss. Ich empfehle in einen organisierten Trek zu investieren. So ist man nicht nur in sicheren Händen, sondern wird auch eine schöne Zeit mit den einheimischen Trekking-Guides haben und unterstützt den lokalen Öko-Tourismus.

Für Trekkingeinsteiger oder für Reisende, die den Trek nur als einen Teil der gesamten Indienreise machen wollen, kann ich die folgenden Routen empfehlen:

  • 5 Tage Indrahar Pass Trek von Mcleod Ganj in das Chamba Tal, Himachal Pradesh

Als  anspruchsvollere und längere Trekkingtouren solltet ihr unbedingt diese Treks in Erwägung ziehen:

  • 12 Tage Bara Banghal Trek, Himachal Pradesh

Besondere Treks:

  • 5-8 Tage Stok Tal Trek, Ladakh – kann als Homestay Trek selbstständig gegangen werden

 

Tipp 2: Bergsteigen im Himalaya

Und da wir ja gerade schon im Himalaya sind, bleiben wir doch gleich hier und werden nur etwas extremer: Bergsteigen. Ja, Indien hat zahllose hohe Gipfel über 6.000 Meter – bestiegene und (noch) nicht bestiegene und wiederum für jedes Level.  An vier verschiedenen Stationen über den ganzen indischen Himalaya kann man vierwöchige zertifizierte Grund- und Fortgeschrittenen-Bergsteigerkurse in Bergsteigerinstituten belegen und wird in Klettertechniken am Fels, Eis oder Schnee ausgebildet. Ansonsten kann man natürlich auch an einer geführten Bergexpedition teilnehmen. Bei den Expeditionen geht man von Lager zu Lager und hat zusätzliche Tage für die Akklimatisierung, Training mit der technischen Ausrüstung und für den Transport von Material und Verpflegung in die höheren Lager. Bergsteigerausrüstung wie Steigeisen, Schuhe, Seile, Karabiner, Sitzgurt und Eispickel sind ein Muss und werden gestellt.

Als Einsteigergipfel eignet sich der 5353 m hohe Friendship-Peak in Manali oder der 6123 m hohe Stok Kangri in Ladakh, der trotz seiner Höhe als einfacher Trekkingberg gilt.

Für ein moderates Level empfehle ich die Gipfel Hanuman Tibba und Deo Tibba, beide um die 6000 m hoch und von Manali, einem beliebten Bergort und Ausgangspunkt für viele Bergabenteuer, in nur wenigen Tagen erreichbar.

Wer sich an die anspruchsvollen Gipfel wie Trishul, Kamet oder die 7000er Nun und Kun machen möchte, sollte circa 30 Tage für Reise, Akklimatisierung und Besteigung einplanen.

Indien für Aktivreisende: Abenteuer pur für echte Outdoor Freaks, eine Bergexpedition durch Indien.

Indien für Aktivreisende: Abenteuer pur für echte Outdoor Freaks, eine Bergexpedition durch Indien.

 

Tipp 3: Fahrradreisen und Tagestouren in Indien

Aber es muss ja gar nicht so anspruchsvoll, wie auf einer Himalaya-Tour zugehen. Für mich persönlich ist das Fahrrad die beste Art und Weise, ein Land zu bereisen. Es bietet genau die richtige Geschwindigkeit, um voran zu kommen und, um dennoch genug zu sehen. Man ist hautnah dran und kann nach Belieben anhalten und Fotos machen.

Zweiwöchige Fahrradreisen durch die Staaten Kerala oder Rajasthan bieten eine Kombination aus Bewegung, Kultur und Natur, wobei der kulturelle Aspekt über dem sportlichen steht. Natürlich gibt es auch die anspruchsvolleren Himalaya-Fahrradtouren, bei denen es über die höchsten Passstraßen der Welt geht. Die neuntägige Tour auf dem Manali-Leh-Highway über mehrere 5000 Meter hohe Pässe ist ein Klassiker.

Ansonsten werden fasst in allen touristischen Orten Fahrräder für eigenständige oder geführte Tagestouren verliehen. Dabei reicht die Bandbreite der Fahrräder von krummen Drahteseln aus Stahl, bis hin zu High-End-Mountainbikes.

Meine Lieblings-Tagestouren:

  • Mit dem Fahrrad um die Seen bei Udaipur in Rajasthan
  • Mountainbike-Tagestouren von Shimla und Manali (Himalaya) über Waldwege, Jeep-Pisten und Kuhpfaden
  • Durch Hampi‘s Felslandschaften und Reisfelder
  • Entlang der Küste Keralas zu Stränden bei Kochi
Indien für Aktivreisende: Mit dem Rad nach Manali Leh.

Indien für Aktivreisende: Mit dem Rad nach Manali Leh.

 

Tipp 4: City-Fahrrad-Sightseeing-Touren

Klingt crazy und ist es auch ein bisschen! Bei diesen geführten Sightseeing-Touren mit dem Rad geht es in aller Frühe los, um von der Perspektive eines Verkehrsteilnehmers die indischen Großstädte mit allen Sinnen zu erleben. Aufgrund des frühen Startes am Morgen vermeidet man den indischen Hauptverkehr und lernt mit der einen Hand an der Bremse und der anderen an der Klingel schnell, ein Teil des großen Gewusels zu werden. Besichtigt werden morgendliche Märkte, Tempel, kleine Garküchen, Fabriken, private Wohnungen und vieles mehr.

Besonders zu empfehlen sind die Touren von Delhibycycle in Delhi und Cyclinjaipur in Jaipur.

Indien für Aktivreisende: Kombiniere Kultur und Sport bei einer Fahrradtour durch Jaipur.

Indien für Aktivreisende: Kombiniere Kultur und Sport bei einer Fahrradtour durch Jaipur.

Tipp 5: Yoga in einem Ashram

Oh ja natürlich! Yoga ist aktiv, sehr indisch und bietet den perfekten Ausgleich zum langen Sitzen im Bus, dem hektischen Indien und all den Eindrücke.

Ob ein zweiwöchiges Retreat in einem authentischen Yoga-Ashram, einem Yoga- und Ayurveda-Resort-Aufenthalt am Strand oder nur hin und wieder eine Stunde zum Mitmachen während deiner Reise: Du solltest unbedingt ein paar Yoga-Stunden in deine Indienreise integrieren. Yoga gehört zur indischen Kultur, wie der Sari zur indischen Frau. Mach dir keine Gedanken, falls du ein kompletter Yoga-Anfänger bist, indische Yoga-Lehrer sind an Touristen gewöhnt, die Yoga ausprobieren möchten und bieten Yoga-Stunden für jedes Level an. Als fortgeschrittener Yogi oder Yogini bist du natürlich im Ursprungsland des Yogas genau richtig. Viele Yogapraktizierende kommen nach Indien, um eine Yoga-Lehrer-Ausbildung zu machen. Aber Aufgepasst: Unter all den guten Yoga-Angeboten und Schulen, gibt es auch einige Schwarze Schafe, die auf den Zug des Yoga-Business aufgesprungen sind. Pass also bei deiner Recherche nach guten Yogaschulen/Ashrams besonders gut auf.

Gute Yoga-Adressen, die ich selbst ausprobiert habe, sind:

  • Anand Prakash Ashram in Rishikesh
  • Universal Yoga mit Vijay in Daramshala und Goa
  • Shivananda Yoga Ashram (u. a. in Kerala)
  • Shri Jasnath Ashram, Rajasthan
  • Mahabodi International Yoga Centre, Leh
Indien für Aktivreisende: Wie wäre es mit einem Yoga-Retreat in einem indischen Ashram?

Indien für Aktivreisende: Wie wäre es mit einem Yoga-Retreat in einem indischen Ashram?

 

Tipp 6: Tageswanderungen

Wenn es nicht gleich eine mehrtägige Trekkingtour werden soll, lockere deine Indienreise doch mit der einen oder anderen Wanderung auf. Auch, wenn du dich sicherlich auch auf eigene Faust durchschlagen kannst, empfehle ich dir eine geführte Tour. Dabei machst du nicht nur einen schönen Rundkurs und nutzt Pfade, die dir sonst verborgen bleiben, sondern lernst von deinem Führer auch viel über die Umgebung und das Leben der Einheimischen.

Schöne Tagestouren gibt es um Udaipur in Rajasthan, in den Himalaya-Orten wie Dharamshala, Rishikesh und Manali, sowie in Kerala durch Tee-, Gewürzplatantagen und Nationalparks mit der Chance, freilebende Wildtiere wie Elefanten zu erspähen.

Indien für Aktivreisende: Wenn dir der Himalaya zu viel ist, dann mach doch eine Tageswanderung durch die Teeplantagen.

Indien für Aktivreisende: Wenn dir der Himalaya zu viel ist, dann mach doch eine Tageswanderung durch die Teeplantagen.

Tipp 7: Bouldern in Hampi

Hampi im südindischen Karnataka und nur eine Tagestour von Goa entfernt, gilt als das Boulder-Paradies schlechthin. Bouldern ist, wie der Name besagt, klettern an kleineren Felsen ohne Sicherung und nicht höher als drei Meter.

Wenn du also ein Kletterenthusiast bist, kommst du an Hampi nicht vorbei. Jeden Winter zieht es Profi-Boulderer aus der ganzen Welt in das kleine Örtchen, um sich an den Bouldern auszutoben. Hier gibt es genug Boulder für jeden. Es scheint, als hätte Gott selbst die Gegend mit Felsen bestreut: Soweit das Auge reicht gibt es Felsbrocken. Das macht die Gegend nicht nur für Kletterer reizvoll, sondern auch für andere Touristen, die sich an der Kombination aus goldenem Gestein, grünen Reisefeldern und sprudelnden Flüsschen erfreuen. Hampi ist auch als UNESCO-Weltkulturerbe bekannt, sind hier doch noch die Ruinen eines alten Königtums vorzufinden.

Ansonsten ist Hampi ziemlich entspannt mit kleinen Cafés und Läden, Yoga-Angeboten und Movie-Nächten – ein Backpacker Ort zum Hängenbleiben schlechthin.

Indien für Aktivreisende: Statt Bouldern in der Halle ab an den Felsen in Hampi.

Indien für Aktivreisende: Statt Bouldern in der Halle ab an den Felsen in Hampi.

Tipp 8: Wassersport von Rafting bis Tauchen

Klar, mit einer Küstenlinie von 7.000 km und einem riesigen Flussnetzwerk, kann man natürlich in Indien auch sehr gut im und auf dem Wasser aktiv werden.

Eine meiner liebsten Wassersportaktivitäten in Indien ist eine Kanu oder Kayak Tour auf dem Kanalsystem der Backwaters in Kerala. Die weit verzweigten Kanäle führen durch eine grüne Palmenlandschaft entlang der bewohnten Inseln. Anders als auf den motorisierten Hausbooten kommt man mit den Kajak auch durch die kleineren Kanäle und bekommt so das Leben der Einheimischen aus erster Hand mit: Kinder tauchen nach Muscheln, Männer erledigen Einkäufe auf ihrem Boot, Frauen waschen die Wäsche.

Ein weiteres Wassersport-Highlight sind Rafting-Touren auf den Himalaya-Flüssen. Touren von ein bis fünf Tagen auf den Flüssen Ganges, Alakhnanda, Zanskar und Indus können es ganz schön in sich haben! Ein unvergessliches Erlebnis ist es allemal.

Ansonsten gibt es Tauchkurse auf den Andaman Islands, Surfen kann man an den Stränden Goas, Keralas und Karnatakas und auch die Kitesurfer kommen in Goa voll auf ihre Kosten.

Indien für Aktivreisende: Mit dem Kayak durch die Backwaters von Kerala.

Indien für Aktivreisende: Mit dem Kayak durch die Backwaters von Kerala.

Mein Fazit und weitere Indien Reisetipps

Ich hoffe, ich konnte dich mit meinen Tipps zu einer aktiven Indienreise inspirieren und habe dir Ideen gegeben, wie du deine Indienreise gestalten könntest. Über deine Fragen freue ich mich sehr und werde sie schnellstmöglich beantworten.

© Bilder: Sarah Appelt – Chalo Reisen; Simon English – unsplash.com

Sarah

Sarah lebt seit 2009 im indischen Teil des Himalaya und führt von hier ihr eigenes kleines Reiseunternehmen Chalo Reisen für Aktiv-, Yoga- und Kulturreisen in ganz Indien. Sie ist passionierte Outdoorsportlerin und hat ihre Ausbildung im Bergsteigen abgeschlossen. Sie liebt die Herausforderung des Bergsteigens und erkundet immer wieder neue Regionen Indiens in Form von Mountainbiken und Trekkingtouren. Als mehrfach ausgebildete Yoga Lehrerin leitet sie ihre eigenen Yoga Retreats in Asrams und Resorts und bildet sich immer wieder weiter.

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